Z50 Landwirtschllftslehiei I. Schneider.
Bedarfsfälle auch Wohl gegenseitig auszuhelfcn suchte, und wo dies nichtmöglich war, boten sowohl die zahlreich vorhandenen Geschäftsleute, mitdenen die Landwirte in Verbindung standen, sowie die in fast allenStädten der Provinz bestehenden Schulze-Dclitzschschen VorschußvereineGelegenheit, das etwaige Kreditbedürfnis zu befriedigen.
Indessen, die schon seit mehreren Jahren andauernden ungünstigenlandwirtschaftlichen Konjunkturen, in deren Folge die Einnahmen dermeisten bäuerlichen Wirte sich mehr oder weniger herabgemindert haben,sowie die gerade unter den kleinen bäuerlichen Wirten in neuerer Zeitzumeist durch Zulauf von Land oder durch Neu« resp. Umbauten vielfachveranlaßte größere Verschuldung haben das Bedürfnis nach BefriedigungHon Personalkredit nicht unwesentlich vermehrt, und während die Mög-lichkeit gegenseitiger Aushilfe bei den bäuerlichen Wirten sich verminderte,uuch die Geschäftsleute in Anbetracht der sich ungünstiger gestaltendenLage der Landwirte in ihren Gelddarleihungen schwieriger und teurerWurden, trat der infolgedessen in immer umfangreicherem Maße bei denstädtischen Vorschußvereinen in Anspruch genommene, aber zumeist teureund den landwirtschaftlichen Verhältnissen größtenteils doch wenig ange-paßte Personalkredit in ein um so ungünstigeres Verhältnis zu denniedrigen Einnahmen der ländlichen Grundbesitzer.
Wie bedeutend trotzdem die Inanspruchnahme dieser Schulze-Delitzschschen Vorschußvereine seitens unserer Landwirte ist, geht ausuachfolgenden, von dem Allgemeinen Verbände der Deutschen Erwerbs-und Wirtschaftsgenossenschllft uns zugegangenen Mitteilungen hervor.
Denselben zufolge hatten von den im Jahre 1893 vorhandenen97 Schulze-Delitzschschen Vorschußvereinen mit unbeschränkter Haftpflicht8? ihren Jahresbericht pro 1893 eingereicht; von diesen kommen fürdie Personaltreditverhältnisse der ländlichen Bevölkerung nur die 70 nichtin Berlin domizilierten Vorschußvereine in Betracht, und diesen gehörtenVon der Gesamtmitgliederzahl von 29 948 24,6°/«, d. h. 7360 selb-ständige Landwirte als Mitglieder an. Legt man dieses Verhältnis derMitgliederzahl auch bei den übrigen Vorschußvereinen, von denen keineJahresberichte eingegangen sind, zu gründe — und nach den bishergemachten Erfahrungen trifft dies als richtig durchaus zu — so dürfte sichdie Zahl der bei den Schulze-Delitzschschen Vorschußvereinen in hiesigerProvinz als Mitglieder beteiligten selbständigen Landwirte aus etwasüber 10 000 beziffern, denen im Jahre 1893 im ganzen 55 600 000 Mk.als bare Darlehen für ihren Gefchäfts« und Wirtfchaftsbetrieb bewilligtwurden.