Der Personaltredit im Gebiete der thüringischen Staaten. 281
sehr beschränkter Gebrauch gemacht worden war. Man möchte, in einerZeit, wo alle Welt darauf hindrängt, dem Landmann das Kreditnehmenso bequem und schmackhaft wie möglich zu machen, nur wünschen, daßdieser solide konservative Zug nicht mehr und mehr verflacht. Der Land-mann soll und muß in vielen Dingen mehr kaufmännisch denken lernen;in soweit aber diese mobilere Denkungsart geeignet ist, auch einenungesunden Spekulationsgeist zu starten, den richtigen Instinkt der bäuer-lichen Vorsicht abzuschwächen, solide Grundanschauungen von Erwerb undErwerbsmitteln zu lockern, möchte man jene Notwendigkeit eher bedauern,als mit allzugroßem Enthusiasmus verkünden. Es klingt zwar sehrtreffend, wenn man sagen hört: „wenn alle Welt in unserer Zeit desVerkehrs mit vermehrten Mitteln des Kredits arbeitet, auf die vieleUnternehmungen geradezu gebaut sind, warum soll der Landmann alleinkeinen oder nur beschränkten Gebrauch davon machen?" Mit Berechtigungwird man aber darauf erwidern können, daß bei den mobileren Unter-nehmungen mit den höhern Erwerbsaussichten, welche der auf Kreditbasierte höhere Umsatz bietet, auch die Gefahren, die Vermögensverlusteund die Konkurse wachsen, und daß man es nur achten muß, wenn derLandwirt zwar von einem mäßigen Betriebskredit neben seiner Hypothekar-belastung verständigen Gebrauch macht, eine Kreditausdehnung aber,welche eine sichere Gleichgewichtserhaltung gefährden könnte, im allgemeinenfürchtet. Und wenn er in dieser Bemessung oft vielleicht etwas allzuvorsichtig erscheint, so ist das im ganzen richtiger als eine leichtfertigeBemessung sein würde.
Von einem eigentlichen Betriebskredit wird überall da ein ziemlichausgiebiger Gebrauch gemacht, wo ländliche Darlehnskassen oder sonstdem landwirtschaftlichen Bedürfnis angepaßte Anstalten bestehen. Imübrigen beschränkt sich derselbe in der Hauptsache auf das weiter obengeschilderte Stundungsgeschäft bei den Händlern. Die Besitzverschuldungist im allgemeinen eine hohe und dieser Umstand drückt weniger etwaauf die Kreditfähigkeit in Anbetracht zu beschaffender Betriebsmittel, alsvielmehr auf die Unternehmungskraft des Einzelnen. Wie schon weiteroben ausgeführt, ist Derjenige, der schon mit Hypothekenzinsen belastetist, doppelt vorsichtig, ja ängstlich in der Aufnahme von weiterem Kreditselbst für notwendige und nützliche Aufwendungen, die ihn zu weiterenZinszahlungen verpflichten, und das gerade ist das Blendende und Be-strickende des Händlerkredits, daß bei diesem die Zinszahlung scheinbarerspart wird. Und selbst dann, wenn der Landmann sich selber klardarüber ist, daß der Händler den Zins für die Kapitalien, welche er