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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
Seite
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246 I- Schulte.

Demgegenüber ist zu bemerken, daß es nicht im Interesse der Kredit-suchcnden liegen kann, wenn ihnen ein Darlehen in der Not gewährtwird und zugleich im Voraus feststeht, daß sie damit ihre kritische Lagenicht bessern, sondern höchstens etwas länger Hinhalten können, undschließlich nur noch höher verschuldet sind. Kreditinstitute, welche ihrerAufgabe als solche gerecht werden wollen, müssen eben nach der Ver-trauenswürdigkeit der Schuldner sorgfältig individualisieren. Letzteresaber wird bei den Schulze-Delitzschschen Kassen vermißt, ist auch beiihrem umfangreichen und bankmäßigen Geschäftsbetriebe nicht immermöglich. Da die Sicherheit der Bürgschaft auch häufig zu wünfchenübrig läßt, weil dieselbe, wie von einem Berichterstatter richtig hervor-gehoben wird, meist nur auf Gegengefälligkeit beruht, müssen die Kassenfür das größere Risiko naturgemäß einen höheren Zins fordern.

Die Häufigkeit und Höhe der Verluste bei den Kassen dieser Art(etr. Spalte 42 und 43 der Tabelle) muß auffallen, ist aber aus obigemerklärlich. Häusig sind auch Verluste durch verfehlte Spekulation herbei-geführt. So verlor z. B. der Verein zu Wiehe auf diefe Weife imJahre 1875 270 000 Mark, welche durch 100 Mitglieder gedeckt werdenmußten. Es ist nicht zu verwundern, wenn sich in Anbetracht desseneine weitgehende Abneigung gegen die unbeschränkte Haftpflicht, nament-lich in den Kreisen der kleineren Landwirte, bemerkbar macht.

Trotz aller Verluste und hohen Geschäftsunkosten ergiebt sich dennochaus Spalte 20 der Tabelle ein ansehnlicher Reingewinn für die meistenKassen; hier tritt der kapitalistische Charakter der Schulze-DelitzschschenVereine hervor; das Streben nach Gewinn, um hohe Dividenden ver-teilen zu können, ist unverkennbar. Unfreiwillig wird in Ansicht allesdessen auch der Beteiligte hier einräumen müssen, daß die in Fragestehenden Genossenschaften die ihnen von ihrem Gründer zugedachteMission vergessen haben. Die Befriedigung des Kreditbedürfmsses deskleinen Mannes steht nicht mehr im Vordergrunde, vom Kampf gegenMammon und Pauperismus kann nur selten die Rede mehr sein.

Die Rückzahlungsbedingungen für die gewährten Darlehen sindaußerordentlich verschieden. Die Persunaldarlehen werden zum grüßtenTeile gegen dreimonatliche Wechsel gewährt; wiederholte Prolongationensind indes meist statthaft und kommen sehr häusig vor. Bei den Hypotheken-darlehen ist meist eine dreimonatliche Kündigungsfrist festgesetzt. Aus-nahmen von der vorstehenden Regel, die sich namentlich bei den Personal-darlehen auf längere Fristen beziehen, sind nicht selten. Bei verschiedenenKassen ist auch die Einrichtung getroffen, daß die Schuldner ihre