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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
Seite
183
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Der Personaltredit d. ländl. KleingrundbesitzeZ innerhalb d. Herzogt. Oldenburg. 183

Über die Ertragsverhältnisse des Grundeigentums gewährt der Grund-steuerkatllster zuverlässige Anhaltepunkte. Wir haben im Herzogtum 69verschiedene Klassen, deren Reinertrag, von 50 Pfennig pro Im beginnend,bis 100 Mark pro Im ansteigt.

Im Jahre 1891 ergab der gesamte Grundsteuerreinertrag die Summevon 9 587 563 Mark, derjenige des Durchschnitts pro 1 Im 18,48 Mark,und derjenige der einzelnen Besitzung 192,4 Mark.

Die Erwerb2Verhältnisse der Bevölkerung des Herzogtums ergabennach Dr. Kollmann bei der Zählung von 1890, daß48,1°/« derselben der Land- und Forstwirtschaft,21,1°/« « der Industrie,11,5°/« - dem Handel und Verkehr und12,3"/« - den verschiedenen sonstigen Berussklassenangehörten. Man kann daher annehmen, daß etwa die Hälfte der Be-wohner des Landes von Land- und Forstwirtschaft leben.

Der Betrieb der Landwirtschaft ist in allen drei Landesteilen zurZeit ausfchließlich auf Viehproduktion gerichtet; in der Marsch war dies,soweit diejenigen Teile derselben in Betracht kommen, welche vorherrschendaus Wiesen« und Weideland bestehen, von alters her der Fall. Auf derGeest und in den vorherrschend Ackerbau treibenden Marschgebieten Pflegteman ehemals, d. h. bis vor ca. 20 bis 30 Jahren das Hauptbestreben derLandwirtschaft in der Produktion von Getreide zum Zwecke des Verkaufszu suchen. Zur Zeit wird zwar auch noch Getreidebau, wenn auch ingegen früher etwas verminderter Ausdehnung betrieben, jedoch dient dasGetreide jeglicher Gattung, abgefehen von dem Saat« und Brotgetreide,lediglich nur als Futtermittel, und daneben werden Futterstoffe andererArt in beträchtlichem Maße zugekauft. In der Marsch liegt der Schwer-punkt der Tierproduktion in der Pserde- und Rindviehzucht; auf derGeest nimmt das Schwein, freilich neben dem Rindvieh und als Unter-stützungsmittel der Milchwirtschaft, eine ganz hervorragende Rolle ein.Daneben hat in den eigentlichen Hcidegegenden die Schafzucht noch eine ge-wisse Bedeutung, welche in neuerer Zeit mit der fortschreitenden Über«sührung der Heiden in Kultur, namentlich durch Beforstung derselben,mehr und mehr abnimmt.

Der Umstand, daß die landwirtschaftlichen Konjunkturen der neuernZeit stets niedrige Getreidepreise bei gleichzeitig hohem Stande der Vieh«preise mit sich brachten, übte aus die Erwerbsverhältnisse der landwirt-schaftlichen Bevölkerung Oldenburgs einen sehr günstigen Einfluß aus,so daß Klagen, wie sie in andern Gegenden Deutschlands über die Not«