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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
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139
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Der Personallredit des ländlichen Kleingrundbesitzes in Westfalen. 133

gleich nach der Ernte dem Landwirt abzukaufen, wozu sie sich bislang,nicht haben verstehen wollen.

Im Regierungsbezirk Arnsberg ist es ebenso schwach mit der Haus-industrie bestellt.

Eigentliche Hausindustrie besteht noch in den Kreisen Nrilon,Meschede, Olpe und Wittgenstein, und wird diese Industrie von der Be-Hürde gefordert, was dankend anzuerkennen ist. Man sollte auch inanderen, besonders den ärmlichen Gebirgsgegenden, die Forderung derHausindustrie ins Auge fassen. Eine große Bedeutung hat die Haus-industrie in Westfalen nicht mehr, besonders ist der nutzbringende Klein-betrieb, wie er in großer Zahl in dem Regierungsbezirk Arnsberg,namentlich der Mark, bestand, die kleinen Eisenzicher,der Märker, derdas Eisen reckt", durch die Großindustrie aufgesogen worden, und hier-mit auch die Kohlerei, wodurch der Ertrag der Wälder sehr geschädigt ist.

Fassen wir das über Besitz- und Erwerbsverhältnisse im VorstehendenGesagte kurz dahin zusammen, daß der Grund und Boden sich vornehmlichin dem Besitze von mittleren und kleineren Landwirten befindet, mitAusnahme der bereits genannten Kreise Paderborn, Hozter, Warburzund Buren, während auch in diesen Bezirken der Bauernstand überallvertreten ist. Eigentlicher Großgrundbesitz aber findet sich verhältnis-mäßig nur in einem geringen Maße, z. B. im Münsterlande etwa 20 °/u,geringer in Minden-Ravensberg, und noch weniger in dem Sauerlande.

Mit ganz wenigen Ausnahmen leitet der Besitzer die Wirtschaftselbst und arbeitet auch mit. Fast überall wird das Anerberecht geübt;Westfalen kann als das Land des seßhaften Bauernstandes bezeichnetwerden. Großindustrielle Etablissements finden sich in Westfalen für dieverschiedensten Erzeugnisse; Kohlen und Eisenindustrie stehen obenan,dann folgt Textilbranche und die bedeutungsvolle Tabakindustrie, undhieran reihen sich im bunten Gemisch größere und kleinere Betriebe allermöglichen Branchen, so daß aus dem Ganzen ein vielgestaltiges groß-,mittet- und tleinindustrielles Bild entsteht, eine kaleidoskopische Thätig-keit in der andauernden Umwandlung der rohen Masse in eine demMenschen dienende Form.

Es muß anerkannt werden, daß die Industrie als Konsument derlandwirtschaftlichen Produkte die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisseüberall gehoben hat, dahingegen schädigt sie die näher und entfernterbetriebene Landwirtschaft dadurch, daß sie die Lohne im weiten Umkreiseimmer mehr steigert, das Land von Arbeitern entvölkert und Mangel anDienstboten hervorruft.