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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
Seite
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72 RechtsllnwaU und Not« Hmiich.

indessen, wenn der Reservefonds 10 °/o der Gesamteinlagen erreicht hat,der den Kassen weiter zustießende jährliche Geschäftsgewinn mit Zu-stimmung der Aufsichtsbehörden im Interesse desjenigen Kommunalvcr-bandcs, welcher Träger bezw. Garant des Krcditinstitutes ist, verwendetwerden.

Wie sehr die in der Saargegend bestehenden Kreditinstitute zur Ver-besserung der wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung beigetragen haben,braucht nach allem Gefügtem nicht naher ausgeführt zu werden. Aufdem Gebiete des Cefsionsgeschäftes ist dies auch zahlenmäßig nachgewiesen.Im übrigen kann der Vergleich des Betrages der schwebenden Darlehenpro Kopf der Mitglieder jetzt und vor 10 Jahren nach Lage der Sachekeine Beurteilung darüber, ob eine Erleichterung der Schuldenlast ein-getreten, ermöglichen. Denn gerade im letzten Jahrzehnt ist hier ja eineaußergewöhnliche Entwicklung der Darlehensthätigteit der Sparkassen ein-getreten und das früher in den meisten Gegenden vorherrschende Privat-kapital in einem großen Umfange auf allen Gebieten der Kreditthätigkeitverdrängt worden. Die Kreissparkasse Saarburg z. B., welche 1884 nachetwa 40 jährigem Bestehen nur 560 000 Mark an Darlehen ausstehenhatte, hat diesen Betrag in den letzten 10 Jahren auf 2 992 785 Markgebracht.

Ein treffendes und belehrendes Bild über die segensreiche Wirkungder öffentlichen Sparkassen giebt der Bericht der Merziger Kreissparkassemit folgenden Worten:

Wie sehr der Betrieb der Kasse und deren Wohlfahrtseinrichtungenim Anschluß an die Bestrebungen und Erfolge desVereins gegenWucher im Saargebiet" in den letzten Jahren gegen die Ausbeutungder Bevölkerung gearbeitet haben, möge daraus erfehen werden, daß feit1886 die fünf berüchtigtsten Wucherer, allerdings nicht ohne wenigstensebenso viele Millionen Mark zusammengebrachten Vermögens mit-zunehmen, aus dem Kassenbczirk wegziehen mußten. Wohl auf keinemGebiete ist der Erfolg der Kafsc gegen den Wucher so groß gewesen, wiebeim Grundstückshllndel.

Die Handelsleute übernehmen die an sie cediertcn Steigpreisprivi-legien nur gegen Rabatte, die zwischen ca 8 bis ca. 24°/u schwankten,und zwingen, um dieses Vorteiles möglichst teilhaftig zu werden, ihreOpfer zu wiederholten Immobiliarveräußerungen. Es ist recht niedriggegriffen, wenn man den von Handelsleuten bei Cessionen beanspruchtenRabatt im Durchschnitt auf 10 bis 20°/° taxiert. Die Sparkasse hatim Durchschnitt 2 "/o, in letzten Jahren nur 1 °/o Abzug genommen. Sie