^0 Julius Kcßler.
Von künstlichem Dünger, Kraftfuttermittel «. und zwar zu Zeiten forderte,in welchen dem Kleinbauern das bare Geld fehlt. Derselbe hat sich da-her genötigt gesehen in viel höherem Maße als früher Kredit in Anspruchzu nehmen. In diese Lücke, welche die vorhandenen Kreditinstitute ge-lassen und zum Teil nach ihrer Organisation und den vorhandenenMitteln auch nicht ausfüllen konnten, traten nun vom Beginn der1880 er Jahre an die „Darlehens-Kassenvereine" oder Spar- und Dar-lehens-Kassenvereine nach System Raiffeisen, welche in verhältnismäßigkurzer Zeit bis Mitte Juli d. I. die hohe Zahl 67 (s. Aul. 2) erreichthaben und dem Generalanwaltschaftsverbande ländlicher Genossenschaftensür Deutschland in Neuwied angeschlossen sind — sowie die dem Ver-bände der nassauischen landwirtschaftlichen Genossenschaften angehörigenGenossenschaften, 100 an der Zahl (s. Anl. 3), welche aus 61 landwirt-schaftlichen Konsumvereinen mit unbeschränkter Haftpflicht (2839 Mit-glieder) und 33 Kreditgenossenschaften mit unbeschränkter Haftpflicht(2607 Mitglieder) bestehen, von welchen 31 erst seit Anfang der 1880 erJahre als „Spar- und Leihkassen" neu gegründet und 2 Genossenschaften,nämlich der Herschbacher Vorschußverein zu Herschbach (gegründet 1863mit jetzt 775 Mitgliedern) und der Vorschuß- und Kreditverein in Hoch-heim < gegründet 1869 mit jetzt 247 Mitgliedern) als Kreditgenossenschaftnach System Schulze-Delitzsch gegründet, sich später diesem Verbände an-geschlossen haben. Für den Verband der Nassauischen Landwirtschaft-lichen Genossenschaften fungierte als Zahl- und Kassenstelle bis 1894 dielandwirtschaftliche Kreditbank in Frankfurt a. M. Beschwerden über zuhohe Zins« und Provisionssätze und Unzufriedenheit mit einem nicht denGenossenschaften angepaßten Verkehr und Rechnungswesen der landwirt-schaftlichen Kreditbank in Frankfurt a. M. führte im Frühjahr 1894 zurGründung der Nassauischen Hauptgenossenschastskasse, eingetragene Genossen-schaft mit beschränkter Haftpflicht zu Wiesbaden, welche jetzt die Kassen-sührung und zugleich die Leitung des Verbandes übernommen hat. Beibeiden zuletzt behandelten Verbänden werden die Geschästsergebnisse dereinzelnen Genossenschaften von der Verbandsleitung noch nicht eingezogenund zusammengestellt, so daß sich deren geschäftliche Ausdehnung undGebarung nicht so beurteilen läßt, als dies bei dem Verband mittcl-rhcimscher Genossenschaften möglich ist. Bemühungen in dieser Richtunganläßlich der vorliegenden Enquete blieben rcsultatlos.
Schon der Sitz der beiden letztgenannten Kategorien von Genossen-schaften und die Zahl der Mitglieder weist mehr auf kleinere Verhält-nisse, auf den ländlichen, bäuerlichen Charakter derselben hin, während