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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
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4 Julius Keßlei.

Fondsvcrwaltungen, größere Standesherrschaften, wie die StandcsherrschaftSchaumburg-Holzappel, die von Wiedsche Standesherrschast Runkel, dieGräflich Lciningen-Westerburgfche Standesherrschast Westerburg, fernerdie Gräflich Walderdorffche, Freiherrlich von Dungernsche Gutsverwaltungu. a. m., fowie Civil- und Kirchengemeinden, Pfarreien u. f. w. Inmanchen Gemarkungen überwiegt das Pachtland den eigenen Grundbesitzder Landlcute.

Das parzellierte Pachtland des Domänenfiskus beträgt nach denneuesten Erhebungen, in runden Zahlen angegeben, mehr als 7000 Ka,(etwa 29 000 Metermorgen) und besteht aus mehr als 39 000 Parzellen,welche an etwa 12 000 Pächter verpachtet sind.

Neben dem kleinbäuerlichen Betriebe, dessen Besitzer mit feiner Fa-milie ausschließlich von der Landwirtschaft lebt, befindet sich ein überausgroßer Teil des ländlichen Grundbesitzes im Eigentum und im Betriebvon Leuten, welche in dem Betrieb ihrer kleinen Landwirtfchaft kein zurErnährung der Familie hinreichendes Auskommen finden und daher ge-zwungen find, sich durch anderweite Erwerbsthätigkeit das Fehlende zubefchaffen.

Derartigegemischte" Betriebe find an Zahl fowie der Fläche nachweitaus die am meisten vertretenen und geben für die ganzen wirtschast-lichen Erwerbsverhältniffe des Regierungsbezirks Wiesbaden das charakte-ristifche Gepräge.

Je nach der Ausdehnung der anderweiten Erwerbsthätigkeit trittder landwirtschaftliche Betrieb mehr oder weniger in den Hintergrund,und wird in manchen Gegenden zeitweife nur von der weiblichen Be-völkerung befolgt, wahrend die Männer sich während der besseren Jahres-zeit fast ausfchließlich der gewerblichen Thätigkeit widmen. Diese, nebendem kleinen landwirtschaftlichen Betriebe herlaufende Erwerbsthätigkeitfinden die Leute entweder im Bezirk felbst als selbständige Meister imKleingewerbebetrieb jeder Art, oder als Lohnarbeiter in größeren land-wirtschaftlichen Betrieben oder als Handwerksgefellen, vorwiegend aber imBergbau, Hütten- und Fabrikbetricb, wozu die große Anzahl der imRegierungsbezirk Wiesbaden bestehenden gewerblichen und industriellenBetriebe, welche der Reichtum des Bezirks an Mineralien aller Art,Braunkohlen, Kalk, Marmor, Bafalt- «. Steine, an Thonerde undMineralwasser, die ausgedehnten Waldungen 2c. hervorgerufen haben,nünstige Gelegenheit bietet oder außerhalb des Bezirks, vorwiegend in denan den Bezirk angrenzenden Industriegegenden der Sieg, des Niederrheinsund Westsülens, Elsaß'Lothringens, wohin die Männer als Handwerker,