§ 83. Orendel. 345
Bride versteigt sich zu Drohungen gegen den himmlischen Herrn 2379 ff.Für Spott und Geschimpfe ist Gelegenheit gegeben in den Kampfreden(gelpf) 1283—1300. 1323. 1333—1340, s. auch 928 ff. 1084—1099.
Also burlesk und grobkomisch tritt der Spiel mann auf, aber nicht sodreist wie im Salman. Einen eigenen Spielmannstypus wie Morolf oderOswalds Raben zeichnet der Dichter nicht, doch sind die besonderen Inter-essen seiner Gattung, leckere Mahlzeiten und reiche Beschenkung, auchihm angenehme Unterhaltungsgegenstände 1530—1539. 1799 f. 2791. 3598 f.3606 f. 3744 ff. 3864 f.; 1169—1176. 2195—2200. 2221—2248. 3033—3040.3055 f. Ungemein lebensvoll und mit packendem Scherze schildert derDichter das sorglose Treiben der fahrenden Leute, die unser Herrgott immerversorgt, wie sie lärmend heraneilen, um den gefangenen Riesen, den ihnenOr. überläßt, zu begucken, ihn seiner kostbaren Gewandung entledigen,sofort zum Weine laufen und die ganze Herrlichkeit vertrinken, mit einemdankenden Vergeltsgott für den edlen Spender 1345—1368.
Der Stil der Sprache ist starr und ungelenk, herb und trocken undganz einförmig. Er besteht noch viel mehr als der im Oswald aus Formeln 3 )und Allgemeinplätzen und wiederkehrenden gleichen Wendungen. Ist vonBride die Rede, so heißt es stereotyp: fron Bride, die schcenste ob allenwiben; tritt der Fischer auf, so wird er eingeführt: meister Ise, ein fischerrieh und wise; Orendel ist der gräwe Roc der wigant mit Reim auf spranc,twanc etc., oder der gräwe Roc der fielt guot: huop, sluoc etc., oder sehrhäufig der gräwe Roc mit Reim auf got, auch auf tempelhof.
Die Komposition des Gedichtes ist ungleichmäßig. Die beiden erstenHauptzüge, Ausfahrt des Helden, Knechtschaft mit Gewinnung des Mantels,sind ziemlich einheitlich und geradlinig entwickelt 155—813, der dritte Zugdagegen, die Gewinnung der Bride und des heiligen Grabes, zersplittert sichin eine Reihe von Episoden (814 bis Schluß). Die Stoffmasse bilden Rüs-tungen und Kämpfe, Gefangennahmen und Befreiungen. Auch in der Kunst-übung steht der Dichter des Or. weit hinter dem des Oswald zurück, so-wohl in der Beherrschung des Ausdrucks als in der Anordnung des Stoffes.
Metrik. 4 ) Wie die Behandlung der Sprache, so ist auch die der Versemit den vielen, z. T. rohen Assonanzen u. überlangen Zeilen unsorgfältig. 6 )
') Vgl. Droege, ZfdA. 51, 202.
*) Der Zwerg Albän: LOTJEN, Der ZwergS. 28 ff. u. Reg. S. 112 118; s. auch Neckel,Aufs. f. Braune S. 112 f.
3 ) Zwierzina, ZfdA. 45, 282.
4 ) Piper S. 175 f.; Harkensee S. 30—58.59—62; Vogt, Salman S. XCVII ff. CV1 ff.
Strophe): Bartsch, üerm. 5, 109—120, E.H. Meyer, ZfdA. 12, 392 f., Strobl, WienerSB. 64 (1870), 474; auch, neben andernStrophenformen, Harkensee S. 30—58. Sim-rock sprach sich in seiner UebersetzungS. XXVI—XXVIII für die Morolfstrophe aus,nahm diese Ansicht aber wieder zurück in
Berger S. XXXIX— XLIX. L—LXII. Vogt, seiner Schrift Die Nibelungenstrophe und ihrZfdPh. 22, 476 ff. 486 f. ; Ursprung S. 73—78; Berger erkennt eben-
6 ) Strophen von 6 Zeilen nimmt an Schade,Cresc. S. 56—60; von 4 Zeilen Ettmüller,Ausgabe S. 105 f.; von 5 Zeilen (Morolf-
falls eine Anzahl ursprünglicher Morolf-strophen an, S. XLIII—XLIX; dagegen Vogt,ZfdPh. 22, 486 f.