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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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Salman und Morolf. 319

sind symmetrisch verteilt, auf den ersten und den dritten König fallen jedrei, auf den mittleren zwei. Überhaupt beziehen sich in der ganzen Rats-versammlung Str. 2440 die Strophen durch Parallelen aufeinander: 25,35u.26,3 5u.29,3-5;27,1.2u.30,1.2;27,5u.29,lu.34,3;30,3 5u.39,4 f.; 28, 35 u. 34, 1 f. u. 36, 1 f. u. 39, 1 f. u. 40, 35. Sehr zahlreich sinddie eigentlichen Formeln, besonders als bedeutungslose Ausfüllungen desVers- oder Strophengefüges, also Berufungen auf die Quelle, z. B. alsokündet uns daz liet, Wahrheitsbeteuerungen, z. B. daz ist war, Aufforde-rungen zur Aufmerksamkeit bezw. Übergangsformeln, z. B. nu hoerent wie,Hindeutungen auf ein böses Ende, z. B. ez gät In allen an daz leben. Aus-rufe und Fragen, z. B. wie balde . . .! wie . .?, beleben die Mimik desVortrags.

Alles ist auf Handlung angelegt, daher die Fülle von Begebenheiten.Das Tempo der Erzählung ist lebhaft, Schilderungen außer von Schlachten(67-78. 516-527. 555-574. 757771) sind selten: Salmes Schönheit undKleidung 518, zuerst Aufzählung der Einzelheiten, dann indirekte Schil-derung: die Ritter vergessen vor Staunen beim Mahle zu essen und zu trinken.Erzählung und Rede sind ebenmäßig verteilt, das strophische Epos ist schondurch seine Zertrennung in einzelne Gesätze langen Reden nicht günstig.

Das Spielmannsgedicht von Salman und Morolf stellt unter den ver-wandten Dichtungen die spielmännische Art am reinsten dar. Hier ist derniedere, volksmäßigere Geschmack, am besten getroffen. Ergötzt und be-lustigt will dieses Publikum 1 ) werden, es hat seine Freude an derberer Kost.Ohne Unterbrechung in unterhaltender Abwechslung folgen sich hier dieAbenteuer und Schwanke, die Schelmenstücke und Betrügereien, immer wirdder Hörer wieder in neue Spannung versetzt, wie Morolf sich aus seinenungemütlichen Situationen herauslisten mag; dann wird das Mitleid erregtfür den schönen, betrogenen König, am Ende aber triumphiert doch dieGerechtigkeit über die Bosheit. In einzelnen keck entworfenen Genrebildernentfaltet sich das Leben der kleinen Leute. Man beobachtet das Volk aufder Landstraße: der Pilger zieht mit rauhem Bart, in grobem Rock, einenPalmzweig auf dem Rücken, den Stab in der Hand, durch das Land (362.666. 677 ff.). Geckenhaft schreitet der stolze spilman einher (687 ff.), inrotseidenem Gewände und höfisch anstehender Kleidung, die Harfe in derHand; auf der Straße beginnt er süß zu spielen, daß laut der Ton erklingt, dieLeute setzen sich zu ihm, sie vergessen ihre Arbeit, den ganzen Tag bisin den Abend hinein schlingen sie den Reigen; aber der Spielmann mußendlich weiter, denn er ist zu einer Festlichkeit bestellt; wohl belohnt undbedankt zieht er von dannen. Dann sieht man den Metzger im grauen Rock

') Damit ist nicht gesagt, daß das Gedicht j höfisch und bestand auf den Burgen des

nur für niedere Kreise, für die Leute auf den I Adels als Unterströmung jedenfalls auch in

Straßen oder auf Jahrmärkten, bestimmt ge- den Zeiten der feinen romanischen Bildung,

wesen sei. Der Ton ist vorhöfisch und un- | vgl. Wilmanns, Anz. 7, 300 f.