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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, d) Die Heilsmittel.

und Todesangst, von allem Übel, von Versuchung; um Hilfe gegen denTeufel, um ein gutes Ende, um Bestehen vor dem jüngsten Gericht, umBereitschaft zum Himmelreich; ferner um Verleihung von Tugenden, vonFrieden, um Stärkung des Herzens und Sinnes zur Aufnahme Gottes.

Notwendige Eigenschaften eines Bittgebets sind 1. Anrufung und2. Bitte; in den christlichen Gebeten tritt aber häufig, in den hier zu be-sprechenden gewöhnlich, noch ein 3. Bestandteil hinzu, die Begründung;manchmal wird auch eine Empfehlung eingeflochten.

Angerufen werden Gott der Vater, der Sohn, der heilige Geist, diegesamte Trinität, die Fürbitter: Maria, die Engel, die Heiligen. Mit derAnrede können Eigenschaften und Handlungen des Angerufenen verbundensein, welche dann schon zugleich an sich eine Begründung enthalten. Beiden angerufenen Personen werden Gründe aufgeführt, weshalb der Betendeauf Erhörung hofft, er beruft sich auf ihre Eigenschaften, Taten, Erlebnisse,ihre Verdienste (merita), oder er erinnert, ermahnt sie daran (Berufung, Er-innerung, Ermahnung), führt sie als Beispiele auf.

Als Formeln der Bitte werden verwendet: (ich bite dich) durch oderbi, hilf mir durch, ich mane dich, gedenke, gehuge, selten ich lobe dich;bei Beispielen also also, z. B. so wie du Daniel aus der Löwengrubeerlöstest, so löse mich . . .

Die Empfehlung wird eingeleitet durch die Formel ich bevilhe mich,minen lip, mine sele etc. dir, an (in) dine gnade etc.

Mit dem Grundplan der drei Bestandteile treten die Gebete in engeBeziehung zu den Beichtformeln, auch dort Anrufung Gottes und heiligerFürbitter und Bitte um Nachlassung der Sünden.

Ganz erfüllt ist das Gemüt des Betenden von seinem persönlichenLeidenszustand, deshalb enthalten diese Stücke fast durchweg nur Bitten,es sind Bittgebete. 1 ) Nur zuweilen vorübergehend wird eine Lob- oderDankesäußerung an die angerufene Person eingeflochten oder es wird alsPreisgesang ein lateinischer Psalm empfohlen.

Die Bedeutung, die in der christlichen Kirche dem Symbol zukommt,zeigt sich auch in diesen Gebeten: die Gedanken und Worte sind begleitet

(angustiae, tribulationes der inimici), bes.aus den 7 Bußpsalmen (Ps. 6. 31. 37. 50. 101.129. 142), die in den liturgischen Tagzeitengebetet wurden oder an allen Freitagen derFastenzeit. Vgl. sacrificium Deo spiritus con-tribulatus, cor contritum et humiliatum nondespicies in Ps. 50, 19, dem Psalm des Mi-serere; und bes. Anselms v. Canterbury 1. u.3. Gebet (Migne 158, 855 ff. 865 ff.). DerThese:Schütze mich vor der Gewalt undden Verleumdungen meiner Feinde" wirdandernorts gegenübergestellt die antithetischeParalleleund verkehre ihre Zunge und ihrHerz in Liebe und in freundliche Gesinnung

zu mir", und noch weiter:die mir schadenwollen, die mache mir Untertan". So im erstenGebet der Hs. von Muri (Wilhelm 73, 611.74, 2427. 3336). Ganz weltlich ge-wendet ist dieser Wunsch in dem zweitenMorgensegen derselben Hs.: hüte si ich inallir der weite gimuote alse ir herze in irpluote . . . daz ich inen allen si alse lieb(Wilhelm 94, 659663; vgl. Scherer, QF.12, 90 f.; LG. I, 114).

l ) Ueber die Einteilung in Lob-, Dank-und Bittgebete s. LG. I, 324.Ueber Gebets-stil: Hass, Das Stereotype usw. .