§ 56. Deutsche Tristandichtungen nach Gotfrid 335
steht als Fortsetzung von G.s Tristan in den Hss. R und S, und ist wohl inder 2. Hälfte des 13. Jh.s von einem Elsässer abgefaßt. Quelle war wahrschein-lich ein verlorener franz. Tristanlai, doch erwähnt auch Thomas, daß Isoldebefürchtete, Tristan, nachdem er sich von ihr getrennt hatte, könne der Weltentsagen und Mönch werden (Th. 2371 ff.). Die Episode gehört in die Reihevon Tristans Verkleidungen {eine trüge niuwe 930). Tristan, der mit IsoldeWeißhand an Artus' Hof gekommen, will die Liebe der blonden Isolde aufdie Probe stellen. Er findet im Walde einen toten Ritter und bittet, ohneseinen Namen zu nennen, in einem benachbarten Kloster um Aufnahme, weiler einen Ritter namens Tristan erschlagen habe. Kurvenal bringt den Leich-nam des vermeintlichen Tristan zu den Mönchen. Die Leiche wird ins Münstergetragen, um beerdigt zu werden. Isolde, durch Kurvenal benachrichtigt, trifftmit ihm im Garten zusammen. Sie stellt sich krank, der Mönch, Tristan, bleibtals ihr Arzt bei ihr bis zu ihrer Genesung. Ins Kloster kehrt er nie wiederzurück.
Die Darstellung ist, unbeholfen in Sprache und Metrik, breit sowohl durchSchilderungen als durch Gefühlsergüsse, besonders Totenklagen. In der Auf-fassung, roh und sentimental zugleich, ist es ein echtes Spielmannsstück. VonG. hat der Verfasser nichts gelernt, auch kaum versucht, ihn nachzuahmen,außer in einigen langen, leeren Wortspielen.
Der Prosaroman von Tristrant und Isalde, 1 aus einer Bilderhs. Eil-harts in Prosa übertragen, ebenfalls mit (ca. 70) Bildern geschmückt, war,wie die vielen Drucke zeigen, sehr beliebt. Die beiden ältesten Drucke sinddie Augsburger von 1484 und 1498; das 16. Jh. brachte sieben Drucke, dazuden Druck im Buch der Liebe bei Sigism. Feyerabend, Frankf. 1578; das17. Jh. noch zwei Drucke. Erste Neuausgabe im Buch der Liebe von Büschingund v. d. Hagen 1809, dann in Marbachs und Simrocks Volksbüchern 1839.1846. — Die alten Ausgaben berichten am Schluß, der Meister von Brytania(d. i. Thomas) habe die Hystori zuerst geschrieben, Filhart von Oberet (d. i.Eilhart v. Oberg) habe sie in Reime gebracht. Die Prosa ist eine ziemlichgenaue Umsetzung ihrer poetischen Vorlage, sogar oft unter Beibehaltungvon Reimwörtern, mit vielen Erweiterungen, zum Teil zwischengestreutenpersönlichen Betrachtungen.
Der deutsche Prosaroman wurde ins Dänische übersetzt 2 aus MarbachsVolksbüchern (1839), Kopenhagen 1857. Eine ältere dänische Prosa vonTristrand und Indiana, zuerst 1792 nachgewiesen, dann oft gedruckt, sehrabweichend von der Sage, ist wohl nach einem verlorenen deutschen ge-schichtlich-galanten Roman des 17./18. Jh.s abgefaßt.
1 Siehe oben Eilhart S. 68 u. Nachtr. — Text-krit. Ausg.: Fr.Pfaff, Lit.Ver. Nr. 152 (1882).— J. Grimm, Leipz. Lit.-Zeitg. 1912 u. Kl.Sehr.6, 84 ff.; MSH. 4, 587f.; Lichtenstein, ZurKritik des Prosaromans Tr. u. Is., 1887 (s. auchZfdA. 26, 18), dazu Strobl, Anz. 5, 227 ff.;
Bartsch, Germ. 23,345ff.; Pfaff, Germ.30,19—55; Gierach S. 3 Anm ; Golther, Tri-stanb. S.23ff.; Ranke S. 253f. 275 — Bober-tag. Gesch. d. Romans II, Reg. S. 209.2 Golther, Tristanb. S. 247—54.