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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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133
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§ 22. Artussage und Artusroman 133

B. DIE DREI GROSSEN MEISTERHARTMANN, WOLFRAM, GOTFRID

In den drei führenden Epikern der höfischen Romanliteratur erlebt der dich-terische Geist unseres deutschen Mittelalters eine dreifache Offenbarung. Siestellen drei Grundformen der zeitgewordenen Möglichkeit dar: HartmannsGrundtyp ist bestimmt durch die Mäze, den Ausgleich zwischen Sittlichkeitund Sinnlichkeit; Gotfrid durch die Schönheit der Sinnenfreude; Wolframdurch die Sittlichkeit. Hartmann und Wolfram treffen zusammen als Standes-genossen in der hohen Schätzung des Rittertums gegenüber dem bürger-lichen Sänger Gotfrid, dem Verherrlicher der absoluten Herrschaft der Minne.Hartmann und Gotfrid stehen Wolfram gegenüber in der Kunst als Verehrerreiner Formen; Hartmann ist teils der Welt zugewandt, die Artusritter Erec undIwein streben nach der Ehre weltlichen Rittertums, einer edlen sittlichen Lebens-form, teils dem Gottesreich: der zur Demut bekehrte Ritter Heinrich, der frommeBüßer Gregorius; Wolfram führt von der Erfahrungswelt zum Übersinnlichen:Parzival der Gralsucher und Willehalm der Gottesstreiter; Gotfrid ist ein Welt-kind und ganz der Lust und dem Leid des Diesseits ergeben. Und solche Paral-lelen oder Antithesen zwischen den drei Epikern ließen sich viele aufstellen.

§ 22. Artussage und Artusroman

Die literarischen Quellen der Artussage, 1 die britannischen Chroniken,lassen erkennen, daß der später so gefeierte König erst im Laufe der Jahr-hunderte zum Nationalhelden der Briten (Bretonen) geworden ist. Der ältesteGeschichtschreiber der Briten, Gildas, geb. 493, erwähnt ihn in seinemLiber de excidio et conquestu Britanniae noch nicht, in der Historia Brit-tonum des Nennius 2 um 800 (der jedoch nur der Bearbeiter eines um 680verfaßten Originals war) wird Arthur nur als dux bellorum angeführt, derin 12 Kriegen siegreich die Sachsen bekämpfte. Der historische Artus alsowar ein britischer König Arthur um 500, der sein Volk gegen die ein-dringenden Sachsen tapfer und erfolgreich verteidigte. Galfred v. Mon-mouth in seiner Historia regum Britanniae 113235 3 (ins Franz. übersetztvon dem normann. Dichter Wace in seinem Versroman Brut 1155) erhebtihn auf Grund einer ins Fabelhafte gesteigerten Sagenüberlieferung, in der

1 Ernst Windisch, Das keltische Britannienbis zu Kaiser Arthur, Abhandl. der sächs. Ge-sellsch. d. Wissensch. philol.-hist. Kl. XXIX(1912) Nr. 6 u. die daselbst angeführte Lit., bes.die Arbeiten von Heinr. Zimmer. Grund-legend für die Artusforschung u. -lit.: JamesDouglas Bruce, The evolution of Arthurianromance from the beginnings down to theyear 1300, 2 Bde., Hesperia 8 u.9, Gott. 1923.24, dazu Loomis, Journ. of Engl, and Germ.Phil. 23, 3. July 1924, Nitze, Mod. Philol. 22,Jessie L. Weston, Mod. Lang. Rev. XX Apr.1925, Golther, Lbl. 1925, 57, Singer, Li-teris (Intern. Rev.) III, 1926, S. 116-30;J. Rhys, Studies in the Arthurian legend, Lond.1890, dazu Martin, Anz. 18,251 ff.; Jul. Po-

korny, D. Ursprung d. Arthursage, Mitteil. d.anthropol.Gesellsch. zu Wien 39 (1909), 90120, dazu Blöte, Anz. 36,1902; J.Loth, Con-tributions ä l'etude des romans de la tableronde, Paris 1912; Kuno Meyer, E. verschol-lene Artussage, Festschr. f. Windisch 1914,S.6367 (Artus in Irland); Jessie L. Weston,The Legend of Sir Perceval, s. unten Wolfr.;W. L. Jones, King Arth. in history and legend,Cambr. 1911; Singer, Die Artussage, Bern u.Leipz. 1926 (Art.-Beherrscher d. Totenreichs). Panzer, Wolfram-Bibliographie S. 16 ff.;Bruce 2, 380.

2 H. Zimmer, Nennius vindicatus, 1893.

8 Ed. San Marte 1854. L. Jones, Quart.Rev. JuliOkt. 1906.