334 Die erzählende Dichtung
eigentlichen Lobgesang über, zum lop (lop 9,2. 11,5. 12,2.10. 13,1. 14,516,8.17,14. 18,9.20,8.10.24,4, dann Str. 38.39. 40. 41. 46. 47), mit Str. 54wird betont, daß nun der Preis (lop) Christi beginnt (loben Str. 54. 55. 56. 57.66). Der durchgehende Grundgedanke des Gedichtes ist Minne, mit dem Ver-hältnis des Menschen zur Gottesliebe wird begonnen, der „Minnesang" istein Liebeshymnus auf die Gottesmutter und auf Gott vater herre Krist. 1
Das dritte in C unter Meister G. v. Str. stehende Gedicht ist eine Lehre andie Jugend über die Armut 2 in 12 Strophen, 3 die alle mit der Anrede kintbeginnen. Es ist ein Lob der freiwilligen Armut (die willeclichen armenStr. 2. 5), die zu Gott und dem Himmelreich führt, während das Gut vonGott abhält und den Weg zur Hölle bereitet. Gott ist nichts lieber als De-mut und nichts beschwert ihn mehr als die Hoffart. — Es spricht nichtsdafür, daß das mönchisch asketische Gedicht ein Werk G.s sei.
§ 56. Deutsche Tristandichtungen nach Gotfrid
Der niederfränk. Tristan. 4 1 Perg.bl. vom Anfang des 14. Jh.s in Prag,ca. 159 Verse, entspricht den 236 franz. Versen des Thomas 2194—2430 (fehltbei Eilh.). Es fällt also nach dem Schluß von G.s Tristan und behandelt dessenletztes Abenteuer, die Begegnung Tristans mit Tristan dem Zwerg, einemjungen mit Tristan gleichnamigen Helden, dem Tristan in einem Kampf gegeneinen Riesen und dessen Brüder beisteht, wobei er die tödliche Wunde erhältund worauf er Kaerdin bittet, die arzneikundige Isolde zur Heilung zu rufen.
Das Gedicht, gegen Ende des 13. Jh.s verfaßt, war, soviel das Fragmentschließen läßt, eine freie Übertragung aus Thomas mit eigen erfundenen Erweite-rungen, andrerseits gekürzt, z. T. aber auch wörtlich wiedergegeben. Ob dieÜbersetzung ein vollständiges ndfrk. Tristanepos war, oder, wie Ulrichs v. Tür-heim und Heinrichs v. Freiberg Fortsetzungen, nur eine Zuendeführung vonG.s abgebrochenem Werk, ist nicht zu entscheiden. Die Darstellung ist trockenund kunstlos und stilistisch nicht von G. beeinflußt.
Tristan als Mönch. 6 Ein selbständiges Tristanabenteuer von 2705 Versen,
1 Die Hs. K hat nur 11 Strophen des Marien-lobs, B das ganze Marienlob, C alle dreiTeile. — Die hohe Stilart des Marienhymnushebt sich stimmungsvoll ab von den betrach-tenden Strophen über die Gottesminne unddem Klaggebet. Der Hymnus setzt ein mitStr. 12, Anrufung der Himmel (vgl. das bibl.audite coeli) und Jesu und damit verbundenerInhaltsangabe: das Lob der süßen Mutter Jesu.Das Lob Christi ist eine Nachbildung desMarienlobs, das in seiner Symbolik auf alterUeberlieferung beruht (s. LG. II, 1, 209 f.).Wechselt auch somit, der Stimmung entspre-chend, der Empfindungston des Ausdrucks, soist doch der Sprachgebrauch des ganzen Ge-dichtes einheitlich und läßt keine verschie-denen Verfasser erkennen (L. Wolff nimmtdrei Dichter an, oder zwei, deren zweiter zuverschiedenen Zeiten tätig war). Möglich ist,daß der Dichter das Marienlob oder einen Teil
davon zuerst verfaßte bzw. allein herausgab(ähnlich wie in K, wo jedoch die vier Anfangs-strophen 12—15 fehlen), und dann erst dieübrigen Teile, II und 111, und vielleicht auchdas ursprünglich kürzere Marienlob erweiterte.Er mag sich dieses (kürzere) Marienlob (etwavon dem Umfang von K) als erlernbar gedachthaben, wenn man die Worte der lerne disenminnesanc 10,9 buchstäblich auffassen darf.1 Pfaff Sp. 1208 ff. — Vgl. Pfeiffer, FreieForsch. S. 146f.; Heinzel, Kl. Sehr. S. 63.
3 Die letzte, die 13. Str. der Hs., ist unecht.
4 Hgb. von Lambel, Germ. 26, 356—64;Tietz, ZfdA. 25, 248—51, vgl. Bedier II, 60Anm. 1; Golther, Tristanb. S. 181 f.
6 Hgb. von Paul, Münch. SB. 1895, 317—427, dazu textkrit. Nachträge 1897, 687 ff.Schoepperle S. 234ff.; Kurt Seick, Metri->sehe Untersuchungen über d. mhd. Ged. „Tr.als Mönch", Greifsw. Diss. 1911.