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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 23. Hartmanns Leben

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seitigkeit menschlicher Gemütseigenschaften kommt nicht zur Geltung, dieWesensart der einzelnen Menschen ist nicht scharf differenziert, die Zeich-nung geht ins Allgemeine, sie stellt Typen dar. Jeder Hold ist von dengleichen ethischen Beweggründen getrieben, von den Idealen des Rittertums,Ehre und Minne: die Durchschnitts-Artusritter gleichen alle einander, äußer-lich und innerlich. Und doch, so gleichförmig diese Menschen in ihremEmpfinden und Handeln sich zeigen (Parzival und Tristan machen eine Aus-nahme), so verleiht immerhin das Zusammenspiel der Lebensführung jedem,wenn auch nur abgeblaßt, einen besonderen Eigenton: Iwein ist ein andererals Erec, Wigalois ein anderer als Lanzelet. Gawein ist das Musterbild desunentwegten Artusritters, der vollendete Kavalier {her Gawein was derhöfschste man, der riters namen ie gewan (Iwein 3037, Erec 272052).Dagegen Keil {Keie), 1 der unhöfische Truchseß, der trotz seiner Prahlereiimmer im Zweikampf abgeführt wird, macht die Kontrastfigur, die lächer-liche Person in der Umgebung der Edeln.

Auch die äußere Gestalt ist nicht porträtartig geschaut. Nichts ist ge-sagt über das Antlitz und Mienenspiel und über die Leibesbeschaffenheitals nur Allgemeines; ausführlich beschrieben dagegen sind Rüstung undKleidung. Ebenso ist der Frauentypus auf ein bestimmtes Schönheitsidealbeschränkt, an dem Dichtung und bildende Kunst festhalten. Dagegen istdas Stimmungsleben, wenigstens in den höherstehenden Romanen, starkbeleuchtet. Mit den äußeren Ereignissen steht eine seelische Bewegung inWechselbeziehung, das Leben wird zum inneren Erleben. Leicht wird derFortschritt der Handlung gehemmt durch Erwägungen und Betrachtungenüber die geschaffene Lage. In leidenschaftlichen Klagen aber entlastet sichder Schmerz, wenn das Herz Jammers übervoll ist.

Die Epigonen waren bloße Nachahmer der drei großen Epiker. Ihnenkam es hauptsächlich auf spannende Unterhaltung an, auf Wirkung desStoffes, nicht auf das Gewicht einer höheren Idee.

1. Hartmann von Aue

§ 23. Hartmanns Leben 2

Die Ausgaben sind unter den einzelnen Werken verzeichnet. Allgemeine Literatur:Piper, Höi. Epik II, 1162; A. E. Sghönbach, Über H. v. A., Graz 1894, Besprechungen s.Berl. JB. 1895 S. 243. 1896 S. 237. 1897 S. 220. 1898 S. 86; F. Piquet, Etüde sur H. d'Aue,Paris 1898, dazu Schönbach, Anz. 25, 2838, Panzfr, ZfdPh. 31, 520-49, Ehrismann,Lbl. 1899, 26467. Uhlands Schriften 2,118ff.; J. Grimm, Kl. Sehr. 5,27377; W. Grimm,Kl. Sehr. 4, 577617; V. D. Hagen, MS. 4, 261 ff.; Haupts Ausg. d. Lieder u. Büchl. (Einl.);Wackernagel-Stadler, Einl.; Bech, Einl. zu seinen Ausgaben; Singer, Lit.Gesch. d. dt.Schweiz S. 14 ff. 40 ff.

1 Meyer-Lübke. ZffrzSpr. 44, 17679; H.Mushacke, Keie der kätspreche, Berl. Diss.1872. In Keie sind die Neider u. Nörglerder Hofgesellschaft getroffen u. die hämischenKritiker, gegen die sich die Dichter öfter inden Einleitungen verwahren, vgl. ZfdA. 49,

418 ff. Der bösartige Truchseß häufig alsGegenspieler in d. mhd. Lit., z. B. im Iwein,Tristan, Konrads v.Würzb. Engelhard, Otto mitd. Barte.

2 Haupt aaO.; Wackernagel - StadlerS. 1 ff.; Piper S. 1 ff.; Schönbach S. 46266;