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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
Entstehung
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I. DIE FRÜHHÖFISCHEN EPEN

(um 1170/1180)

Die höfische Erzählungskurist fand erst durch Heinrich v. Veldeke die ihremIdeal angemessene Form. Vorher, in den siebenziger und achtziger Jahrendes 12. Jh.s ging eine freiere, läßlichere Stilart, die man diefrühhöfische"nennen kann. Ihr gehören an der Herzog Ernst, Graf Rudolf, Floyris undBlancheflur, Eilharts v. Oberg Tristrant. Gegenüber der Spielmannsdichtungbilden diese Epen eine formal und sozial höhere Schicht, der schon derKönig Rother sich näherte. Größere künstlerische Anforderungen wurdengestellt, es besteht eine straffere Zucht, Mäßigung, Ordnung. Der Sprach-stil ist zwar schlicht und einfach, aber nicht mehr so bequem formelhaft,die spielmännische Burleske, das Possenhafte und Rohe wird gemieden,der fahrende Mann mit seiner Begehrlichkeit spielt nicht mehr seine auf-dringliche Rolle. Am sinnfälligsten tritt der Unterschied gegen die frühereEpik in der Metrik zutage. Auch hier eine sorgfältigere Regelung: derBau der Verse wird gleichmäßiger, die Reime sind zwar noch nicht rein,Assonanzen gehören wie vorher zur künstlerischen Formensprache, aber siesind leichterer Art, akustisch weniger bemerkbar.

§ 11. Herzog Ernst

Lit. Piper, Spielmannsdichtg. 1,10846, Nachtr. S. 243, Höf. Ep. 3,711; Kelle, LG. 2, 20615.38588. Ausg.: v.d.Hagen u. BOsching, Dt. Ged. d. MA.s Bd. 1, XX u. 64 S. (D), Berlin1908, dazu J. Grimm, Heidelbg. Jahrb.2 (1809), 2. Bd. S.21022 u. Kl. Sehr.4,3443; DOCENin v. d. Hagens u.Büschings Museum f. ad. Lit. u. Kunst 2 (1811), 24565; Docen in SchellingsZs. von Deutschen für Deutsche, Bd. 1 (1813), 23164; Haupt, ZfdA. 7 (1849), 193303 (C);Bartsch, Herzog Ernst, Wien 1869 (das Hauptwerk üb. Herz. Ernst, A,B,G,F); Martene,Thesaur. nov. aneed. III, 30766 (E); Saran, Handbücher f. d. dt. Unterricht 1,1922. UhlandsSchriften 1, 47981. 5, 32343. 7, 56688; Jänicke, ZfdA. 15 (1872), 15165; Zarncke,Beitr. 2, 580 ff.; Scherer, QF. 12,94; Georg Voss, Die Sage vom H. Ernst unt. d. EinflüsseWolframs v. Eschenbach, Progr. Buchsweiler 1886; Franz Ahlgrimm, Untersuchungen üb. dieGothaer Hs. desH. Ernst«, Kieler Diss. 1890, dazu Voss, ZfdPh. 23,492f.; Arth. FuckelDer Ernestus des Otto v. Magdeburg und sein Verhältnis zu d. übrigen älteren Bearbeitungender Sage vom H. Ernst, Marb. Diss. 1895, dazu Ahlgrimm, ZfdPh.29,54850; H. Stickel-berger, Zum Lied u. zum Volksbuch von H.Ernst, ZfdA. 46, 10112; Otto EngelhardtHuon de Bordeaux u. H. Ernst, Tübing. Diss. 1903; Leo Jordan, Quellen u. Komposition vonH.Ernst, Arch.112 (1904), 32843. 45760 (s. auch Arch. 116 (1906), 50ff.); K. Sonneborn,Die Gestaltung d. Sage vom H. Ernst, Gott. Diss. 1914; Panzer, Seifrid v. Ardemont S. Gl f.

Der Herzog Ernst steht der Stufe des Rother näher als die drei anderenEpen. Hier herrscht noch eine ältere Auffassung vom Lebensinhalt undauch der Stil ist altertümlicher. Und während jene drei, nach romanischenQuellen bearbeitet, schon von der Beleuchtung romantischer Sentimentalitätumfangen sind, da sie das Kernmotiv des höfischen Gesellschaftslebens,die Minne, enthalten, ist davon der Herzog Ernst frei und rein heroisch,aus nationaler Sage entsprungen. Auch lebt in der Kreuzzugsidee und in