§ 55. Andere Dichtungen Gotfrids von Strassburg
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leit mac niht gesin, so steht im Spruch: vwu.de git den smerzen. Eher alsdaß wir an Leib und Herz von Leid frei sind, eher findet man das gläserne Glück.
Unter G.s Namen (Meister Gotfritvon Straf bürg) stehen in C ohne Ab-satz aufeinander folgend noch drei Lieder: a) ein Minnelied von 6 Strophen, 1das auch die alte Heidelbg. Liederhs. A enthält. Aber Stil und Metrik habennichts von der Kunst G.s, es ist kein Werk von ihm. b) In C folgt daraufein Loblied auf Maria und Christus, 63 Strophen, das auch, aber ohneNamensüberschrift, in der Weingartner Liederhs. B mit 36, in K (KarlsruherHs. aus S. Georgen, Perg. 14. Jh.) mit 11 Strophen vertreten ist (jede derdrei Hs. enthält Strophen, die sich in den beiden andern nicht finden). Eswurde früher ohne Widerspruch für ein Werk G.s gehalten (Gotfrids Lob-gesang), 2 aber ungenaue Reime, wie sie in G.s Tristan unerhört sind unddas nicht so ganz sorgfältige Versmaß sprechen gegen G.s Urheberschaft.Es ist die Arbeit eines Nachahmers, der im Stil und besonders im Wort-gebrauch stark unter G.s Einfluß steht. Es hat außerdem Anklänge an Kon-rads v. Würzburg Goldene Schmiede und an Hugos v. Langenstein Martina,ist also am Ende des 13. Jh.s verfaßt, und zwar, worauf mundartliche Merk-male deuten (vgl. auch Str. 7, 5 f.), im alemannischen' Sprachgebiet, wohl inder Nähe des Bodensees.
Das Gedicht zerfällt in drei Teile: I Str. 1—8 Von der Gottesminne undKlage des Dichters, daß er in seinen Tagen so wenig der Minne hatte (Sünden-klage). Str. 9—11 Übergang zum zweiten Teil: Ankündigung des Marien-preises und Empfehlung des folgenden „Minnesangs". II Str. 12—53 Preisder Mutter Gottes, großenteils in blühenden Mariensymbolen. III Str. 54—94Preis des Sohnes, des süßen Christ und Gottes (die beiden Personen sindnicht geschieden), der ausläuft in ein brünstiges, mystisch gefärbtes Liebes-lied auf den süßen Seelenfreund (reiner sele süeze ämis 85) mit endlos sichwiederholender Anapher „ach".
Der Zweck des Gedichtes ist ausgesprochen in Str. 10 und 11: wer sichder Minne ergeben will und lernen will, der Sünde zu widerstehen, der lernedisen minnesanc und vernehme den Preis der Gottesmutter. Str. 1—8 bil-den die Einleitung, deren vier letzte Strophen der Dichter selbst eine klage*nennt (5,3. 8, 2. 9,1): sie ist ein Sündenbekenntnis und schließt mit derBitte um Fürbitte an die tagentridien herzen 8, l. 4 Str. 9—11 leiten zum
1 Heinzel S. 52—58; Plenio aaO.
2 Hgb. von Haupt, ZfdA. 4, 513—55, in 94Strophen; Abdruck von K: Holder, Germ.21,416ff.—J.M. Watterich, G.v.Str. ein Sängerder Gottesminne, 1858, dagegen Pfeiffer,Germ. 3, 59—80 u. Freie Forsch. S. 111—48;H. Fischer S. 16—23 (vielleicht Jugend werkG.s); Schröder, Gott. Nachr. 1909, 75. 1917 *114 f.; Plenio, Beitr. 42, 485; Golther,Tristanb. S. 166; neue Ausg. mit inhaltreichen„Untersuchungen" von Ludw. Wolff, Jen.Germ. Forsch. 4, 1924, wo weitere Lit., dazu
Hübner, Anz. 44,75 f.; Sparnaay, Neophilol.10, 225—27. — Eine Bestätigung für G.s Ver-fasserschaft sah man in einer Stelle der Gold.Schmiede, 94ff.; aber es ist nur eine Bezeu-gung der Autorendemut (Gotfr. hätte die Jung-frau besser gepriesen [als ich] ohne jedesBedenken haben zu brauchen; hete ist Konj.,vgl. Rud. v. Ems Willen. 2191).
3 Siehe oben S. 155.
* Bezeugnis der Sündhaftigkeit u. Fürbitteein häufig. Schema in Einleitungen, s. Schwie-tering, Demutsformel S. 1 ff. 70 ff.