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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 54. Stil und Technik der Darstellung 331

schaffen des Intellekts, des schönen höfischen Lebens bezeichnen, überwiegen weit die nurseltenen, formelhaften Heldenepitheta. Nicht stark ist der Anschauungsgehalt der Beiwörter G.s.

Einen unmittelbaren Abglanz der neuen, aus Frankreich bezogenen Courtoisie mögen diefranz. Fremdwörter 1 darstellen. Sie verstärken das höfische Kolorit des Gedichtes unddie Eleganz der Sprache. Viele sind nur einmal gebraucht, andere treten zwar mehrfachauf, aber nur bei bestimmter Gelegenheit, wie l'ameir in dem Wortspiel mit lameir, s. obenS. 328f., fossiure bei der Minnegrotte, die Jagdausdrücke furkie und curte 2924ff.; wiederandere ziehen durch das ganze Gedicht durch, gehören also dem Gesamtwortschatz an.Fremdwortgebiete sind bes. das Minnewesen (amür, l'ameir, amis, amie u.a.); Kampf undTurnier, kriegerische Spiele (bühurt, banekte, baniere, pavelün, leisieren, panieren u.a.);Standes- und Gesellschaftswörter (barün, cumpanjän, cumpanie, massenie) kommen fast nurim Reime vor, verdanken also ihren starken Gebrauch diesem technischen Grunde. Wiegeläufig G. diese franz. Courtoisiesprache war, erhellt daraus, daß er zuweilen Worte ausihr auch vollständig ohne Vorgang seiner Quelle einsetzt. Auch deutsch-franz. Zusammen-setzungen hat er gebildet: lantbanier, lantbarun, lantmassenic, minnefossiure, trutamls; franz.Wörter deutsch flektiert: ameiren u. amüren 12069, gebenedlet: gemerztet 3357; synonymeFormeln: bataljen u. striten 385, saldieren u. grüezen 5204, lois u. lantreht 5999. Sehrcurtois" klingt es, wenn ganze Redensarten und Verse eingestreut sind: Tristan, Tr. liParmenois cum est beäs et cum curtois 3361 f.; .de üs sal, messire Gandin," sprach diugefilege künigin.Merzt," spradi Gandin,bele Isolt" 13137. Besonders sind dies An-reden, Grußformeln, Ausrufe: sire, sire, deu sal 4025, a de, a de 3856. Wohl zum Verständ-nis für das deutsche Publikum sind solche franz. Phrasen zuweilen übersetzt:a boneure",sprach daz kint,mit guote", daz lät also sin 3200; Isöt, fsöt la blande marveil de tule munde:Isöt diu ist besunder über al die werlt ein wunder" 12563 ff.

Metrik. 2 Schönheit und Ebenmaß ist auch das Grundgesetz für G.s Vers-ästhetik. Im Rhythmus besteht die Tendenz des regelmäßigen Wechsels zwi-schen Hebung und Senkung (alternierender Typus). Doch ist sie nicht zumZwang erhoben, vielmehr macht der Dichter von der alten Freiheit der be-schwerten Hebung (Fehlen der Senkung, einsilbiger Takt) maßvollen Ge-brauch. Die rhythmischen Akzente sind in glückliche Harmonie gebrachtmit dem normalen Satzakzent. Die Reime sind ganz rein, kein einziger un-genauer hat sich eingeschlichen. Die stumpfen überwiegen bei weitem dieklingenden (etwa zwei Drittel zu ein Drittel); rührende Reime sind verhältnis-mäßig häufig. G.s feines rhythmisches Gefühl offenbart sich in der Anwen-dung der klingenden Reime. 3 Die Viertakter haben gegenüber den Drei-taktern eine vollere Form, die einsilbige Kadenz (männlich, stumpf) machtden Versabschluß kräftiger, die zweisilbige (weiblich, klingend) macht ihn

1 Steiner, Bartschs Germ. Studien 2,25054; Lobedanz, Das frz. Element in G.s v. Str.Tr., Rost. Diss. 1878; R F. Kaindl, Die frz.Wörter bei G. V. Str., ZfromPhil. 17, 35568;Ders., Ueb. d. Gebrauch der Fremdwörter beiG.v.Str., Germ. 37,272-80; StiebelingS.6370. Zwierzina, ZfdA.45, 262; Abel, Ver-altende Bestandteile (s. ob. S. 268 Anm. 2),ferner oben S 29f.

J W. Grimm, Kl. Sehr. 4, 331; Kraus, Festg.f. Heinzel S. 111 ff.; Ders., Metr. Untersuch,zu Reinbot S. 167222; v. Kraus, ZfdA. 50,220ff. 51,301 -78.56,20 ff.; Zwierzina, ebda45, 298 f.; Schröder, Rittermaeren 1 S. X f.;

Nolte, ZfdA. 51, 11342; Pfannmüller,Beitr. 40, 37381; Schirokauer, ebda 47,1 ff. ; Lüth S. 30-33; Täuber S. 5172.Schallanalyse: Nordmeyer, Journ. of Engl,and Germ. Philol. 13,50813. Reimbrechung:Glöde, Germ. 33, 35770; WahnschaffeaaO. DieVersbehandl. Hartmanns, Wolframs,Gotfrids: Saran, Verslehre S. 261. 267 f.;Sievers, Rhythm.-melod. Studien, -1912;Kraus, Metr. Untersuch, z. Reinb. S. 221 f.;Pfannmüller aaO.

3 Schröder, Rittermasren aaO.; Nolte,ZfdA. 51, 12224.