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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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329
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§ 54. Stil und Technik der Darstellung 329

Verstärkung einzelner Stoffteile. Diese Blümungsform der Schulrhetorik kann den Inhaltintellektuell (Vorstellung, Anschauung) oder gefühlserregend (Pathos) stärker auftragen.Einmalige Wiederholung (in Doppelformeln), in einem Verse: von spcehem werke spcehenschtn 11135, na dar kom Marke u. kom Isot 15320; in zwei Versen: Ich hän in minerfrien hant da her gejäert zwei frliu lant 6969; in drei Versen: (herze) 1638284, usw.;aus Thomas: lameir Vameir 11990 ff.; chiastisch g estellt: rieh u. rot des käneges golt,des boten solt röt u. rieh 8896; Wiederholung nicht gleicher, aber stammverwandterWörter: so haste er doch besunder ein sunderllchez wunder 629, diz tete der lobebarelobelidien u. also 2136, scelicscelde satlekeit 121822. Der Reim wirkt klangverstärkendmit, wenn eines der Reimwörter auf eins der wiederholten Wörter gebunden ist, wodurchInnenreim entstellt: Isöt diu wol gesinnt', diu gesinne küniginne 15473, auch 12593. 16075.Besonders künstlich sind Wiederholungen mehrerer gleicher Wörter in den Eingangsstrophendes Prologs, z.B. guot werlt niht gesdüht 14 usw. Oft ziehen sich die gleichenWörter oder durchschlungenen Wiederholungen wie Leitmotive durch längere Versreihen hinund lassen die durchflutende Stimmung anklingen oder heben die herrschende Idee her-vor. Es ist ein Spiel von Lauten und Gedanken, und an solchen Stellen entfaltet G. amreichsten seine Kunst.

In solchen Wortspielen ist der Gipfel von G.s blühendem Stil erreicht, zudem diesemanchmal noch durch andere formale Schmuckmittel verstärkt sind. Der größte Teil desPrologs 45242 ist mit Wiederholungen geziert; die Sentenz 27690 wird unter acht-maliger Wiederholung von schade auseinandergesetzt; in der Festesfreude 585649 kehrtfrö, fröude achtmal wieder, dann viermal sdicene, sdiönheit; der wortlose Jammer der Unter-tanen beim Tod Riw.s wird durch das fünfmalige Schlagwort leben negativ gekennzeichnet172932; rät, kint, minne durchschlingen sich in zusammen zehnmaligem Auftreten 1243138; das Wort sagen wird durch fünfmaliges Wiederholen hervorgehoben, weil es auf diegenaue Aussage der bestellten Mörder ankommt 1287684; triure, trüric, frö, froüde,herze und stammverwandte Wörter durchziehen die ganze Stelle 16361406; ferner 1804154. 1830070. 1936784; etymologisierende Wortspiele 19942027. 11989-12014.

G.s Bildersprache ist nicht banal, Metaphern, Bilder, Vergleiche sind zuweilen eigen-artig und klug ersonnen, aber sie entspringen nicht aus einer eigentlich originellen Vor-stellungsgabe. Sie tragen am meisten zum Glanz und der Schönheit der Darstellung bei.Entnommen sind die bildlichen Vorstellungen den verschiedensten Gebieten des Menschen-lebens und der Natur, viele haben ihren Ursprung in der theologischen Literatur. DieSchönheit ruft in G. den Eindruck des Lichten, Glänzenden hervor: die junge Is. ist dieSonne, ihre Mutter das Morgenrot 8283 ff. 9460 ff., ferner 7295 f. 8283. 8576 f. 9460 ff.10165. 10889ff. 11010. 11511 ff. 12569L Die Sonne ist das Bild der Freude 253, vgl. 311;sinkende Sonne und Abend bedeuten Schmerz und Tod 313 ff. Schönheit, Freude, Jugendgleichen der Blume und ihrem Blühen 293. 298. 2072. 8309 ff. 11529. 13455 f. 16423. 17568 ff.17809. 18962. Die Liebe ist ein Feuer (der minne fiur), das entzündet; sie fesselt denMenschen mit Stricken; wer die Liebe eines edeln Weibes besitzt, der hat daz lebendeparadis in sinem herzen begraben 18070 f.

Die Affekte bekriegen sich gegenseitig im menschlichen Herzen. Leidenschaftsäuße-rungen sind sehr zahlreich, die des Schmerzes überwiegen die der Freude. Sie bestehenzuweilen in krankhaften körperlichen Zuständen wie Ohnmacht, Mattwerden. Bei den vor-waltenden höfischen Lebensformen ist keine Gelegenheit zu Zornesausbrüchen gegeben.

Die Hyperbel begegnet bei den leidenschaftlichen Stimmungen der Personen häufig.

Das Formelwesen gehört zur epischen Sprache, wenn es auch im höfischen Stil mehreingeschränkt ist. G. hat Übergangsformeln, Quellenberufungen, Beziehungen auf vorherGesagtes u. dgl. mit Maß angewendet, manchmal des bequemen Reimens wegen. Doch liebter rhetorische Fragen, fingierte Fragen und Einwände der Hörer; Anreden stellen einenlebendigen Verkehr zwischen Dichter und Publikum her. Auf lebhafte Sprechgewohnheit