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Die erzählende Dichtung
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mäßigten Schreibart. Parallelismus und Antithese, Wortwiederholung und Gedankenvariation,Anapher, Alliteration, Wortspiele, Sentenzen u. a. hat Gotfrid schon bei ihm vorgefunden,aber er hat diese Stilformen ungemein erweitert und in reichster Ausstattung verwendet.Oft hat er einzelne gehäuft oder mehrere zusammen in einer Gedankenreihe ausgewertet.Dann entsteht ein Spiel mit Worten und Wortspiele oder Wortspielereien sind eine ganzbesonders kunstvolle Art der Kolorierung. Die Kenntnisse dieser Redeblumen und dieKunst, sie anzuwenden, hat G. aus seiner gelehrten Bildung, aus der Schulrhetorik, der Arsrhetorica, der zweiten der Septem artes.
In der Schulmethode, im Studium der Logik und Dialektik, auch im Predigtstil, hat erdas geordnete, systematische Denken gelernt und das technische Schema der scho-lastischen Beweisführung. 1 Daraus stammt auch das für seine Wortkunst charakteristischeantithetische Verfahren. Und damit ist auch die Art von G.s Denken in der Formseiner Sprache abgeprägt. Logisch gemessen bewegt sich G.s Denkweise im dreigliedrigenRhythmus, zwei Gegensätze werden zu einer Einheit verbunden, aus These und Antithesewird die Synthese, der Polarismus wird in ein Zentrum zusammengefaßt."• Die Antithese entspricht der polaren Organisation des Gedichtes und ist geradezu einAusdruck für die Struktur des Lebensbildes, das G. in sich trägt. Bestimmt ist sie einmalvon dem Gegensatz der Lebensgefühle Freude und Leid, die zur Harmonie gelangen imedeln Herzen; und dann von dem Polarismus des Lebensablaufs, das ist Leben und Tod,zur Versöhnung gebracht in der Liebesvereinigung im Tode. Die Gegensätze folgen sichentweder rasch aufeinander wie Stoß und Gegenstoß, von Wort zu Wort oder von Vers zuVers, oder sie sind weiter ausgeführt in längeren Gedankenvariationen. Die programm-gebende Einleitung 45—242 ist großenteils aus einzelnen Antithesen aufgebaut, die dengedankenhaltigen Polarismus des Gedichtes bestimmen: die zwei sittlichen Welten: dieWelt, in die min herze siht — ich meine ir aller werlde niht 49—66. Damit ist zugleichder Stimmungsgegensatz liep u. leit angeschlagen, der seine Synthese findet im edelnHerzen: ir sileze sür, ir liebez leit usw. 60ff.; swcere — in fröuden 53 f.; daz entsorgetsorgehaften muot79; diz leit ist liebes alse vol 115; daz übel daz tuot sd herzewol 116,ferner 185f. 202f. 204—07. 212f. 221. 232.240. 1294. 1407. 1522. 13079L 13844f. 15232—235.18008.18327.18991—93. 19484f., besonders stark rhetorisch 11885ff.; fröude — klage7094—111. 11181; trürec u.frd 13021—34; triure - fröude 11448. 16380; senfte — swoere11568, ferner 1865f., 18982—84 u. ö.; leitu.linge 2 5071—96. Der Seins-Polarismus leben — tot 3234f. 237—40. 1505. 1845. 11447.12121.12154f. 18234. 18471 f.; minne—haz 829. 878. 887.13604f. 18031 f.; übelu. guot 1522. 4524. 7321.9675f. 10272ff. 14342.15344.15699. Anderes:131-34. 3377—779. 4425 f. 4429f. 11919ff. 12036 f. 17534 f. Gegensatzpaar mit Kreuzstellung:11826—29. 11919f., auch 30 f. 18001—03.
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1 Vgl. Martin Grabmann, Die Gesch. derscholast. Methode Bd. 2, Reg. unter Dialektik,Logik.
2 Ein Meister der lat. Rhetorik der Zeit warAlanus; bei ihm finden sich die schmücken-den Stilmittel der sublimen Rhetorik in Fülle(Ehrismann, Stud. S. 73 ff.). Zum Teil wörtl.Anklänge enthält die preziöse Definition derLiebe in des Alanus Liber de Planctu Naturae,Migne 210, 455: tristities laeta, gaudia plenamalis, dul'ce malum, mala dulcedo, sibi dulcoramarus ... suave malum. Diese ganze „Expli-catio der unerklärbaren Natur der Minne" stelltdas Wesen der Minne als eine Antithese dar.Ja, der sittlich-unsittliche Grundgegensatz derMinne, Treue u. Trug, der ethische Kern desTristanromans, ist hier ausgesprochen: estquefides non habuisse fidem 456 A, u. gleich im
ersten Verse: Liebe ist fides fraudi juncta. ZuTrist. 11885 ff. vgl. Alan. Sp. 455 C: Miraculamulta Cupido efficiens; 456 A: Dulcia pro-ponens assumit amara, venenum Infert. Dieganze Abhandlung über die Liebe, Cupido,von Sp. 454C—461 C ist eine Kritik des höfi-schen Minnekultus. Jene poetische Darstel-lung der Liebe mit den Antithesen usw. seiden rednerischen Ausschweifungen der weltl.Dichter (gemeint sind wohl die mittelalterl.lat. Lyriker, die Vaganten, und die Lehrbücherder Schulrhetorik) entnommen: Praevia igiturtheatralis oratio joculatoriis evagata lasciviis456 D. Die Sexta quaestio Alani und dieQuaestionis solutio Sp. 454 C—455A habenBerührung mit der Praefatio des Capl. An-dreas (Trojel S. 1 f.).8 Alanus Sp. 455 B mors vivens, moriens vita.