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Die erzählende Dichtung
ist der wortwlse, seine eigene Sprache besitzt die zwei ganzen Vollkommen-heiten, den Zusammenklang von Wort und Sinn. Er ist einer der größtenWortkünstler der deutschen Sprache. Er hat die zierliche Schreibart durchdie Süßigkeit, Fülle, Farbenpracht und durch den berückenden Wohllaut seinerWortmelodik zur höchsten Ausdrucksfähigkeit gebracht. Seine Sprache ist vollsinnlicher Reize, ein passendes Gewand für die Sinnenfreudigkeit seines Liebes-gedichts. Sie ist Musik, rhythmisch in der Harmonie der Maßverhältnisse,melodisch in dem wohltönend fließenden Klang der Laute. Durch die Süßig-keit der Rhetorik besonders ausgeschmückt sind der Prolog 1—242, das Früh-lingsfest 534—84, Riwalins und Blancheflurs Minnereflexion 783 — 1074, derBlick auf Tristans trüriclichez leben 1989—2020, die Dichtercharakterisierungin der Schwertleite 4619—4818, der Ausbruch der Minnekrankheit in Tristanund Isolde 11711—12438. In dem Liebesidyll der Minnegrotte 16683 ff. hatG.s Kunst den höchsten Glanz erreicht. In einer Sprache ohnegleichen singter den hohen Sang von Natur und Liebe. Ein seliges Menschentum derl goldenen Zeit leben die Liebenden in dem feenhaften Minnehaus der Wald-wildnis, am lindenumschirmten Quell beim süßen Vogelsang, ringsum lichteBlumen, grünes Gras, Weid und Wonne in Schatten und Sonne, umspieltvon sanften linden Winden. Und auch hier neben der reinen Poesie dieGelehrsamkeit: der reich gezierte Minnetempel hat einen tieferen, allegorischenSinn, der mit grübelnder Scholastik gedeutet wird. 1 Aber in dieser außer-ordentlichen Sprachbegabung lag für G. die Gefahr des Virtuosentums. Erhat die Sprachmittel des süßen und schönen Stils oft über das geziemendeMaß hinausgetrieben, sie werden zu einem Brillantfeuerwerk. Der Inhalt wird
Progr. Danzig 1885; Berth. Schulze, Berl.Diss. 1892; M. Heidingsfeld, G. v. Str. alsSchüler Hartmanns v. Aue, s. oben; Fr. Krü-ger, Stilist. Untersuchungen üb. Rud. v. Emsals Nachahmer G.s v. Str., Progr. Lübeck 1896;Gust.Myska, Die Wortspiele in G.s v.Str.Tr.,Progr. Tilsit 1898; P. R. Pope, Die Anwendungder Epitheta im Tr. G.s v. Str., Leipz. Diss.1903; Riemer, Adjektiv bei Wolfr.; K.Stie-beling, Stilist. Untersuchungen üb. G. v. Str.u. seine beiden Fortsetzer, Leipz. Diss. 1905;R. Leistner, Ueb. die Vergleiche in G.s Tr.,Leipz. Diss. 1907; L.Hansen, Die Ausdrucks-formen der Affekte im Tr. G.s v. Str., KielerDiss. 1908; Joh. Lorenz, Die Kunst der Ein-führung der direkten Rede bei den EpikernH. v. Aue u. G. v. Str., 1912; G. Täuber, DieBedeutung der Doppelfoimel für Sprache u.StilG.s v. Str., Greifsw. Diss. 1912; W. L,eppelt,Der Titulierungsgebrauch in den Redeszenender Werke G.s v. Str. u. Konrads v. Würzburg,Greifsw. Diss. 1913; Br. Dittrich, Die Dar-stellung der Gestalten in G.sTr., Greifsw. Diss.1914; Else Dietrich, Die Sinneswahrneh-mungen G.s v. Str. nach dem Tristan, Frankf.Diss. 1919 (Maschinendruck); WilhelmineKurtze, Die Natur in G.s v. Str. Tr., Greifsw.Diss. 1921 (Auszug u. Maschinendr.). — Ehris-
mann, Duzen u. Ihrzen, ZfdWortforsch. 5,153 ff. u. Bernhardt, ZfdPh. 33, 368 ff.;Schwartzkopff, Rede, Pal. 74 (1909), Reg.S. 146; Wahnschaffe, Enjambement, Pal. 132(1919); Wiessner, Ruhe- u. Richtungskonstr.,Beitr. 26 u. 27; Minna Jacobsohn, Farben,Teutonia 22 (1915); Biese, Naturgefühl S. 106f f.;Ganzenmüller, Naturgefühl, Reg. S. 300. —Grammatik u. Sprachformen: Kraus, Festg.f.Heinzel S. 111 ff.; Zwierzina, Mhd. Stud.,ZfdA.44 u. 45, s. Reg.Anz. 26u.27 S.354 u.350; Paul Rothe, Die Konditionalsätze inG.s v. Str. Tr. u. Is., Hall. Diss. 1895, dazu H.Reis, Lbl. 1896, 75f.; Hub. Badstüber, DieNomina agentis auf cere, Innsbr. Diss. 1897;H. Zell, D. Adj. bei Wolfr., Hartm. u. G. v. Str.,Straßbg. Diss. 1909; Jos. Lesenar, Ueb. d.Einfluß d. Hauptsatzes auf d. Modus d. Neben-satzes in G.s Tr., SB. d. k. böhm. Ges. d. Wis-sensch. 1910 Nr. 3; H. W. Church, The Com-pound past tenses by H. v. Veld., G. v. Str.and Wolfr. v. E., Journal of Engl, and Germ.Phil. 15(1916), 1—22; NoLTE.ZfdA. 51, 138—42; v. Kraus ebda S. 301 ff.; Schröder,ZfdA. 53,99 f.; Ders., Gott. Nachr. 1918,411;Schirokauer, Beitr. 47, Reg. S. 124.1 Siehe oben S. 314,3.