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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§50. Tristan. Der ethische Gehalt. Die Charaktere 311

begriffliche und anschauliche Bestimmungen, ist doch daz edele herze der Aus-gangspunkt seiner ganzen Ethik. Den Inhalt dieser neuen sittlichen Menschen-bildung lehrt der Spielmann Tantris die Königstochter Isolde: es ist dieMoraliteit, die Erzieherin der edeln Herzen (8018) 784384. 79668145,spez. 800630, mit dem Gesetz der ritterlichen Weltanschauung: got unde derwerlde gevallen 8017; ir lere hat gemeine mit der werlde und mit gote 80 1 4 f.;sie lehrt höfische zuht: schcene site 8009; durch sie lernte die junge Königinschönes und reines Innenleben und süßes Benehmen. Ohne Moraliteit hatNiemand guot noch ere, d. i. Besitz noch Tugend. 1 Auch Kurvenal, derLehrer Tristans, war von edeles herzen art gedelt 2261 f., und Riwalin rietsein edelez herze, seine Sitten zu vervollkommnen 458.

In einer weichen, sich den Eindrücken leicht hingebenden Gemütslageerlebt das edle Herz die Schönheit der Natur 551. 583, des Gesanges 4767,eines edlen Frauenbildes 632 ff. Solches tuot dem edeln herzen sanfte, ver-leiht ihm fröude und höhen muot, der stärkste Zauber aber ist der MinneWonne und Weh. Ein solches ästhetisches Genußleben führen Tristan undIsolde in dem aus allen Tugenden kostbar und prachtvoll erbauten Minne-tempel 17143278. 35197. Für solche feinfühlige Menschen hat G. ge-dichtet, um ihre liebessehnsüchtige Not zu lindern 47. 117. 216. 233. 11914.«

In der Person seines Helden hat G. das Ideal feinster höfischer Bildunggezeichnet (höfescheit, curtoisie, hovesite, schoene site 2240.2752.5003.8009.8047.10174, edeles herzen art 2261, vuoge, tugenf). Den ganzen Erziehungs-gang 3 eines adligen Jünglings hat er in seinen Roman verwoben: als Kindsteht Tr. bis zu 7 Jahren in der Obhut der Frauen. Folgt die Schulzeit (derbuoche lere), mit der die Sorgen beginnen; neben der Wissenschaft lernt erden Ritterbrauch. Mit dem vierzehnten Jahre wird er auf Reisen gesandt,um fremde Länder und Leute kennen zu lernen. Durch seine Entführungins Leben geworfen erregt der vierzehnjährige Wunderknabe das Staunenseiner Umgebung durch seine außergewöhnlichen Fertigkeiten im Schach-spiel, in fremden Sprachen und im Gesang bei den Kaufleuten und Pilgern221495, durch seine Jagdkunde bei den Jägern 27863078, durch Harfen-spiel und Singen 4 und Sprachkunde bei Marke 3503739; Markes Hof war

1 Schönes Benehmen und Tugend: das istdie griech. xaXoy.ayadta. G. sieht das Sittliche

um Gewände der Schönheit, er betrachtet dieWelt als ein ästhetisches Problem, seine Welt-anschauung ist ästhetisch (s. unten). DieMoraliteit lehrt also Ehre (Tugend) und Gut,das ist der Inhalt der Moralis philosophia; aberauch Gott gefallen: das ist Aufgabe der Moral-theologie; endlich auch die höfische zuht. '

2 V. 10105 wendet sich G. gegen die, diebehaupten, Beschäftigung mit Liebeserzäh-lungen vermehre nur. die Liebesnot: diese

Fundgruben 1, 321 mit Gotfrids Rat überein.8 Karl Müller, Charakteristik des höf. Le-bens zur Zeit seiner Blüte, mit bes. Berück-sichtigung der einschlägigen Stellen aus G.v. Str., Progr. Weilburg 1899; bERGEMANN,Das höf. Leben nach G. v.Str., Hall. Diss.1876,dazu Bechstein, Gerjn. 24,42932; Wechss-ler, bes. S. 27 ff. u. Reg. S. 487 unter cortezia ;Petersen, Joh. Rothe S. 142 ff., wo weitereLit.; Rust, Die Erziehung des Ritters in derafrz. Epik, Berl. Diss. 1888. Trist, als höf.Bildungsideal s. auch oben Eilh.

gegenteilige Ansicht vertritt der Caplan An- ! * Den stimmungsvollen Ausdruck findet die

dreas in seiner Praefatio (Trojel S. 2). Da-gegen stimmt das> Rezeptgegen den sieclituomder Minne in dem Arzneibuch in Hoffmanns

ethisch-ästhet. Bildung in der Musik u. Dicht-kunst, G. selbst ist heimisch in der Welt derTöne, s. bes. 229193.3503-686.4749818.