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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 50. Tristan. Der ethische Gehalt. Die Charaktere

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Welten als eine hohe Essenz und eine niedere Existenz, als eine auserlesenegeistige Gemeinschaft und eine grobsinnliche Masse, als die sittlich Edeln undsittlich Unedeln oder als die Gebildeten und die Ungebildeten (incultus, Capl.Andreas S. 24), die Höfischen und Unhöfischen, afrz. courtois und vilain =höfisch und bäurisch (torperhelt 15485.506, torperle 16620 niedere Handlungs-weise), die guoten {die besten) und die bcesen {boese = gemein, von niedrigerGesinnung). 1 In der Minnemoral entspricht der Gegensatz von hoher und nie-derer Minne, der edeln Liebe des Minnedienstes und der sinnlichen des bloßenGenusses, und führt in letztem Betracht auf die ethischen Prinzipien vonSittlichkeit und Sinnlichkeit. So ist bei G. der transzendente Dualismusdes Christentums zwischen Gott und Welt zu einem immanenten, innerhalbder Welt selbst bestehenden Gegensatz zweier sittlicher Typen, der feinenund der rohen Menschen geworden. Die höhere Welt der edeln Herzen istdie der feinen Höfischheit, ihr sittliches Wahrzeichen ist: Freud' und Leidzusammen in einem Herzen tragen; die süße Qual, das liebe Leid, dieHerzenslust und Sehnensnot ist diereine Liebe" (Prol. 45242 und oft-einzeln). 2

bestand zwischen dem Adel des Herzens unddem der Seele noch der ganze Dualismus desMA.s, wonach die menschl. Seele ein geistigesWesen und unsterblich ist, das Herz aber einTeil des Körpers und m t diesem vergänglich.Edeliu sele ist kein Begriff der weltl. Minne-dialektik, sondern der Mystik, nur das Herz,nicht die Seele gehört in den Gesichtskreisder höf. Gesellschaft.

1 Wilmanns, Leben Walthers' S. 156 ff., ed.Michels S. 262ff. u. Anm.; courtoisvilain:Wechssler S. 34855; Schrötter, Ovidu.dieTroubad. S.50ff.; gebür: Burdach, Reinm.S. 171 f. Die beiden Welten, die der Edelnund der Gemeinen, der rechten und der un-rechten Minne, werden öfter einander gegen-übergestellt: Thomasin läßt auf den Preis desHerzensadels als Gegenstück die Warnungvor dem. gelust folgen 39274144, wobei ereinige Typen von rohen Genußmenschenkennzeichnet; in der Lehre des Minneboten,Docens Mise. 2, 306 f ; im Moritz v. Craon32196; bes. bei den Epigonen, die den Ver-fall des höf. Lebens beklagen: der Strickergibt in der Frauenehre, ZfdA. 7, 478[f., eineDarstellung von der werlde lebene unt wazdiu werlt selbe si V.9321: es sind diejenigen,die großer Freude walten, sie haben die welt-lichen Tugenden (das Honestum, ZfdA. 56,137ff.) 101020. Nicht Freude und Leid,sondern nur Freude also ist der Wahlspruchdieser Welt; allerdings heißt es vorher, daßderjenige Ehre hat, der liebe und leide in derMinne kennt Strick. V. 77478. Diese,Welt-kinder' halten die Mitte zwischen den .Gottes-kindern' u. den .Teufelskindern'. AehnlicheZeitsatiren des Strickers sind seine Klage (An-klage, Hahn, Kl. Ged. v. d. Stricker S. 52 ff.)

u. Die Herren zu Oesterreich (Meyer-Benfey,Mhd. Uebungsstücke 2 S. 63ff.); ferner in Ulr.v. Lichtensteins Frauenbuch, bei Seifrid Helb-ling XIII Ged. (Seemüller S. 14 ff.). Rud.v. Ems im Willeh. 9796-852 stellt den pöbel-haften Unterhaltungston der ungebildetenKunstverächter in grellen Gegensatz zu deredeln Haltung seines Romans u. zu den feinenMenschen, den werden Hüten 5639 ff., denKindern der Ehre 12 ff., der Tugendlehre desreinen Herzens 1 ff.2 Liep u. leit: Wilmanns, Leben 1 S. 192 ff.u. Anm. (spez. 197 f.), ed. Michels S. 275 ff.u.Anm. (spez. S. 27580); Burdach, Reinm.S.25f. 6871.103.109.126.127.142; Wechss-ler S. 83 ff. 233 ff. 256 f. u. Reg. unter joi;Settegast, Joi, Ber. d. sächs. Ges. d. Wissen-sch. 1889; Schrötter S. 64; Michel, Heinr.v. Morungen S. 7599. 182. 186, dazu R. M.Werner, Anz. 7,124; Lüderitz, MinnetheorieS.7479; Hansen, Affekte imTr. S.4651;Bezzenberger, Freidank, Anm. zu V. 85,17.18. G. macht einen Unterschied zwischenfröude und liebe, ohne denselben jedoch inseinen Worten genau zumAusdruck zu bringen:zuerst meint er überhaupt Freude im Gegen-satz zum Schmerz, die Allerweltmenschensind die, die nur ein Lustleben führen wollen.Dann aber spezialisiert er den Begriff .Freude'auf .Liebesfreude' u. somit ist jetzt der Gegen-satz eingeschränkt auf .Liebesfreude u. Liebes-leid' (mhd. liep liebe sowohl = Angenehmes,Freude als = Liebe). Danach scheiden sichauch die mhd. Stellen von liep u. leit'vn. solchemit dem Sinn .Freude u. Leid' u. solche =.Liebe u. Leid'; aber beide Bedeutungen gehenoft ineinander über. Die umfassendere Anti-these .Freud u. Leid' ist die ältere, Volkstum-