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Die erzählende Dichtung
der übermuot G. 266. 297, durch den er zu Fall kommt 314—16, aber G.hat diesen Fehler entschuldigt als eine jugendlich überschäumende Unbe-sonnenheit, er hat den rauflustigen Gewaltsmenschen des Th., den volks-mäßigen Rittertyp älteren Schlags, modernisiert zu einem um feinste Bildungbesorgten höfischen Herrn. Seine Tendenz zur Veredlung der Charaktere,zum Ideal des „edeln Herzens" und zur hovesite 492, tritt hier zutage. Undreiches, blühendes Leben hat erst seine Zauberkunst über die Liebesgeschichtevon Riwalin und Blanscheflur ausgebreitet. Er auch hat die Liebe der beidendurch den Trank verwirrten Selig-Unseligen aus der Pathologie ganz in diepsychologische Auffassung übertragen, denn bei Th. ist sie ein Krankheits-gift, zu dessen Heilung man den Arzt holen sollte.
§ 50. Der ethische Gehalt. Die Charaktere
Die sittliche Tendenz seines Werkes hat G. im Prolog ausgesprochen,sie zieht sich durch das ganze Gedicht durch als eine hohe Geistesbildung,mit der ihr notwendig anhaftenden seelischen Stimmung. Es ist eine besondereWelt, es ist nicht,aller Welt', sondern eine andere Welt, es ist die Welt deredeln Herzen 1 und zugleich G.s eigene Welt. Weit ab stehen sich die beiden
1 Mit der Erklärung des „edlen Herzens"hat Vogt, Der Bedeutungswandel des Wortesedel, Marb. Rektoratsrede 1909 (bes. S. 10—13 u. Anm ), den Grund zum tieferen Verständ-nis G.s gelegt; s. ferner Bezzenberger, Frei-dank, Anm. zu V. 54, 6. 7; Roethe, Reinm.S. 231 f. 450—52 u. Anm. S.592; Burdach,D. Rundsch. März 1914 S. 370 u. AckermannS. 318ff. 341; Nolte, ZfdA. 52, 73ff.; Voss-ler, Die philos. Grundlagen z. „süßen neuenStil" 1904 (bes. S. 24ff); Wechssler, Reg.S. 485; Pope, Epitheta S.59 (Zitate); Fr. v.Bezold, Aus MA. u. Renaissance S. 24 ff.;Ehrismann, Stud. zu Rud. v. Ems S. 15. — DasAdj. edele, ursprüngl. edle Herkunft, Geburts-adel, erscheint auf dem ethischen Gebiet über-tragen zum erstenmal hier bei Gotfr., = Seelen-adel. Die höhere Wertung des Geistesadelsgegenüber dem Geburtsadel ist schon eineFolgerung des Intellektualismus der griech.Philosophie, nach der allein der Weise, derPhilosoph, der höchsten Tugend fähig ist.Vgl. Cicero, De off. I, 33; Seneca, Ep. 44:«Wer ist ein Edelgeborener? Der von Naturzur Tugend wohl Ausgerüstete", „Gesinnungist es, die adelt", denn „alle Menschen stam-men von den Göttern her", ähnl. Boethius, Deconsol. B. 111 Cap. 8 (VOGT aaO.); ferner Ovid,Juvenal, lat. Sprichwörter. Die Discipl. Cler.Ex. IV, 2. 3 „De vera nobilitate" gibt reinweltliche Wissenschaften, Fertigkeiten u. An-standsregeln. Aus der antiken Sittenlehre hatdie moralis Philosophia des MA.s die„Nobilitas animi" übernommen (Hildebert,Migne 171 Sp. 1043, in der tieferen Bedeutungnicht verstanden von Wern. v. Elmendorf,ZfdA. 4, 309, 901—40). — Das Urteil der hu-manist.-aufgeklärten höf. Gesellschaft gibt der
Capl. Andreas, indem er die morum probitasals den ursprüngl. Adel der Menschen erklärt(Trojel S. 17 f. 24 ff., s. Vogt S. 35, Wechss-ler S. 350; probitas schon Ovid Ex Ponto 1,9,39). Diese Moralisierung des Adelsbegriffesist in Deutschland, bald sprichwörtl., zum Ge-meingut geworden, ausführl. auseinanderge-setzt von Thomasin im W. Gast 3855—926,nach Seneca u. Boethius; viele mhd. Beispieles. bei Vogt, Bezzenberger, Roethe. — DasHerz ist edel, wenn es edle Gedanken, Empfin-dungen, Strebungen hat, wenn es der Tugendzugewendet ist (Thomasin 3860—62) Cordisnobilitas beim Capl. Andreas (Trojel S. 198):Die Liebe ist ein Gnadengeschenk u. kommtallein aus adliger Gesinnung des Herzens.Das Wort war schon von den Trubadur ge-prägt: gentil cor (Wechssler S. 329. 352—55) u. von d. frz. Trouveres aufgenommen(genta euer, Vogt S. 32); ausderfrz Liebes-doktrin haben die ital. Dichter des dolee stilnuovo das cor gentil zum höchsten Wert er-hoben (gentil bei Gotfr. 3353. 13302. 16191).Diesen Schritt hat schon vor ihnen Gotfr. ge-tan. Das ,edle Herz' der Minnesänger und die„edle Seele* der Mystiker (Vogt S. 12 f. 33;H. Messer, Wort und Begriff eäeliu sele beiMeist. Eckart, Greifsw. Diss. 1923, Auszug, imMaschinendruck Literaturangaben; W.Müller,Das Problem der Seelenschönheit im MA., Bern1923) haben verschiedenen Ursprung: jenesgehört der feudal-weltl. Lebensauffassung an,diese stammt aus Piatos Seelenlehre (Timäus);die höhere Seele der Neuplatoniker; die Ver-nunftseele des Thomas v. Aquino, ein Werkdes göttl. Wunders (vgl.auchAlcuin, Dcanimarat. Cap. 10; Ostler. Psychol. Hugos v. S.Victor S. 15). Für Gotfr. u. seine Zeitgenossen