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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 49. Die Quelle des Tristan 307

seine Abkehr von ihr zu einer neuen Liebe {mit fremedem liebe 19435);was zu beweisen war. Erloschen jedoch ist Tristans Liebe nicht, es ist nurein hoffnungsloses Sehnen 19475. 489 f. 503 f., aber die Lebenseinheit derbeiden Liebenden ist zerrissen 19484 ff.

In diesem Abschnitt, der nur eine einzige Gedankenreihe enthält, warfür G. weniger Gelegenheit zu Änderungen gegeben, aber auch hier zeigtsich seine schon an dem ersten Bruchstück beobachtete Eigenart in deninhaltverstärkenden Erweiterungen (die V. 19436 ff. nach Ovid, das Lebender Fahrenden 1951642), in der klaren und korrekten Gedankenführungund in dem zarteren Ausdruck des seelischen Leidens. Aus diesen, den beidenWerken gemeinsamen Versen und aus der Darstellungsart des Th.s in dennicht mit G. zusammenfallenden Teile unter Anwendung von Analogie-schlüssen, endlich unter Beiziehung der.Saga läßt sich die ArbeitsweiseG.s durch sein ganzes Werk erhellen. Bemerkenswerte Beispiele gewährenfolgende Stellen:

Der auch für Th. vorauszusetzende Prolog ist bei G. bedeutend erweitert(1242), und zwar sind hier Grundgedanken der V. 45 ff. aus Th.s' Epilog312544 aufgenommen. Ganz G.s Eigentum sind die an die Leser gerichtetenStrophen mit dem Widmungsakrostichon 144, indes klingt ihr Inhalt dochan die Captatio benevolentiae bei Th. 3131 f. an. Im eigentlichen Prologsind G.s V. 4570 (die edeln Herzen) angeregt durch Th.312630; 1 71100(Linderung der Liebesschmerzen) durch Th. 313944; 131166 (die Wahr-heit der Erzählung) = Th. 3133f. u. 210756; 21142 (ein Beispiel fürLiebende) = Th. 3136; von G. allein rührt die Polemik 101118 her. Aberdes Th. spärliche Linien sind unter G.s glänzender Übermalung ohne nach-spürende philologische Exegese nicht wieder zu erkennen. Hier offenbartsich gleich am Anfang des Gedichtes G.s stärkere Geistigkeit: mit dem ganzenZauber seiner Sprache hat er die bloßen Stimmungsverse des Th.s zu der ethi-schen Grundidee des Gedichtes erhoben. Aus G.s eigener Erfahrungstammt die Ironie über das Gottesurteil 15734ff.; auch die an seinen literari-schen Zeitgenossen geübte Kritik, die in die Erzählung von Tr.s Schwertleiteeingeschaltet ist 4619818; dagegen hat er die kurz vorangehende Allegorievon den Tugenden als Kleiderverfertigerinnen 455380 2 nach seiner eigenenAngabe seiner Quelle entnommen. Auch die Anlage zu der Schilderungdes Frühlingsfestes 53484 und der Minnegrotte 16683 ff. hat er dort vor-gefunden, aber er erst hat sie zur höchsten poetischen Form verwirklicht.Dem Porträt Riwalins hat er die Züge von Hartmanns höfischem Herrn Hein-rich verliehen (G. 243316 vgl. A. Heinr. 2974). Auch seine Schuld ist

1 Amerus der Liebende, emvius ist der G. den hohen Menschentypus der ,edeln

liebe gernde G. 94, desirus der senedcere Herzen'geschaffen und damit die zweiWelten

pensis der sorgehaften muot 79 hat; die 50 u. 58 und so des Th. Widmung analle

enveisiez sind die liep, Freude, haben, Liebenden" zum Grundgesetz seiner Werte

die purvers jene, die leit haben. Aus der vergeistigt.

bloßen Aufzählung der tuz amanz mit ihren 2 Vgl. Petersen, Joh. Rothe S. 113.verschiedenen Liebeszuständen bei Th. hat I

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