§ 49. Die Quelle des Tristan
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aus dem Spielmannsgedicht den höfischen Typus des Tristanepos geschaffen,Gotfrid hat diese Gesellschaftsform zur feinsten Blüte erhoben. 1
Schon eine Gegenüberstellung der Texte der beiden kurzen, direkt vergleich-baren Bruchstücke läßt G.s Arbeitsweise einigermaßen erkennen. G. 18199—313 = Th. 1—52 (Bed. I S. 248—50): gleich der bedeutende Unterschiedim Versbestand zeigt, daß G. seine Vorlage erweiterte: zu dem, was Th. in52 Versen bringt, verwendet G. 114 V. Das Gerüste des Inhalts hat G. über-nommen, aber er hat es in eigener Weise ausgefüllt. Er hat nicht Zeile fürZeile übersetzt wie der nordische Sagamann, noch daß er gar den franz. Textganz wörtlich wiederholt hätte. 2 Er läßt den Zwerg nicht mitspielen, der istüberflüssig, ja störend, er war überhaupt in den letztvorhergehenden Szenennicht mehr aufgetreten. Infolge davon fällt die Rede Markes an den Zwergweg (Th. 8—13), ihren Inhalt bringt G. als Teil der fortlaufenden Erzählung18, 236—48, wodurch die Wiederholung vom Gang ins Palais (Th.10.16.21)und der Ratsberufung (Th. 10—13 = 21—23) vermieden wird, und zugleichist dabei das barbarische Urteil, das Marke im franz. Gedicht verhängen will,die Strafe des Verbrennens Th. 13. 23, gemildert: bei G. soll nach lantrehtgerichtet werden 18248.
Der ganze folgende Auftritt ist von lebendigster Wirkung. Eben die seligeRuhe der liebend Vereinigten und nun die Vernichtung des Lebensglücksdreier Menschen. Mit tiefer Seelenkunde schaut G., was im Innern des be-trogenen Mannes vorgeht: „abgetan war all der Zweifel und der Wahn, erwähnte nicht, er wußte". Jetzt hat er die Gewißheit dessen, was er hat wissenwollen, und doch: „ihm wäre sicherlich, däucht mich, beim Wähnen wohlerals beim Wissen". In diesem Falle ist der Dichter durch die Kundgebungseines eigenen Urteils dem Leser wirklich zu einem Interpreten geworden.Dieses durchdringende Seelengemälde (18219—34) ist G.s eigene Erfindung.Und ebenso hat er erst das schreckensvolle Erwachen der Liebenden zueinem dramatisch bewegten Auftritt gesteigert: schweigend entfernt sich derKönig, Tristan sieht ihn von dem Bette weggehen, sein erster Gedanke istan Brangäne: sie hat nicht Hut gehalten (G. sucht überall die Mitspielrolleder Brangäne zu verstärken). Die Vorstellungen jagen sich in ihm und hastigsprudeln die Worte der entsetzlichen Überraschung, keines ist zu viel, jedesan seinem Platze, nichts von stilistischen Floskeln, und sie gipfeln in derGewißheit: es geht uns an das Leben, wir müssen uns scheiden. Anders alsder franz. Dichter empfindet G. den Abschied der Liebenden: er hebt nicht
1 Hertz 3 S.471 u.474; Golther S. 179f.
2 Dieses nur etwa bei: mit armen zuo ein-ander 18200 = Enz es bras 1; vielleicht un-muoze 18218 = ovraine 5; und noemen umbesi beidiu war 18244 = Verront com les avontrovez 12; so daz erwadiete oudi Tristan undsach in 18252 f. = Tristan s'esvella a itant,Voit le roi 14 f.; Isöt wadiet..., ich warne wirverraten sin 18258 = Yseut car esvelliez:Deutsche Literaturgeschichte III 20
Par engien somes agaitiezl 18; er get vonuns 18264 = vait 21; vergezzet min durchkeine not 18287 = Neme metes mie en obli32; küsset mich 18289 = me baisies 36; siuf-tende 18291 = sospire 39; nemet hin dizvingerlin 18311 = cest anel prenez 51. —Bedier I. 252 f. hebt auch die nahen inhalt-lichen Gleichungen hervor.