§ 44. Wolframs Titurel 293
äne zwifel 52, wärm minne mit triwen, wie sie im Gralsgeschlecht erblichist 4, und aus luterlicher minne waren die Kinder geboren 53. Die roman-tische Einbildung vom Minnedienst erscheint hier noch überspannter, da Un-erwachsene altklug davon reden 71. 72. 106. 166. 169. So sehr beherrschtdie Liebe den Inhalt des Gedichtes, daß alles minnt oder geminnt hat: deralte Titurel 3, Gahmuret 74. 90. 93 usw.; Gahmuret, Gurzgri, Ilinot büßenihr Leben für die Minne ein. Minne ist die größte Macht auf Erden undsie führt zum Himmel, Dia minne hat begriffen daz smal und daz breite 51.So wird eine Schrulle der höfischen Konvention zu einer sittlichen Welt-. anschauung erhoben und die Minne wird mit dem Heldentum zusammendie ideale Betätigung des Mannes, denn nur durch tapfere Taten kann dervollkommene Ritter die Minne der Dame erwerben 2 f. 71 f. 102. 106. 129 f.Darum lautet in Str. 56 Wolframs Programm umfassender als bloß von kint-licher minne 52: magtlich sorge unde manheit mit den arbeiten will ererzählen, eine Aventiure von Sorgen der Jungfrau und von schwerem Ringendes Mannes, von Bangen um den Geliebten und von Kämpfen um die Huldder liebenden Frau. Aber wesentlich bestimmt ist die Offenbarung des Dich-ters doch für die, die von minnen kraft durch herzeliebe ie senende noterfänden 56, 4, für die schmerzlich sehnsuchtsvoll Liebenden.
Ein ideales Rittertum ist dargestellt, alle gehören sie zur Gemeinschaftder Edeln, Auserlesenen. Minne, Treue, Schönheit sind dem Gralsgeschlechtschon als hohe Erbschaft angeboren 4. 43—46. 53. 58. 104, und auch demjungen Helden von seinen Eltern aus Gurnemanz' Stamm 89. 126—28. Ad-liges Geschlecht verleiht an sich auch edle Tugend. Das ist Wolframs Standes-bewußtsein und darum legt er auch im Tit. so viel Wert auf Genealogie.Eine schöne und hoheitsvolle Lebensführung herrscht in diesem Kreise. Zu-sammengefaßt ist sie in der Rede Tit.s, in der er sein Vermächtnis vomFürstenamt den Templeisen verkündet, vom orden des Grals, von seinenPflichten und Aufgaben. Und auf dem Halsband des Hundes Gardeviaz istder Moralsatz des Rittertums eingegraben: Mann und Weib, die ihren Lebens-gang rein bewahren, die machen ihren Weg hie in der werlde gunst, undwirt in dort saelde ze töne 144.
Eine große Tragik durchzieht das Gedicht und ein Zug des Leidens liegtin der Stimmung. Alle Personen leiden und der Sinn des Lebens ist susnimet diu werlt ein ende: unser aller süeze am orte (am Schluß) ie muozsuren 17, des Lebens Süßigkeit muß enden mit Bitternis, vgl. 20. 125. 128.134. Die Erfahrung, die der Liebesroman lehrt, lautet nicht anders als dasLebensgesetz, das in den Glaubenskämpfen der Ritterlegende vom heiligenWilhelm zu herber Wahrheit wird.
Das Minneproblem ist hier in seiner überstiegenen Ausartung angefaßt.Der Minnekult als bloß höfische Galanterie gibt sich als verschrobene Launeeiner überbildeten jungen Dame, der Geliebte opfert sein Leben für eineHundeleine. Im Parzival und im Willehalm gewährt die Gattenliebe das