§ 44. Wolframs Titurel 291
Aus dieser Personenmasse hebt sich der lyrische Höhepunkt des Stückesab, das sind die Minnereden, eingeleitet durch das Erstaunen des Dichtersüber das Minnewunder bei Kindern 47—131. Diese Reden stehen in demGedankenkreis von Yeldekes Minneauffassung: die Liebeskrankheit des Eneas,En. 10991 ff., und die des Schionatulander, das Gespräch der unerfahrenenLavine mit ihrer Mutter, die ihre Liebesschmerzen erkennt, En. 10497 ff., unddas gleiche Verhältnis zwischen Schion. und Sig. gegenüber ihren ErziehernGahmuret und Herzeloyde. Aus dem durch den Parz. gegebenen Hinter-grund treten somit drei von Wolfram eigens erfundene Partien hervor: dieEinleitungsrede Tit.s, die Jugend der beiden minnenden Kinder, die Minne-gespräche.
Das zweite, viel kürzere und in sich geschlossenere Bruchstück, dasBrackenseil, ist handlungskräftiger, belebter, untermischt mit prunkvollerSchilderung, aber geringerem lyrischen Anteil; der Dialog ist kürzer unddrängt energisch auf den Zweck des Gesprächs, die Dienstleistung durchdie Gewinnung des Seiles.- Wolfram hat diese Szene aus eigener Erwägungheraus gedichtet. Den Anlaß gaben die V. P. 141, 16—18 ein brachen seilgap im den pin. In unser zweier dienste den tot hat er bejagt. Für dieAusführung mochte ihm das Liebesidyll des Eneas und der Dido in Vel-dekes En. 1759ff. vorgeschwebt haben: dort fand er einen Bracken 1767mit einem langen leideseil 1776, die halse was ein borte 1783 = Tit. 137, 2,das Seil war geflochten van siden 1779 = Tit. 139, 2. Auch an den BrackenHiudan in Tristans und Isoldes Waldleben bei Gotfrid 16650-64. 17246—78und an den Spürhund 17337—50 wäre in diesem Zusammenhang zu er-innern. Das auf dem Seile eingeschriebene Minneunglück von Ilinot undFlorie 147 f. hat Wolfram aus Parz. 585,29—586,11 (383,4) herübergenommen,aus dem Parz. stammen auch die Namen des damit verbundenen MinnepaaresClauditte und Ehkunat (Martin II S. 303 zu P. 372, 24. II S. 174 zu P. 178,19).Ehk. ist nach Tit. 42 = P. 178, 19 Bruder der Mahaute, also Oheim Schio-natulanders.
Für eine andere Quelle als Wolframs eigenen Parzival bleibt also nichtviel übrig. Einiges kann er noch anderswoher bezogen haben, 1 doch bleibtwenig Raum dafür, daß er etwa bei Kyot eine ausführliche Sigunenepisodeals Grundlage für seinen Titurel vorgefunden haben sollte.
Aus der Analyse des Stoffes läßt sich der Plan ableiten, den Wolframfür den Tit. in sich trug. Indem er von Ereignissen ausging, die im Parz.
Ob das mit Edelsteinen verzierte Halsband ; Stud. 2, 142 f. 153) kann Wolfr. irgendwo auf-
aus der franz. Lit. stammt, ist nicht sicher aus-zumachen, Anregung mag Wolfr. daraus ge-schöpft haben (Heinzel aaO. S. 81; Ders.,Kl. Sehr. S. 77; Singer, Stil S. 73). Die Fragenach der Herkunft der franz. Eigennamen imTit. ist inbegriffen in das Eigennamenproblembei W. überhaupt, s. ob. S.245f. Gräswalddn,Gardeviaz, Beuframunde (s. Bartsch, Germ.
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gelesen haben. Salväsdi flörie 151 ist einesicher von»ihm erfundene Nachbildung vonSalväsdie ah muntäne usw. im Parz., denndiese Bildungen sind unfranzösich (Singer,Stil S. 89 f.). Er konnte dadurch den ReimFlörien: ätriien 147 auch in 151 Salväsdi fIo-nen: ämlen verwenden.