§ 44. Wolframs Titurel 289
noch nicht bekannt waren: der bäruc Ahkarin 40, das Land Berbester 42(s. Martin II, 542), der römische Kaiser und der admirat nebeneinander 93wie Wh. 434, 1 ff. (erst im letzten Buch des Wh.). 1
Inhalt (Strophenfolge nach Martin). Erstes Bruchstück Str. 1—131, Sigunes undSchionatulanders Jugend und Minne (im Parz. lautet die Namensform Schianatulander).I. Exposition Str. 1—12. Der alte Gralkönig Titurel übergibt die Regierung an seinen SohnFrimutel mit einer Ansprache vor versammelter Gralgemeinde. II Vorgeschichte. Kindheitvon Sigune und Schion. 13—46. a) Sigune 13—36. b) Schion. 34 (Martin)— 46. c) Kern-punkt, Minne Schion.s und Sig.s 47—131. 1. Wesen der Minne und Anwendung auf Sig.und Schion. 47 — 55. 2. Liebeserklärung. Seh., zuerst von Liebe ergriffen, lehrt Sig. dasWesen der Minne, Sig. verlangt Minnedienst, den ihr Seh. verspricht 56—72. 3. Gahm. ziehtnach Baldac, Seh begleitet ihn; Abschied Sch.s von Sig., Gahm.s von Herzel. 73—82.4. Sch.s Liebeskrankheit, Gahm. rät ihm, Sig.s Minne durch tapfere Taten zu verdienen83—107. 5. Sig.s heimliche Minne, sie entdeckt sie Herzel., diese erlaubt ihr die Minne108-131.
Zweites Bruchstück Str. 132—170, Das Brackenseil. Die Liebenden ruhen in einemZelt im Walde, da springt ein Bracke vorbei. Seh. fängt ihn und bringt ihn Sig. 132—37.Der Bracke trägt ein mit Edelsteinen kostbar verziertes Halsband mit langem Seil, auf demeine Inschrift mit rührender Liebesgeschichte steht: die erste Besitzerin war Florie, die starb,da ihr Geliebter Ilinot in einer Tjoste gefallen war; ihre Schwester Clauditte erbt Landund Hund von ihr und sendet diesen ihrem Geliebten, dem Herzog Ehkunaht (Ehcunaver).Diesem war der Bracke heute entronnen 138—153. Aber während Seh. im nahen BacheFische angelt und Sig. die Schrift liest, entspringt der Bracke 154—59. Seh. eilt ihm nach,kann ihn aber nicht einholen und kehrt unverrichteter Sache zurück 160—62. Zwiegespräch.Sig. verlangt das Seil, Seh. will ihr den Bracken im Minnedienst verschaffen 163—69. Esist der Anfang vieles Leides, wie das ausging 170.
Der Titel für das Gedicht ist nach mittelhochdeutscher Bezeichnungsartaus dem ersten Verse entnommen, 2 hat aber nur Beziehung zu dem Ein-leitungsstück Str. 1—12; denn der Ahnherr Tit. tritt weiterhin nicht mehr auf.Die richtige Bezeichnung wäre „Sigune und Schionatulander" oder „Schionatu-lander" in Hinsicht darauf, daß Wolfram selbst diesen als Helden der Er-zählung, dirre äventlure herre 39, ankündigt.
Der Gattung nach ist das Gedicht ein Liebesroman, von dem der Ver-fasser Wolfram aber nur zwei Episoden bearbeitet hat. Diese beiden Stückesind also nicht als „Lieder" anzusehen, als einzelne, nicht zusammenhängendeBalladen, und die Bezeichnung „Titurellieder", als ob Wolfram einen Lieder-zyklus beabsichtigte, ist unrichtig: 3 der Titurel ist ein episches Gedreht mitstark lyrischem Einschlag.
Es erhebt sich damit die Frage nach der Entstehung des Titurelromans,die enge zusammenhängt mit der Quellenforschung. 4
Die Titurelbruchstücke enthalten die Vorgeschichte der Sigunenhandlungdes Parzival. Es war der Plan Wolframs, die früheren Schicksale der Sigune
1 Stosch, ZfdA. 32, 471; Behaghel, Germ.34, 488; Burdach, Reinmar S. 126; Leitz-mann S. 153—55; Helm S. 201.
2 Lachmann S. XXIX.
3 MüLLENHOFF,ZfdA.18,297; Stosch, ebda25, 189—207; Domanig, Parz.-Stud. 1, 32f.;
Deutsche Literaturgeschichte IH 19
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Heinzel, WSB. 130,24—26; bes. Leitzmann,Beitr. 26,128ff., Lit. S. 140; Franz S.41—52.— K. Jauker, Üb. d. chronolog. Behandlungdes Stoffes in d. ep. Ged. W.s v. E. usw.4 Heinzel, WSB. 130, 2. 24 ff. 81; Hagen,ZfdPh. 38, 237.