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Die erzählende Dichtung
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d. Ambraser Heldenbuchs v. J. 1507, jetzt in Wien, die ersten 68 Strophen; 1, Der jüngereTiturel, in den die alten Bruchstücke, aber mit Zäsurreimen, verarbeitet sind (Str. 476—779.1140—88 Hahn). Die Überlieferung 1 ist recht ungünstig, auch die Grundhss. G und bes. dasnoch öfter willkürlich ändernde M haben den Urtext nicht genau bewahrt, die Reihenfolge derStrophen ist gestört, bes. empfindlich bei 78. 81. 79. 80. 82, und mehrmals verschieden; auchin Einzelheiten weichen G u. M vielfach voneinander ab. I steht näher zu M als zu G, aber die.Strophen haben großeÄnderungen erfahren. Die Hauptunterschiede liegen im Strophenbestand:in G fehlen die 5 nicht zäsurgereimten Str. 30. 31. 36. 53. 82 a (Lachmann, Martin, 82 a beiLachmann S. 404 Anm. = Str. 61), sind aber wohl echt und erst später in ein Manuskript Wolf-rams eingefügt worden, etwa am Rand oder auf eingelegten Zetteln. Sie stehen in M (30 u. 53fehlen in Lücken von M, waren aber ursprünglich in M enthalten, Leitzmann, Beitr. 26, 97)und stehen auch in H (82 a fällt nicht mehr in die Tit.strophen von H) und in I (hier sinddie Zäsuren der beiden ersten Zeilen entsprechend dem metrischen Schema des jung. Tit.gereimt). M, H u. I wären dann aus dem späteren Manuskript Wolframs, das die 5 Strophenzufügte, abgeleitet. — Nun stehen aber in M, übereinstimmend mit (H) I, gegen G auch6 Strophen mit Zäsurreimen in den beiden ersten Versen: Lachmann, Martin 33.34.78 a —78 d(Martin, bei Lachmann S. 403 f. Anm. = Str. 56—59 b ). Diese rühren offenbar nicht vonWolfram her, vermutlich hat sie der Dichter des jung. Titurel (I), der ja den Zäsurreim inseinem Werke durchgeführt hat, abgefaßt und die Vorlage von MH (= Z, M u. H habenauch gemeinsame Fehler, wodurch die gemeinschaftliche Quelle Z bezeugt ist) hat diesezäsurgereimten Strophen aus I entnommen (weniger wahrscheinlich ist der umgekehrte Fall,der Verfasser von Z habe diese 6 Strophen gemacht und I habe Z als Vorlage gehabt). 2
Was aber ist der Grund, weshalb Wolfram den Roman nicht fertig stellte? 3Es mochten mehrere hindernde Bedingungen zusammengewirkt haben. DerTiturel war für ihn eine selbstgewählte Nebenarbeit, die er im wesentlichennach eigenem Plane ausbauen mußte und durch das gezwungene Versmaßwurde die Aufgabe noch mehr erschwert. Zu solcher Arbeit mochte ihm zeit-weilig die nötige Muße und wohl auch die Lust gefehlt haben. Welche tat-sächlichen Hemmungen in seinem bewegten Leben die Vollendung durch-kreuzten, ob der Tod ihr ein Ziel setzte, wir wissen es nicht.
Das Zeitverhältnis des Tit. zu den beiden andern Werken Wolframs istumstritten, 4 aber da der Inhalt den Parzival voraussetzt, so müssen die Bruch-stücke nach diesem entstanden sein. Und endgültig auch nach dem Wille-halm, denn dreimal sind im Tit. Namen und Verhältnisse genannt, die Wolf-ram erst im Willehalm erwähnt und die ihm zur Zeit der Arbeit am Parzival
1 Lachmann S. XXVI ff.; Haupt, ZfdA. 4,396 f. u. 13, 384; Zarncke, Der GraltempelS. 420—29; Ders., Beitr. 7, 602-09; Her-forth, ZfdA. 18, 293 f.; Stosch, ZfdA. 25,189—207. 26, 145-49; Leitzmann aaO.;Erich Franz, Beitr. z. Titurelforsch., Gott.Diss. 1904, dazu Martin, Anz. 30, 222—24;Singer, Prag, dt Stud. 8,310f.; Ludw. Poh-NERT, Kritik u. Metrik von W.s Tit., ebda 12.Heft, dazu Martin, Anz. 34,111—13, Leitz-mann, ZfdPh. 41, 535 f.
2 Bartsch hat aus dem jung. Tit. noch zweiweitere Bruchstücke (von 30 u. 32 Strophen)ausgezogen, die er für Bearbeitungen ausWolframs Tit. hielt, Germ. 17, 1—37, und hatdiese in seiner Ausgabe Bd. 3, 244—51 u. 263
—71 mit Tilgung der Zäsurreime veröffent-licht, ebenso ihm folgend Piper in seiner Ausg.Aber es liegen keine genügenden Anzeichenvor, daß diese 2 Stücke wirklich zu WolframsTit. gehörten, s. bes. Leitzmann, Beitr. 26,107 ff.
3 Pfeiffer, Germ. 4, 301 ff. u. Freie Forsch.S.85ff.; Panzer, Lbl. 1898,123; Leitzmann,Beitr. 26,145.
4 Lit. bei Leitzmann S. 145ff.; nach 1901:Helm, ZfdPh.35, 196—203; Martin II S.XIVu.Anz.30,224; Franz S. 41 ff.; Singer S.21;Schreiber S. 180ff.; Richey S. 84f.; Blöte,Anz. 44,25; L. Wolff, ZfdA. 61,191. — Helmu. Wolff setzen den Tit. zwischen B. VIII u.IX des Willehalm.