§ 43. Wolframs Willehalm. § 44. Wolframs Titurel 287
Kitzinger Bruchstücke der Schlacht von Alischanz. 1 Etwa 700 zu-sammenhängende, aber zum Teil verstümmelte Verse einer Bearbeitung derfranz. Bataille d' Aliscans sind erhalten in vier zu Falzen zusammengeschnittenenPergamentblättern vom Ende desl3. oder Anfang des 14. Jh.s, gefunden im Stadt.Archiv zu Kitzingen, bair. Unterfranken. 2 Die Übersetzung, wahrscheinlich vomAusgang des 13. Jh.s, ist ein Auszug aus dem franz. Original (das Bruchst. fälltin die zweite Schlacht bei Aliscans) und unabhängig von Wolframs Gedicht.Die Darstellung des seltsamen Machwerks ist höchst ungewandt, die Formganz roh. Der Verfasser denkt in Prosa und hat, wie es scheint, so etwas imSinn wie die Tiradenreime seiner franz. Vorlage und zwar solche der älteren,freieren, assonierenden Art. Er reimt meist zwei, aber auch drei oder mehrVerse, wobei es fast nur auf gleichen Klang der Vokale ankommt, ob lang oderkurz ist einerlei (dabei oft ä dialekt. > ö), und zwar am häufigsten mit a, ä,seltener mit andern Vokalen. Dabei befindet er sich in äußerster Reimnot. Erstoppelt die Reime oft nur rein mechanisch zusammen, indem er an den Schlußdes einen Verses ein dare, an den des andern ein gare anhängt, oder auchdö:sö; manchmal läßt er für ganze Versreihen die Reime überhaupt weg. DerVersbau ist sehr unregelmäßig. 3
Über die Ergänzungen von Wolframs Willehalm, die Vorgeschichte von Ulrichv. d. Türlin, die Fortsetzung von Ulrich v. Türheim und den Einschub vonClaus Wisse und Philipp Colin s. oben S. 224.
§ 44. Wolframs Titurel
Lit. (Ausg. s. oben S. 213): Panzer S. 15 f.; Piper 1, 133ff. — Bartsch, Einl.S.XIVf.;Martin I S. XLVI. II S. XXXV-XXXVII. XLIX. Pfeiffer, Germ. 4, 301—08 und FreieForsch. S. 85—93; Domanig, Parz.-Stud. 1, 1888, vgl. Lucc, Anz. 6, 152—55, auch San-Marte, ZfdPh. 15, 389 ff., Kinzel, ebda 11, 126—28, dazu Domanig, ebda S. 486 f.; Ders.,Die Kultur 1911 S. 278ff.; Leitzmann, Beitr. 26, 93 ff.; Hagen, ZfdPh. 38, 236f. — Zarncke,Der Graltempel, Abh. d. Sachs. Ges. d. Wissensch. VII Nr. V, 1876; Borchling, Der jung.Titurel.
Hss. G, die alte Hs. d. Parz. in München Cgm. 19, Abdr. von Piper, Nachtr. z. alt. dt. Litt,in Kürschners dt. Nat.Lit. Bd. 162 [1897], 352—66; M, München, Bruchst. 8 Perg.streifen, diezu 2 Bll. gehören, u. 1 Bl., 13. Jh., gefunden u. hgb. v. Golther, ZfdA. 37, 280—88; H, Hs.
1 Lit.: Panzer S. 34. — Suchier, BartschsGerm.Stud.1,134—58.316; Leitzmann, Prag,dt. Stud. 8,387-99, wo beide Male Lit. Ueb.die handschriftl. Vorlage s. Bacon S.9. 131 ff.Facs. Petzet u. Glauning III. Abt.
2 Zur Gesch. der Bruchstücke: die Blätterwaren zu Falzen an eine Hospitalrechnung v.J. 1613 verwendet. In der ersten Hälfte des17. Jh.s wurden in Ostfranken auch d. Renner-hss. W b u. X zu Einbandzwecken zerstört, vgl.Hugos v. Trimberg Renner, Lit.Ver. Bd. 256S.47. 106 f.
3 Die Sprache ist gemischt aus überwiegendhochdeutschen m. nordmittelfränk. (nordripua-rischen) Formen, u. zwar befinden sich unterden hochd. Bestandteilen ausgesprochen ost-fränk. Mundartlichkeiten. Eine sichere Ent-scheidung über die Heimat des ursprüngl. Ge-
dichtes ist wegen der Unreinheit der Reimeschwer zu treffen. Die früher herrschende An-sicht (Suchier) sprach sich für Mittelfrankenaus, eine neuere ist für Ostfranken (Leitz-mann). Zu ostfränk. ou für o (LeitzmannS. 391 f.) vgl. jetzt Zwierzina, Festg. f. Luick1925S.122ff.: ostfränk. age}auge, oge)ouge.Der ostfränk. Schreiber der Würzburg. Hs. vonHerborts Trojanerkrieg hat diese Dialektformenoft in seine Abschrift des hessischen Originalseingemischt (s.Zwierzina S. 123 f.). Darf mandiesen Fall als Analogie beiziehen, dann wür-den ebenso die ou der Kitzing. Bruchst. erstvon dem ostfränk. Schreiber eingesetzt wordensein u. das Original wäre nordmittelfränk. ge-wesen (vgl. auch bllscepe, quätic, SuchierS. 138).