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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

weiß nicht) wie jenez leben erget: alsus diss lebens orden (Ordnung) stet.Wer zu aller Zeit in Freuden fährt, dem ward nie innere Ruh' beschert; 1ja sol diumanltch arbeit werben liep unde leit, mannhafte Pflichterfüllung indem Mut, der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen, ist das sittliche Gesetz fürden Ritter. Ouwe vreade, din gewin git an dem orte (am Ende) smcehen Ion167,18; gelücke ist sinewel (rund) 246, 28 (8, 19); Stimmung ferner 7, 1.8, 423. 12, 13. 246, 29f. 259, 26. 446, 2f. 447, 7. 448, 16f.

Die künstlerische Form, sowohl den ,dunkeln' Stil als die maßvolle Frei-heit in der Verskunst, in Rhythmus und Reim, hat Wolfram aus seinemParzival übernommen. Hier, Wh. 237,314 spottet er humoristisch über seinkrummes Deutsch" und über seine französischen Kenntnisse. Die sprachlicheAusdrucksform ist dem in Gegensätzen Christen und Heiden sich be-wegenden Inhalt entsprechend stark antithetisch stilisiert.

Anhang. Bearbeitungen von Wolframs Willehalm. Wolframs Gedichterhielt sich, wie die vielen Handschriften bezeugen, durch die Jahrhunderte.Im späteren MA. wurde es dem neuen Geschmack angepaßt und in Prosaaufgelöst. Die Prosabearbeitung (das Volksbuch) 2 ist in einer ZüricherPapierhs. des 15. Jh.s, einer Sammelhandschrift meist prosaischer Unter-haltungs- und Erbauungsliteratur, überliefert. Sie enthält die Geschichte desheil. Wilhelm nach den drei Gedichten Ulrichs v. d. Türlin, Wolframs und Ul-richs v. Türheim. Der Umarbeiter war ein Geistlicher, der seine Vorlage öftergeändert hat durch religiöse Zusätze oder durch Besserungen von unklaren undnachlässigen Stellen oder auch aus Mißverständnis. Das höfische Gewand istabgestreift, das poetische Pathos der Verse ist in einer kunstlosen natürlichenSprache abgetöntundeinegewisseTreuherzigkeitsprichtunmittelbarzum Gemüt.

Eine lateinische Übersetzung des Eingangs von Wolframs Willehalmhat Lachmann S.XLII f. abgedruckt (letztes Blatt einerMünchn. Hs. des 13. Jh.s,offenbar von dem Verfasser des lat. Stückes selbst geschrieben). Es sind 60Hexameter, einige paarweise gereimt, mehrere, bes. am Schluß, mit Reimender Zäsur auf das Versende (leoninische Hexameter). Sie entsprechen V. 124von Wolframs Wh. Die fließende Übersetzung folgt dem deutschen Text genau.Es ist wohl ein Versuch, eine sprachliche Übung, beweist aber doch das Interesseder Geistlichen an der Legendendichtung der großen deutschen höfischen Epiker(vgl. die Übersetzung von Hartmanns Gregorius durch Arnold v. Lübeck). 3

1 Ruhe, gemach nach der Konjektur vonLachmann S. 553, vgl. Singer S. 90 f.; dieHss. lesen ungemadi (so auch Leitzmann,Ausg.H.VS.lVu.10), daswürde bedeuten: werständig in Freuden lebt, der füllt nicht dasganzeu.wahre Leben aus, das aus freude undfingest besteht 281, 30.

2 Suchier, Germ. 17,35557; Ders.,Ueb.d.Quelle Ulrichs Wd. Türlin 1873 S. 12 f. Ausg.:Bachmann u. Singer, Deutsche Volksbücheraus einer Zürcher Hs. d. 15. Jh.s, Lit.Ver.185S. XXXVII-XXXIX und 139-64; Singer,

Willeh. von Ulr. v. d. Türlin, Prag 1893, S. VI.3 Einige Male hat der Uebersetzer den deut-schen Text falsch aufgefaßt: der rehtensdirift15 ist wiedergegeben mit gressus justorum29, wo offenbar sdirift mit sdirite verwechseltist; in lat. 3033 = Wh. 1822 ist WolframsCharakter falsch verstanden: Wolfr. schätzt dieGelehrsamkeit gering und ist stolz auf seindichterisches Genie, derUebersetzer meint um-gekehrt, W. entschuldige seine Unkenntnis,weshalb allein der Geist sein Lehrmeister sei.