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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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281
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§ 43. Wolframs Willehalm 281

Lohnungen, von Gott und von den Frauen (im Schwertsegen 299, 1330,auch 303, 1015).

Der geistige Streit zwischen Christen und Sarazenen beruht in der Ver-schiedenheit der Religionen. Dieses Thema wird ausgeführt in dem Glaubens-gespräch zwischen Gyburc und ihrem Vater Terramer in den Eingängenvon B. III und V, die inhaltlich zusammen gehören, = 107, 13110, 30und 215, 10221, 27. Es ist eine Disputation zwischen Christ und Heideüber die bessere Religion. Der religiöse Standpunkt ist stärker dogmatisch-theologisch als im Prolog des Parzival und in der Belehrung des Trevri-zent, die mehr auf das gemeinverständliche Empfinden wirken. Der Heiden-könig führt die bekannten Gründe gegen das Christentum ins Feld: der ansKreuz gehangene und wieder auferstandene Gott Jesus (Jesus ist ein Zauberer357, 23), das Unglaubhafte der Trinität, der Magdgeburt, Jesus als Brecherder Höllenpforte; die Christen als Säufer und Luderer 44, 1019. Aberdie Macht des Christengottes wird von dem heidnischen Widersacher dochbewundert 107, 1324. Gyburc sucht ihren Vater zu widerlegen durch eineHeilsgeschichte von der Schöpfung an wobei die gleichen Gedanken wieim Prolog 2, 115 etwas weiter ausgeführt werden bis zur Erlösung 219,13. Aber diese Verteidigerin des Christentums kennt noch ein anderes Ge-bot als das des Glaubens, das sie noch stärker bindet, das ist der Willeihres Mannes. Die Überzeugung von der höheren Wahrheit des Christen-tums ist unzertrennlich von der Hingebung an ihren tapferen Gatten: ickdiente im and der hcesten hant 215, 16216, 3. 220, 130. Auch hierder Humanismus des Rittertums.

Den ethischen Höhepunkt des Gedichtes bildet die große ToleranzredeGyburgs 306, 1310, 30. In ihr hat Wolfram seine Überzeugung von dersittlichen Grundbedingung des religiösen Empfindens niedergelegt. Esist seine Konfession, sein Humanitätsideal. Nachdem die Herren im Fürsten-rat sich politisch über Ursache und Fortsetzung des Krieges besprochen,erhebt Gyburc ihre Stimme ebenfalls für den Kampf um die christlicheEhre und für die gefallenen Glaubensgenossen. Aber sie stellt den Kriegunter eine höhere Gesittung, unter die schönste sittliche Macht, die Barm-herzigkeit: schönt der gotes hantgetät 306, 28 (vgl. 253, 611). In scho-lastischer Methode, aus der Bibel und der Glaubenslehre, beweist sie diesenSatz. Die stärkste Begründung folgt am Schlüsse: er ist der Gott der minne,der triuwe und der helfe, den Trevrizent dem verzweifelnden Parzival lehrte,den alle Kreatur bedarf. Und wieder kommt Wolfram dann auf das großeWunder des Weltalls, die Planeten, die den Himmel durcheilen und die ganzeNatur mit Leben erfüllen, daß die Bäume wieder im Safte schwellen undim Maien die Blumen aus der wiedererwachten Erde sprießen. Das ist dieMahnung, die die christgewordene Heidin ihren neuen Glaubensgenossenin den Vernichtungskampf mitgibt. Und in dem Geist versöhnungsvollerMenschlichkeit schließt die große Tragödie: mit ritterlichem Edelmut preist