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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 43. Wolframs Willehalm 279

werben 338, 9 ff. u. ö., nach der gote löne 349, 16. 351, 20, der wlbe Ion342, 16 ff. 344, 26 u. ö. Die Heiden finden ihren höchsten Ruhm, alsFrauenritter zu kämpfen 24, 47. 25, 1417. 26, 69 u. ö. Selbst derheidnische Küchenknecht Rennewart erstrebt eine wert ämie 193, 26. Diebeiden Gegenparteien der Christen und Heiden werden sich geradezu alsGottesstreiter und Frauenritter gegenübergestellt:' prächtige Gewänder trugendie Heiden, die ihnen ihre Freundinnen sandten, die Getauften, die gotessoldiere, streben nach dem ewecltchen prise 19, 1729 und bes. noch339, 30359, 30. Die Heiden sind Diener der Welt, sie haben die glän-zenden Tugenden des weltlichen Ritters, sind tapfer und edelmütig, reichund prachtliebend und erwählte Minnediener, sie halten an ihrem Glaubenund ehren ihre Götter, den heiligen Tervigant, Mahumet und Apolle undKahun. Aber sie werden von ihnen betört 110, 2430. 352, 14 und er-werben den zwiefachen Tod, des Leibes und der Seele. Ihr Gott Tervigantist schuld, daß sie zur Hölle bestimmt sind 20, 1012: so findet Wolframin ihnen das reine Menschenbild, er entschuldigt sie und beklagt ihr Los,daß sie durch eine höhere böse Gewalt ins Verderben gezwungen sind. Daßsie nichtgetauft" sind, ist doch ein Hindernis für ihre unbedingte Wert-schätzung, dadurch sind sie von vornherein minderwertiger als die Getauften,z. B. 191, 1518. Moral und Religion fallen zusammen.

Minne soll wäriu trluwe sein 15, 16. Die reinste Minne auf Erden istdie zur eigenen Frau, ist die eheliche Liebe, und ihre schönste Verklärungin der mittelalterlichen Literatur hat sie in Wolframs Willehalm gefunden. Imseligen Besitz der Treue seines Weibes kann Willehalm auch die schmerz-vollsten Leiden ertragen, Gyburc ist seine Trösterin und Kampfgenossin unddas Weib selbst wächst in Gottesliebe und Gattenliebe zur Heroine. Ihmist seine Frau die süeze ämte 39, 630. 63, 20. 162, 10163, 10, in ihrenRat legt er ihr beider Schicksal 95, 996, 6. 103, 68, und treu hält erihr das Gelöbnis, bis zu ihrer Befreiung aller Freude zu entsagen und einAsketenleben zu führen 104, 1105, 13. 133, 1 ff.

Der christliche und der weltliche Ritter sind keine Gegensätze, sondernnur zwei Wertstufen der gleichen sozialen Richtung, ein höheres und einniedereres Rittertum. Das Gedicht ist ein Erbauungsbuch für den Ritter-stand, in dem die Gottesverehrung und zugleich weltliche Ehre und Zuchtgelehrt werden. Der alte Heimrich gibt seinen Söhnen praktische Maßregelnmit auf den Lebensweg 5, 25 ff. (Aufzählung von Rittertugenden 87, 1621.368, 1719) und in dem Schwertsegen 299, 13302 w j r d au ß e r dem inder kirchlichen Formel geforderten Schutz der Witwen und Weisen auchder dienst nach der wlbe Ion eingeschärft. Das ist nicht mehr der kirch-liche Typus des christlichen Ritters, sondern der auch auf das weltlich-

1 Diese starke Hervorhebung des Minne-dienens bei den Arabern bzw. Sarazenen istbei der Frage nach der Entstehung des Minne-

wesens mit zu berücksichtigen, vglS.U. 14.33. 86f.2 Petersen, Joh. Rothe S.161.

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