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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 43. Wolframs Willehalm

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weglichkeit in der Gedankenverknüpfung. Er schafft mit dem stilistischenMaterial seines Parzival, Schritt auf Schritt trifft man Anklänge an diesen,Bilder, Wendungen. Auch zur inhaltlichen Schattierung hat er Farbentönegeliefert: Feirefiz gibt Züge ab für Rennewart (Sing. S.72), Josweiz ist nachseinem Muster schwarz und weiß geteilt 386, 1 ff. (Sing. S. 112); der Dümm-ling Parzival und der Küchenknecht Rennewart gleichen sich schon im Typus.Näher verwandt aber im Sagenkern und in der ganzen szenischen Vorstel-lung ist der Wh. mit dem Rolandsliede, und dieses hat dem Dichter dennauch sehr oft im Gang der Handlung und auch schon im Prolog vorgeschwebt.Der Glaubenskrieg Willehalms ist gleichsam als eine Wiederholung von Karlsund Rolands großen Taten aufgefaßt. Für die dogmatische Grundlage einerreligiösen Überzeugung bot ihm aber das Rolandslied unmittelbar keinenAnhalt, die Zwiesprache zwischen Gyburc und ihrem Vater erhob er zu einemGlaubensbekenntnis und zur Begründung der Wahrheit gegenüber der Ver-blendung der Heiden nach dem Muster der Religionsdisputation in derSilvesterlegende der Kaiserchronik (107, 1322 und 110, 2130. 215,10221, 27. 306, 29-309, 30, Sing. S.43-45. 78f. 96f.). Nur stilistischeBedeutung haben die nicht seltenen Anklänge an Veldeke (minen meister76, 25 f.), wichtig dagegen für Wolframs gelehrtes Wissen ist der Nachweis,daß er den deutschen Lucidarius benutzt hat (35,1217, Sing. S. 17).Mehrfach sieht man ihn von der geistlichen Literatur beeinflußt (Marien-klage und die Totenklage auf Vivianz 60, 21 ff., Sing. S.27f.); seine Neigungzum Volkstümlichen ist bekannt (Heldensage 384, 2030. 439, 16 f., Sing.S.55. 122. 124). Bedeutungslos sind die Bezüge zum Erec und Iwein (Sing.S. 86. 96. 109. 110) und, vielleicht, zum Alexanderlied, Herzog Ernst, Ni-belungenlied, Albrecht v. Halberstadt, Herbort v. Fritzlar (Sing. S.55. 87. 110.114. 125); auf Walther (her Vogelweid von braten sanc 286, 19), Neidhart(312, 1214, Sing. S. 92. 97 u. ob. S. 221 f.).

Persönliches: Selbstzitierungen mit ,ich' sind sehr häufig. Lokale Bezugnahmen (s. obenS. 215): Sand, Spessart, Kitzingen (oder Kissingen?), Beratzhausen, Nördlingen, Schwarzwaldund Virgunt, Bodensee, Bozen, Aachen, Rhein und Rhone, Wizsant und Stire. Personen:Landgraf Hermann 3, 8f. (machte ihn mit der Quelle des Wh. bekannt), 417, 2230 (Preisseiner Freigebigkeit). Historische Anspielungen: Otto IV. 393, 30394, 5 (Kaiserkrönungin Rom); Weif 381, 26f. (seine Schlappe vor Tübingen). 1 Wie im Parzival hat W. auch imWillehalm seine innere Art stark hervortreten lassen. Das Ichbewußtsein der Persönlichkeitsteht in Lapidarstil am Eingang vor der Erzählung: Ich Wolfram von Eschenbach 4, 19.Mit Künstlerstolz sieht er auf die Buchgelehrsamkeit herab (s. oben S. 218). Das ganze Werkatmet seinen eigengearteten Geist, im Gehalt und in der Form. Auch einzelne Züge ent-springen dieser Gemütsnähe: gelegentlich in der Erzählung denkt er an seine Kinder 11,22-24.33,2426 (152, 14), an seine Armut 376, 11 f.; er äußert seine Teilnahme an demLeiden seiner Helden 13, 2130. 23, 15f. 48, 28-30. 111,30112, 2. 400, 8; seine Achtungauch vor der Tüchtigkeit der niederen Leute 428, 3f. (Sing. S. 121 f.); sein Nationalstolz: ir

1 Der Ausfall gegen Chrestien 125, 2023,als ob dieser die frz. Chanson verfaßt habe,scheint in das Kapitelfabulistische Quellen-angaben" zu gehören. Er tadelt ihn wegen

einer Kleinigkeit. Der Zweck dieser Polemikist nicht ersichtlich, da ja die Chanson mit Chr.nichts zu tun hat. Ist es ein bloßer Scherz?Absichtliche Irreführung?