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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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275
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§ 43. Wolframs Willehalm 275

Inhalt sind Empörungen und Kämpfe der Großen des Frankenreichs gegendie Krone zur Zeit der Merowinger und der späteren Karolinger. Der schwache,willenlose König ist im Wh. Ludwig d. Fromme, der Karies sun Löys, Wh.354, 3.

Die erste Stufe der Dicntung ist das epische Lied, das unmittelbar oderbald nach dem Ereignis entstand, die zweite das Epos, das verschieden-artige Berichte und Motive vereinigte. Dieses Nationalepos, die Chanson degeste (geste = [res] gesta, geschichtlich Geschehenes) ist eine Schöpfungder nordfranzösischen Spielleute, Si. Jongleur (afrz. .jouglere, jougleor = lat.jocularis, joculator), die es seit dem 12. Jh. zu reicher Blüte entfalteten.Abgefaßt sind die Chansons in der volkstümlichen, epischen Form der Tiraden,in ungleichen Strophen von 10- bzw. 11 silbigen assonierenden Versen. DieNationalepen zerfallen in drei Gruppen, Karlssage, Adelskämpfe, Guillaumed'Orange. Die umfangreichste ist die Wilhelmsepik, der Zyklus von Guill.d'Or. (auch G. Fierebrace, G. au court nez genannt) oder Geste de Garinde Monglane, ein Kreis von ca. 20 Epen (Zweige, branches), die die Vor-geschichte, Jugend, Kämpfe, Mönchsleben Guillaumes und die späteren Er-lebnisse des Rainouard (Rennewart) erzählen. Im Mittelpunkt steht die Batailled'Aliscans, die Schlacht, durch die Wilhelm Südfrankreich von den Sara-zenen befreite. Der Platz, auf dem die Schlacht stattfand, Aliscans (Elysiicampus) war eine römische, dann altchristliche Gräberstätte bei Arles an deruntern Rhone, wo viele Steinsärge, die z. Teil noch heute vorhanden sind,gefunden wurden: daran knüpfte sich die Sage, es sei hier eine große Sara-zenenschlacht geschlagen worden; vgl. Wh. 259, 412. 357, 1630. 386,6 f. 394, 2025. 437, 2025.1

Quelle. Diese franz. Chanson de geste von der Bataille d'Aliscans istdie Quelle von Wolframs Willehalm, 2 aber er hat eine andere Fassung vorsich gehabt als die, welche uns in den erhaltenen Hss. überliefert ist, dennsein Text enthält oft Stellen, die er in der uns bekannten Fassung nicht vor-fand und die doch aus einem franz. Original der Chanson d'Aliscans stam-

1 Liebrecht, Gervasius v. Tilbury S. 42 f.149.153f.; SAN-MARTE,Wilh.v.OrangeS.31ff.;Bacon S. 107 ff.; Bernhardt, ZfdPh. 32,56 f.;Singer S.86; Palgen, Beitr.44,216; Schrei-ber S. 49.

2 Quelle: Panzer S. 32. Ausg. der frz.Bat. d.'Alisc.: Jonckbloet aaO.; Gust. Rolin,Alisc. mit Berücksichtigung v. W.s v.E. Willen.krit.hgb.,Leipz.l894; E. Wienbeck, W. Hart-nacke, P. Rasch, Halle 1903. San Marte,Ueb. W.s v. E. Rittergedicht Wilh.v. Orange u.s. Verhältn zu d. altfrz. Dichtungen gleichenInhalts, 1871; Suchier, Ueb. d. Quelle Ulrichsv. d. Türlfn 1873 S. 3941; Saltzmann, W.sv. E. Willen, u. s. frz. Quelle, Progr. Pillau1882.83, dazu Arch.71, 225, Paul, Lbl. 1884,351 f.; Seeber, Ueb. W.s Wh., Progr. Brixen1884, dazu Arch. 73,448, Khull, Zfösterr. Real-

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sch. 1885; Genelin, Unsere höf. Epen S. 3038; Lichtenstein, Beitr. 22, 59 f.; E. Bern-hardt, Zum Wh.W.sv.E., ZfdPh. 32,36-57;Johanna Maria Nassau Noordewier, Bij-drage tot de beordeeling van den Willehalm,Groninger Diss., Delft 1901, dazu Bernhardt,ZfdPh. 34, 54249; Susan A. Bacon, Thesourceof W.s Willeh., Spracheu. Dichtung. H.4(Lit. S. 3 -10), dazu Blöte, Anz.36,14547,Leitzmann, ZfdPh. 45,303 f., Helm, Lbl. 1914,109, Frantzen, DLz. 1911,316971, Piquet,Rev. germ. 7, 358 f. u. Rev. crit. 71, 349 f.,Minckwitz. Rom. 40, 46264, Schönbach,Allg. Lbl. 20,625f.; M. J. Minckwitz, Encorele Willehalm de W. v. E., Rev. germ. 9, 3665;Singer, W.s Willehalm (maßgebend); Palgen,Wh., Rolandsl. u. Eneide, Beitr. 44,191241.