§ 43. Wolframs Willehalm 273
d) Die zweite Schlacht von Alischans. B.VII Vorbereitungen zur Schlacht. DieMutlosen bringt Rennew. um, andere ermutigt er 324, 8.
B. VIII Die Schlacht.
B. IX Fortsetzung und Ende der Schlacht. Wh. und Rennew. vollbringen Wunder derTapferkeit. Sieg der Christen. Wh.s Klage um den vermißten Rennewart 452, 15, um dieGefallenen 459,21. Schluß 461, 23—467,8: Wh., großmütig gegen den Führer der gefangenenHeiden Matribleiz, läßt die heidnischen Toten begraben und gibt ihm Geleite zur Heimfahrt.
[Hier bricht Wolframs Gedicht ab. In der franz. Quelle kehrt Rainouart nach Orange zurück.Guiborc erkennt in ihm ihren Bruder, er erzählt seine Schicksale, wird getauft, zum Rittergeschlagen und erhält die Königstochter Aelis, Guillaumes Nichte, zur Frau.]
Komposition und Stoffteile. Die Ereignisse entwickeln sich in folgerichtigem Auf-_bau. Sie sind in ein symmetrisches Schema eingeteilt: A. Die erste, verlorene Schlacht beiAliscans, der tragische Held: Vivianz, B.I.II.B.a) Zwischen den Schlachten, Wh. am franz.Hof, B. III. IV. b) Wh. in Oransche, Ruhepause, B. V. VI. C. Zweite, siegreiche Schlachtbei Aliscans, der komische Held: Rennewart, B. VII. VIII. IX. Der Bau ist nicht wie in einemArtusroman episodisch, eine Aneinanderreihung von Abenteuern, sondern organisch ent-wickelt in historischem Zusammenhang der Teile. Innerhalb des äußeren Gefüges der dreiTeile sind die einzelnen Bestände geordnet, in denen sich das ganze, in dem Gedicht ge-staltete Leben entfaltet. Da der Kampf zwischen Christen und Heiden den Inhalt ausmacht,so ist dieser verteilt auf Spieler und Gegenspieler, wobei das Hauptinteresse weit überwiegendauf der befreundeten Partei ruht.
Das sagenbildende Grundmotiv liegt in den beiden Schlachten bei Aliscans,nach anfänglicher Niederlage der endgültige Sieg. Es sind die heroischenPartien, abwechslungsweise Scharenschlachten und Einzeltjoste, Verwandten-kämpfe (12, 9. 117, 27—118, 26. 442, 19—23), Aufzählung der Helden,Beschreibung von Rüstungen. In ihnen kommt die Grundidee des Gedichteszum Austrag, der Kampf zwischen Christentum und Heidentum. In diesen ÄGrundstock spielt eine sagenhaft-historische Nebenhandlung hinein, der Ver-wandtenzwist B. III und IV, der aus der Vassallensage stammt. Aus beidenhistorischen Momenten setzt sich ein weltgeschichtliches Bild zusammen,bestehend in Kriegsereignissen und in politischen Verhandlungen (B. III. IVVI, 296, 25—304, 5. VII 339, 30—359, 30). In den historischen Gesamt-grund ist eine Familiengeschichte hinein verwoben, ein Entführungs- ^und Eheroman, der eine besondere Wesenswirksamkeit dadurch erhält, daßer in den Widerstreit der religiösen Mächte eingreift und den Sieg des Christen-tums, der durch Heldenkampf errungen wird, auch im familiären Lebenbekundet.
Die geschichtliche Grundlage. Der Willehalm, Wolframs zweites großesEpos, ist ein Lied vom Kreuzrittertum, eine Verherrlichung der Gottesstreiter.Vom Artusroman des Parzival, der in der frei schaffenden Märchendichtungseinen Urkeim hat, wandte er sich zu der historischen Legende des heil.Wilhelm. Es sind verschiedene Entstehungsbedingungen, dort wurden Phan-tasiegebilde in die ritterliche Standesanschauung eingekleidet, hier schaffenWirklichkeiten ritterlichen Lebens eine feste Grundlage. In Wolframs Welt-anschauung liegen sie nicht getrennt, sie haben einen gemeinsamen Ur-sprung in der ihm eigenen, religiös betonten Menschheitsform.
Deutsche Literaturgeschichte III 18