§ 42. Wolframs Stil und Metrik
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sagt, als mir diu äventiure saget u. a. Wolfram denkt sich sein zuhörendes Publikum vorsich, daher die zahlreichen Wendungen an die Zuhörer: des Sit gewis, geloubet mir, Auf-forderung zur Aufmerksamkeit: nü sult ihr hären, seht wie, ich sage iu wie 1 u. a.; Er-innerung an schon Gesagtes: ir habt gehceret e; Abbrechen der Erzählung: die rede lätsin ; Aufforderung zur Teilnahme an den Personen der Erzählung: nujehts im niht ze schänden445, 2; niemen sol des lachen. Rhetorische Fragen: wer solle se drumbe prlsenl 538, 1,waz möhte in liebers sin gescheht 567, 28.
In der bildhaften Sprache, Metapher, Bild, Vergleich, Personifikation, liegt die eigent-lich sprachschöpferische Kraft Wolframs, die in einer regen Beobachtung der Umwelt be-gründet ist und in einem phantasievollen Einfühlen in die Dinge. Ein weiter Kreis vonNatur- und Lebensgebieten befruchtete sein gegenständliches Bewußtsein. Auch hier spürtman, wie nahe Wolfram dem Leben in seinen manchfaltigen Erscheinungsformen stand.Besonders in seinem eigensten Tätigkeitsgebiet, dem Rittertum, bewegt sich seine Bildvor-stellung. „Er verrittert das Universum." Lebens- und Seelenbewegungen stellen sich ihmals ritterliche Vorgänge dar, entsprechend seinem Apperzeptionsmittelpunkt .Schildes ambetist mm art".
Die bildliche Ausdrucksweise 2 besteht zum größten Teil aus einzelnen Wendungen, beidenen das Metaphorische mehr nur Umschreibung ist, z. B. ein würzet der güete, ein stamder diemüete (Herzel.) 128, 26; aller manne schäme ein bluomenkranz (Parz.) 122, 13; sinhöher muot kam in ein tal 195, 10; der zadel (Mangel) hüener abe in schdz 194,5; dergroteske Vergleich der Taille der Antikonie mit einem aufgespießten Hasen oder einer Ameise409, 26. 410, 11; Orgelusens Minne dringt Gawan durch die Augen ins Herz wie die herbeNieswurz in die Nase 593, 14; weit ausgesponnen ist das Bild vom Zwang der Minne, derals gegen das Herz ansprengender Reiter vorgestellt ist (her minnen druc) 533, 1.* Aus-führliche Bilder noch 57, 9. 103, 18. 128, 26. 245, 1. 252, 16. 311, 15. 613, 9. 661, 24.
In sich geschlossen und für sich selbst wirkende, den poetischen Gesamteindruck hebendeGleichnisse zu bilden liegt nicht in Wolframs dichterischer Vorstellung und Formgebung.Verhältnismäßig selten wird die Natur in ihrer beruhigenden Schönheit oder in bedräuendemSturme bildhaft geschaut (doch bes. feierlich die Stimmung in dem Nachtbilde 638, 1 ff.).
Die im vorhergehenden aufgestellten Formelemente der Umschreibungenund Bildersprache bedingen den „dunkeln" Stil Wolframs. Aber ein Gesamt-urteil muß nachdrücklich darauf hinweisen, daß der „dunkle" Stil wohl derfür sein Sprachbild charakteristische Ausdruck ist und die überragende Form-wirkung ausübt, aber keineswegs die durchgehende Grundform darstellt. Derkünstliche Zierat ist in das einfachere Gewebe eingestreut und, stärker oderschwächer hervortretend, gibt er dem Ganzen eine farbigere Abtönung. Nichtdie ganze Redeweise Wolframs ist dunkel, sie ist nur „kunstvoll geschmücktmit seltsamen Sprüchen" (Rud. v. Ems) und er selbst schränkt die Eckigkeitseines Deutsch ein durch etswä, hie und da (s. oben S. 265). Da, wo er inseine Manier verfällt, kann wohl die Einbildungskraft oder mehr noch derSpürsinn angeregt werden, aber das Herz wird nicht warm dabei. Das ist,was Gotfrid abgestoßen hat: dane gät niht guotes muotes van, dane Ittniht herzelastes an.
1 Panzer, ZfdPh.33,135ff.; Matz S. 107.
2 F0ERSTERS.43ff.; KlNZEL S. 14ff.; BÖT-
ticher S. 51 ff.; L. Bock, W.s v. E. Bilder u.Wörter für Freude u. Leid, QF. 33, dazu Stein-meyer, Anz. 7,63 ff.; K. Ludwig, D. bildlicheAusdruck bei W. v. E., Progr. Mies 1889 u.
1890; Borchling, J.Tit. S. 156 ff.; Jacob-sohn, Farben.
* Näher gen hier wie öfter im Mhd. = weiterweg gehen (Beitr. 20,69 f.), also hier = reitetfort, lenkt eure Kriegsfahrt anderswohin alszum Herzen.