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Die erzählende Dichtung
verlangt fröude, Zurückdrängen persönlicher Gedrücktheit. Die Artusleuteleiden nicht am Leben. Wie viele Beschwernisse Gawan durchzukämpfenhat, es sind doch nur größere oder geringere Hemmnisse auf seiner Jagdnach dem Glück. Aus tieferen Gründen quillt das Stimmungsleben bei denMenschen um Parzival. Die „edeln" Herzen werden durch Leiden gestärkt,oder gebrochen: Herzeloyde, Sigune, Jeschute. Aber in lebenbejahendemZusammenklang lösen sich schließlich auch hier, wie überhaupt in denhöfischen Romanen, die Widerstände auf. Am Artushof herrscht eitel Festes-freude, in Munsalvaesche aber ruht das wiedererstandene Glück in der GnadeGottes.
§ 42. Wolframs Stil und Metrik l
Wolframs Charakter findet seinen zutreffenden Ausdruck in seiner Sprache.Es entspricht seinem aristokratischen Selbstgefühl, abzukehren von dem ge-wöhnlichen Wege. Das geistige Individualitätsbewußtsein des Dichters undDenkers erhebt sich über die Verständnislosigkeit und Dumpfheit der tumben;sein grübelnder, im Geheimnisvollen tiefe Weisheit suchender Verstand klei-det die Gedanken in eine schwerflüssige Wortkunst. Diese ist nicht aus einemRingen mit dem spröden, sprachlichen Material hervorgegangen, als ob seineZunge sich nur mühsam löste, sondern sie ist ein Kunsterzeugnis, eine Manier,es ist der „dunkle" Stil. Im sinkenden Altertum kam gegen den klassi-schen, reinen Kunststil ein unklassisches, hohles Pathos auf, aus Asien, da-her Asianismus 2 genannt, mit dem die spätsophistischen Rhetoren desHellenismus ihre Reden aufputzten und wichtig machten. Der Asianismusging ins lateinische MA. über, oft gallicanus cothurnus, gallischer Schwulst
1 Panzer S. 4—6; Bötticher, Wolfr.-Lit.S. 20 ff.; Martin II S. LXIVff. — Sprache:Wimmer Ueb. d. Dialekt W.s v.E., Progr. Kalks-burg 1895 (Thüring.Einflußs. ob. S.216Antn.2).Syntax: die Nummern 60—72 bei Panzer;Behaghel, Lbl. 1891, 188, Beitr. 30, 431 ff.;Berth. Schulze, Berl.Diss. 1892; R.Radtke,
D. Artikel bei W. v. E., Straßbg. Diss. 1907; V.
E. Mourek, Zur Syntax d. mhd. Konjunktivs,mit Belegen aus W.s v. E. Parz., Sitzber. d.böhm. Ges. d. Wiss. 1910; K. Bacher, Ueb.W.s indikativische Konjunktive, ZföG. 62, 675—83; Joh. Lassen Boysen, Ueb. d. Ge-brauch d. Genitivs in d. Epen W.s v. E., Würzbg.Diss. 1910, dazu Behaghel, Lbl. 1914, 145—47; H.W.Church, The Compound pasttenses,s. ob. Veldeke; Karg-Gasterstädt S. 124 ff.;Leitzmann, 'An6 xoivov bei W. v. E., Beitr. 50,90—99, vgl. Sievers, ebda S. 99-111. —Wiessner, Ruhe- u. Richtungskonstruktion,Beitr. 26, 367-556. 27, 1—68; Ehrismann,Duzen u. Ihrzen, ZfdWortforsch. 5, 145 ff.,Bernhardt, ZfdPh.33,368ff.; Dickhoff, D.zweigliedrige Wort-Asyndeton, Pal. 45, 81 ff.— Stil (s, auch unt.Willeh.,Tit.): Lachmann,Kl. Sehr. S. 480 f.; Haupt zu Erec 2788;Pfeiffer, Germ. 6, 235-43 u. Freie Forsch.S. 94—108; P. T. Förster, Zur Sprache u.
Poesie W.s v. E., Leipz. Diss. 1874; Kinzel,Zur Charakteristik d. Wolframschen Stils, Zfd-Ph. 5,1—36; Bötticher, Ueb. die Eigentüm-lichkeiten d. Sprache W.s, Germ. 21,257—332u. SA.; Willy Hoffmann, D. Einfluß d. Reimsauf die Sprache W.s v. E., Straßbg. Diss. 1894,dazu Erdmann, ZfdPh. 28,267—69; Borch-ling, D. jung. Tit. pass.; Wolfg. Moebius, D.sprachl. Ausdrücke für Gradverhältnisse im P.,Leipz. Diss. 1898; Panzer, D. ad. Volksepos,Halle 1903; Ehrismann, GRM. 1 (1909), 664—67, Stud. üb. Rud. v. Ems S. 23—36; Fr.Dahms, Die Grundlagen für d. Stil W.s v. E.,Greifsw. Diss.1911; Singer, W.s Stil u. Stoffd. Parz., Wien. SB. 180 Abh. 4 (1916), dazuGolther, Lbl. 1918, 86-90, Schölte, Mus.27,129— 33,Baesecke, Wissensch.Forschungs-ber. 1914/17 S. 70; Stadler aaO.; Roethe,Rede S. 11 ff.; Günther Müller, Dt. Viertel-jahrsschr. 1,73; Golther, Gralb. S. 134,193—96.198; H.Brinkmann, Entstehungsgesch. d.Minnesangs, 1926, S. 150.
2 Norden, Antike Kunstprosa, Reg. S. 962;Ehrismann, Beitr. 22,313 ff., ZfdPh.33,395ff.42, 489 f., GRM. 1, 664 ff., Stud. üb. Rud. vonEms S. 24ff.; O. Mordhorst, Egen v. Bam-berg u. „die geblümte Rede", Berl. 1911; bes.Singer, Stil S. 5 ff.; s. oben Einl. S. 32.