260 Die erzählende Dichtung
des Leibes Schuld und dabei doch der Welt Huld mit Ehren sich er-halten kann, der hat nutzbringende Arbeit getan 827, 19—24, vgl. 472, lf.
/ 499, 29 ff. 782, 29 ff. Weltehre und Gottes Gnade zusammen haben, dieGunst der Menschen haben und doch sein Seelenheil bewahren, das istdas sittliche Lebensideal des in der Welt lebenden Menschen, des Laien. 1Die Charaktere. In der Gestalt Parzivals hat die höfische Dichtungfür die Idee der mittelalterlichen Seele den tiefsten und innigsten Ausdruckgefunden. Ein romantischer Zauber liegt über diesem Leben, der es selbstin seinen Wirrungen liebenswert macht. Parzival ist von triuwen komen111, 7. 140,1. 451, 6f. In sehnsüchtiger Treue verzehrt er sich um sein ver-lassenes Weib 246, 19—22. 282, 23—283, 22. 293,5—11. 302, 4f. 389, 11.441, 6ff. 467, 27—29. 619, 4ff. 696, lOff. 732, 1 ff. Als Kind bringt ihn derTod der Vögel zum Weinen und als Jüngling rührte ihn jedes Menschen-elend zur Teilnahme (Sigune 138, 28 ff. 249, 26 ff., Cunneware 153,17. 158,27ff., Gurnemanz 179, 5f., Condwiramurs 195, 13, Jeschute 258, 23ff.), aberdie höfische Erziehungskunst hat ihn so unsicher gemacht, daß er sichselbst untreu wurde und beim Anblick des kranken Königs die Treufrageder menschlichen Teilnahme zurückdrängte. Vom Fluch getroffen verlierter v das Vertrauen zu Gott und schiebt in törichtem Standeswahn, als obGott, sein Lehensherr, seine Treupflicht gegen ihn nicht gehalten, dieSchuld auf ihn, der doch die tritiwe ist und der gütige Helfer 119,24.448,10. 461,13—462,30. 465,9f. 466,12, (Christus) 113,19ff. 448, lOff. 752,27—30. Schon in seinem knabenhaften Spiel offenbart sich sein Charakter:sehnsüchtig und ahnungsvoll, heldisch und mitleidig zugleich; ein Kinder-idyll, in dem doch schon die künftige Tragik des Mannes verborgenschlummert. Unverdorbenes Menschentum leuchtet aus der Schönheit desKnaben, die alle Begegnenden bezaubert, und seine treue Reinheit bewahrter sich auch in seinem kampferfüllten Weltgang in der unwandelbaren, ver-ehrenden Liebe zu seiner Frau. Die Sehnsucht ist der Urquell, aus dem
# Parzivals handelndes Leben entspringt, Sehnsucht zieht den einsamenKnaben in die Welt und den enttäuschten Mann zu der weltfernen Burgdes Grals, dem großen himmlischen Geheimnis, Sehnsucht nach seinemWeib, dem unergründlich süßen Geheimnis der Liebe, begleitet den heimat-
; los Irrenden auf seinen dunkeln Pfaden. Eine so fein geordnete Menschen-seele muß sich an der harten Wirklichkeit stoßen, sie ist von Natur voraus-bestimmt zum Entsagen, zum Leiden. Dieser Mensch ist nicht wie dieandern, er muß leiden, denn die höhere geistige Individualität, der aus-geprägt sittliche Charakter empfindet seine Fehler schmerzlich, wovon dernatürliche Sinnenmensch noch nicht einmal eine Ahnung hat. Es ist dieMacht des Gewissens, die ihn die Verletzung des sittlichen Gesetzes schwerbüßen läßt. Parzival fühlt, er gehört nicht in die Gesellschaft der Fröh-
1 Domanig2, 73 ff.; Ehrismann, ZfdA. 56, 175 f.201f.,Festschr.f.Voßler S. 181 f.; Peter-sen, GRM. 6 (1914), 141; Roethe, Rede S.10.