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Die erzählende Dichtung
hält ihm einen Regentenspiegel vor, aber sein einfach menschliches Emp-finden wird gehemmt durch die Beobachtung der äußerlichen Mode. AusFurcht, gegen die Sitte zu verstoßen, unterläßt er angesichts der Qualen desAnfortas die durch die natürliche Teilnahme eingegebene Frage nach seinenbeiden. Er hat das Gebot der Barmherzigkeit verletzt. Das ist die tragischeSchuld, die zu der weiteren des Zweifels führt, ja zum Haß gegen Gott., Aber in seinem Bewußtsein selbst war die Möglichkeit, die Anlage zumGuten, vorhanden, daß sein Gemüt für die sittliche Rettung, für die Reueempfänglich war: der vom Vater angeborene ritterliche Mannesmut 317,6—30, aber auch die durch Gurnemanz ihm eingepflanzte Beherrschung derEigentriebe und Erbarmen für die Bedrängten 451, 4 f. und die von derMutter ererbte Eigenschaft der triuwe 317, 20. 451, 6, dazu sein treues Fest-halten an zwei hohen Idealen, dem Gral und seinem Weib 296, 5—8. 389,104 467, 26—30. 441, 10—14. 618, 21—619, 19. 732,1—733, 20. 740,19—22. 1 Und aus der Zerrissenheit führt ihn die Gnade durch den Rat derSigune 442, lff. und der Pilger 1 446, 1 ff. 448, 23 und durch die rich-tige Spur seines Pferdes 452, lff. den Weg zum Heil: der Einsiedler 2rettet ihn aus der äußersten Gottverlassenheit, dem Zweifel an der allmäch-tigen Güte, er gibt ihm die Versöhnung mit Gott, er lehrt ihn die Erkennt-nis Gottes in seinen Eigenschaften der Barmherzigkeit, Treue, Wahrhaftig-keit, Liebe 461, 27—462, 30 und erweckt damit in ihm das Gottvertrauen489, 16; er entlastet ihn von der unbewußten Sünde des Verwandtenmordsan Ither und von der unfreiwilligen Schuld an seiner Mutter Tod, er lehrtihn zum Schluß die Pflichten des rechten Rittertums: Frauen und Priesterehren und schützen 502, 4—22. Das Mittel ist die Beichte mit Reue undBuße, das gewonnene Heil ist die Befreiung vom Zweifel. Die geordneteVernunfterkenntnis ist durch die Religionslehre und durch die Erklärungvom Wesen Gottes in ihm hergestellt, aber sie allein reicht nicht aus, umin dem richtigen Verhältnis zu Gott zu beharren, es muß auch der Willedazu vorhanden sein: belip des willen unverzagt. Dieses ist der vergeistigteSinn von unverzaget mannes muot, es ist nicht nur der Heldenmut desRitters, sondern die sittliche Willenskraft überhaupt. Vernunft und Wille sindin dem System des Einsiedlers vereint, zuerst muß die Vernunft hergestelltwerden, denn sie hat den Willen zu leiten. Trevrizent riet riterllchen.Voluntaristisch muß die Lebensanschauung des Ritters sein, seiner Stellungin der Welt entsprechend. Wolfram stellt sich auch den vergeistigten Ritterdoch zunächst als mannhaften Helden vor. Durch die Erfüllung der ihman seiner Stelle in der Weltordnung zugewiesenen Aufgabe, das ist dieRitterpflicht, besteht Parzival die noch weiter ihm auferlegte sittliche Prü-
1 Am Karfreitag beginnt Parzivals innere Ein-kehr, am Karfreitag beginnt Dante seine Jen-seitsreise, Inferno 1, 1 ff.
2 Nolte, Komposition derTrevriz.-Szenen,ZfdA. 44, 241—48; Bötticher, eoda 45, 149
—152; Faust, Mod. Philol. 1, 275 ff.; J.Austermann, Aufbau u.Bedeutung d. Trevri-zentszene, Progr. Attendorn 1906; Laien-beichte s. Seeber, ZfdPh. 12, 77—80.