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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
Entstehung
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§ 40. Die Entstehung des Stoffes 253

brot bringende Taube nur ein irdisches Wunschding wie auf der Gralsburg,und immer noch gehen Legende und Märchen, Himmlisches und Irdischesin der Phantasie des Dichters durcheinander. Auch der fromme ritterlicheEinsiedler und Wolfram (Kyot?) selbst hat das irdisch Materielle nichtzum Jenseitssymbol vergeistigen können, oder wollen.

Chr. sagt nichts über die Herkunft des Gral, Wolfr. (Kyot?) rückt seinenAnfang hinauf in die ältesten Zeiten, an den Beginn der Heilsgeschichte,in den ersten Kampf des Guten und Bösen. Ein Engelchor 1 hat ihn, wieFlegetanis in den Sternen gelesen hat, vom Himmel auf die Erde gebracht,aber vom Gral selbst weiß der heidnische Naturkundige nichts zu sagen(454, 2426. 463, 114. 471, 1525. 798, 622).

Als erlösende Bedingung ist Parz. aufgegeben die Frage sowohl nach demGral als nach der blutenden Lanze, 2 Chr. 6334 ff. Bei W. dient denn auchdas Eisen der Lanze, um das Gift aus Anfortas' Wunde zu ziehen 490, 13,eine rationalistisch-abergläubische Erklärung für die Heilkraft der Lanze,da die ursprünglich religiös symbolische Bedeutung nicht mehr verstandenwurde, denn die Lanze stammt aus der byzantinischen Liturgie. Zu denbeiden fragwürdigen Wundern beim Gral Gral und Lanze fügt W. nochdie auf Mißverständnis beruhenden zwei Messer 255, 11. 316, 27, ebenfallsmit materieller Erklärung 490, 20ff., während vorher auf der Gralsburg zweisilberne Messer bei Tisch verwendet wurden 234, 18235, 3. Die Ver-wirrung wird noch dadurch größer, daß die Lanze das bewegende Momentin der Gawanhandlung bei Chrestien ist: Gawan soll dort die Lanze holenChr. 607480. 612435. 614960. Hier ist ein keltischer Sagenzug vonder Lanze, 3 mit der einst das Königreich Logres (England) 6131 zerstörtwerden wird (oder worden ist) mit der Lanze vom Gral vermengt. Dassiegverleihende Schwert, 4 das Anfortas seinem Gaste Parzival schenkt 239,19 ff. 253, 2 ff. 490, 24. 501, 1, vgl. 643, 18 f. ist ein Reststück eines größerenSagenblocks und nur ein literarisches Ausstattungsmittel, das für Parzivalsferneres Schicksal keine Bedeutung hat; wohingegen sein erstes Schwert,das er Ither beim Leichenraub abgenommen, zu einem ethischen Symbolwird: es zerspringt in dem Kampf mit dem unbekannten Bruder 744, 10ff.,damit ist der letzte Rest seiner einstigentumpheit" getilgt.

3 Weston, Reg. 1,341.2,350; Schorbach,Parzifal v. Wisse u. Colin S. LVIIff. Femer:Birch-Hirschfeld S. 12022; Windisch

1 Es waren diejenigen Engel, die im Kampfezwischen Gott u. Luzifer unentschieden blie-ben, die sog.neutralen" Engel, Heinzel,WSB. 130, 9f. 16f.; Seeber, ZfdPh. 24, 3237; Strauch, ebda 25, 566; Hagen, QF. 85,67ff.; Martin, Rede S. 13f., Ausg. II S.XLIVHertz S. 521. 524, Rosenhagen S. 470Singer, Festg. f. H. 361-82, Stil S. 12. 86 f.Iselin S. 39 ff.; Roethe, Rede S. 10; Spar-naay S. 94; Golther, Gralb. S. 2C0ff.

2 Die Lanze als Speer des Longinus s. obenS.250 Anm. 1; ferner auch Heinzel, GralromaneS.9; Singer, Stil S.87 f.; Sparnaay S.89ff.;Bruce 1,25659. Für Blutstillung ist derLon-ginussegengut: MSD. 3 II, 275.298; LG. 1, 103.

S. 190 ff.; Brown, The Bleeding Lance; Lie-bermann, Arch. 143, 248.4 San-Marte, ZfdPh. 16, 129 ff.; Birch-Hirschf. S. 266ff.; Heinzel, WSB..130,43f.;Martin II S. LXI; Weston 1,132 ff.; Singer,Stil S. 91; Golther, Gralb. S. 11 ff. In demMärchen vom Wasser des Lebens kommt derJüngste in ein verzaubertes Schloß, in einenSaal, darin verwünschte Prinzen sitzen; dafindet er ein Schwert und ein niemals allewerdendes Brot, mit denen er ganze Reichevon Feinden befreite und speiste.