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Die erzählende Dichtung
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aber sie bilden nicht den Ausgangspunkt. Zur Verbindung mit irgendwelchenMythen oder orientalischen Kulten fehlt jeder historische Zusammen-hang. Aus Roberts und auch aus Chr.s Auffassung geht dagegen mit Sicher-heit hervor, daß die Gralsage auf christlichen Vorstellungen beruht: die neuenChristen Josephs v. Arimathia und die heiligen Geräte, die sie bewahren,sind ein Abbild der Abendmahlsgemeinde und -feier. Roberts Josephslegendeist eine Umsetzung der Meßliturgie in eine historische Legende, ChrestiensRoman eine märchenhaft dichterische Verweltlichung des segenspendendenKelches, seiner Wunder und seiner Pfleger. 1
Der zweite Stoffkreis der Gral-Parzival-Erzählung, die Geschichte Par-zivals, hat seinen Ursprung im Märchen vom Dümmling (Dummling, derglücklich gewordene Tor), der unerfahrene und für unwert gehaltene Junge,der in die Welt zieht und durch tüchtige, von andern, Bevorzugtem, un-erfüllbare Leistungen sein Glück macht. Von seinem Bauernhof im Walderennt Parzival, der Naturbursche, in die Ritterwelt hinaus, verrichtet staunens-werte Taten, befreit eine Prinzessin und erhält sie zur Frau. Auf der Heim-kehr zur Mutter verirrt er sich und kommt zu einem verwunschenen Schloß.Er hätte die Geistergesellschaft vom Zauber erlösen können, wenn er ge-fragt hätte. Am andern Morgen ist das Schloß verödet. Erst als es ihm ge-ingt, zum zweitenmal in die Gespensterburg zu dringen, entzaubert erden Spuk durch die Frage, gewinnt ein Wunschding und wird Erbe des Reichs.Das Dümmlingsmärchen ist Gemeingut der fabulierenden Völker und hatin verschiedenen Wendungen weite Verbreitung. Überraschende Ähnlichkeitmit dem Grundplan haben einige Märchen bei den Brüdern Grimm, bes.
sehe Hypothese: Nutt (der Gral ein in deririschen Sage bekannter Kessel, e. Nahrungspendendes Gefäß, die Leute auf dem ver-wunschenen Schloß sind die Bewohner derandern Welt); Zimmer, Brown (Kessel u. Lanzeaus d. irisch. Sage); Martin, GralsageS.30ff.u. Ausg. II S. XLIX ff. (der kranke Gralkönigist Artus in Avalon), Windisch (brittannischeRachesagen, Lanze und Schlüssel als keltischeRacheembleme), Rosenhagen (Heimat derGralbesucher kelt.). — Klassisch-mytho-log., indogerm.-mytholog., oriental.Ursprung: Simrock (Mythus vom sterbendenSonnengott Adonis); Weston (Adoniskult);Nitze (Eleusin. Mysterien); Gaster (Sonnen-tempel in Alexanders Iter ad Paradisum);Hagen (der Gral ein Baetylus, Meteorstein,oriental. u. griech. Kultobjekt); Staerk (dasirdische Paradies, Elisium, Insel der Seligen);Wesselofsky (Widerspiegelung von Legen-den christl.-jüdischer Gemeinden in Syrien,Palästina, Aethiopien); Sterzenbach (Misso-rium, Tragaltar, aus dem Oriental, tabula Sa-lomonis); Iselin (Quelle ein syrisches Sagen-buch), Rosenhagen (Gral als Stein aus Über-lieferung morgenländ. Christen); L.v. Schroe-der (altarische u. idg. Mythen von Sonne u.Mond), Junk (desgl., unmittelbare Quelle die
breton. Erzählung von Peronnik dem Toren),ähnl. Dostal-Winkler ; Pokorny (ebenfallsidg. Mythus u. irische Cuchulinnsage); Kam-pers (babylon.-assyr. Götterberg, Thron desSonnengottes, Wanderung d. Seele zum Bergd. Paradieses); Palgen (alchemist. Quelle);Absil (der heil. Stein im Tempel Salomos).
1 Noch dramatischer als der abendländ. Meß-ritus ist die Prozession der byzantin. Messe(vom 4./5. Jh. an), in der außer dem Kelchauch die heil. Lanze herumgetragen wird(auch in Frankreich nachgewiesen: Heinzel,Gralrom. S. 9 f.; Bruce 1,258 f.). - Die abend-länd. Meßliturgie s. bei Honorius Augusto-dunensis, Migne 172, 541 ff. und Golther,Gralb. S. 8 f. Die byzantin. Zeremonien kamenaus den kultischen Handlungen der ChristenJerusalems, Burdach, DLz. 1903, 2821 ff.3050 ff., N. Jahrb. 37, 25 ff., Berl. Akad. 1920,294—321 und Vorspiel aaO.; RosenhagenS. 564; Rose J. Peebles, The Legend of Lon-ginus, Bryn Mawr Monogr. IX, 1912; Schwie-tering, ZfdA. 60, 264; Brown, Mod. Lang.Notes 41, April 1926, erklärt auf Grund desfranz. Prosaromans die Stelle von der Messebei Chr. als nicht von Chr. herrührend, son-dern als Einschub.