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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 39. VERGLEICHUNG VON WOLFRAMS PARZIVAL MIT CHRESTIENS CONTE DEL GRAAL 245

erteilt, indem es der Gral- und Artusfamilie angegliedert ist. 1 Eher wird ein französischerDichter Veranlassung gehabt haben, das Haus Anjou zu feiern als der Deutsche Wolfram.Auch der Name Feirefiz = vaire fiz, der gefleckte Sohn, weist auf das Vorhandenseineiner franz. Gahmureterzählung (Singer, Stil S. 51).

Den Prolog und die Einleitungen 2 zu den einzelnen Büchern hat W. ebenfalls nichtbei Chr. vorgefunden. Es steht nichts im Wege, sie für sein Eigentum zu halten, wennauch manche Gedanken aus der provenz. und franz. Literatur stammen: solche sind literari-sches Gemeingut geworden und eine bestimmte Quelle braucht W. nicht vorgelegen zuhaben. Der Prolog 114 enthält W.s sittlich-religiöse Weltanschauung und faßt den Ideen-gehalt des Gedichtes zusammen: dieses sind sicher W.s eigene Auffassungen. Auch dieGegenüberstellung der tumben und wlsen lag ihm nicht fern, es ist eine in Einleitungenbeliebte Wendung an das Publikum, schon in der Kaiserchronik begegnet sie (ZfdA. 49,417 f.). Auch die Bucheinteilung, meist gekennzeichnet durch allgemeine Einleitungen (unddurch große Anfangsbuchstaben, s. oben S.228,1), hat W. wohl selbst gegeben. Er brauchtenur Chr. zu folgen, der oft den Abschluß von Szenenwandlungen durch die Handlung an-deutet, z. B. s'an part 1675 urloup nam 179, 7 u. Ähnliches. In den Bucheinleitungenkehren einzelne Ansichten mehrfach wieder, gerade solche, die W. auch sonst äußert 3

Der Wert der Namen 4 für die Kritik der Quellenfrage ist recht zweifelhaft. Dieses Materialist flüchtig und willkürlich. Die mittelalterl. Dichter, die gern mit Namenlisten prunken,schaffen die einzelnen Namen wahllos zusammen oder erfinden auch eigene selbst dazu.Chr. ist sparsam mit persönlichen Benennungen, und die ihm entnommenen sind bei W.oft entstellt, oder auch vertauscht, wie Chr.s Blancheflor durch Condwiramurs. Woher rührtdie große Masse der übrigen Namen bei W.? Sicher von ihm eingeführt sind die in derdeutschen Literatur begegnenden, bei Eilhart, Veldeke (Behaghel, En. S. CCXIX), Hart-mann, und so doch gewiß auch die deutschen Namen in B. I Vridebrant, Vrideschotten,Schiltunc, Hernant, Herlinde und wohl auch die dicht danebenstehenden Hiuteger und Isen-hart, auch Lambekin. Aber auch Namen aus der franz. Literatur kann W. wohl selbst bei-gebracht haben, wie Antikonie (s. oben), Schoysiane, Titurel, Loherangrin, Clias, Surdamur

1 In der Tat führten die Herzoge von Anjouihren Stammbaum auf eine Fee zurück (vgl.P.56,18 f. 400, 7-9.496,8.585,1319), aberdieses Zusammentreffen ist kein sicherer Grundfür die Annahme, daß W.s Quelle von jenerStammsage etwas wußte, denn es kann aufZufall beruhen, da von jeher Fürstengeschlech-ter sich von halbgöttlichen Wesen ableiteten.Hertz S. 474 f.; Weston, Übersetzg. d. Parz.1, 291; Singer, Aufs. u. Vortr. S. 158; vgl.Schwietering, ZfdA. 61, 71 ff. Der Pantherals Wappen Gahm.s.P.101,7f. kann dem engl.Leoparden entsprechen, Hortzschansky,ZfdPh. 12, 7377. Daß die histor. Wirklich-keit nicht gewahrt ist (Könige v.Anjou,Beal-zenän als Hauptstadt) kann in einer Dichtungnichts beweisen.

2 Prol.: Singer, Festg. f. H. S.353L 360 f.,ZfdA.44,32123, StilS.ll15; Einl.:HEiN-zel, WSB. 130, 7. 11: Singer, Stil S. 64 f. 108.115f.

3 Der Schritt zur Personifizierung der Aven-tiure in der Einleitung zum IX. B. lagW. schondurch Chr. nahe, der an entsprechender Stelle617679 (vgl. 647680) sagt: die Erzählung,li contes, schweigt hier, die Geschichte,l'estoire, erzählt dieses; u. gerade W. liebt esauch sonst, der äventiurerzdendtu. handelnde

Prädikate beizugeben (in d. Einleitungen zitierter sie V, 224, 2. VII, 338, 3. XII, 583, 4. XV,734, 10), vgl. R. Galle, Die Personifikation,Leipz. Diss. 1888, S. 80. Bei dem Zwiegesprächzwischen d. Dichter u. d. vrou Äventiure mageine Erinnerung an die Unterhaltung Hart-manns mit d. vrou Minne I w. 2971 f. mit unter-gelaufen sein, kurz nachher 436,510 sprichtWolfr. von Luneten Rat.4 Bartsch, Germ. Stud. 2, 114 ff.; Piper 1,15 f. 110 ff. Belger, Mor. Haupt S.275;San-Marte, Germ.2,385ff., ZfdPh.15,399ff.;Kupp, ebda 17, 69ff.; Hagen, QF. 85, 33 ff.,dazu Singer, Anz. 27, 34f.; Hagen, ZfdPh.38,3 ff. 218 ff., ZfdA. 47,203 ff.; Lichtenstein,Beitr. 22, 73ff,; Hertz u. Rosenhagen pass.;Martin, QF. 42,4-15, Ausg. II S. XL. XLV1I f.;Heinzel, WSB. 130, 5f. 8f. u. ö.; Singer, W.sStil an vielen Stellen, ZfdA. 44, 32142;Wesselofsky, Arch. f. slav. Phil. 23, 321 ff.;Iselin S. 35ff. 125ff.; Palgen pass.; Helm,Beitr. 41, 369 ff.; Guido Taube, Die Eigen-namen bei W. v. E., ungedr. Diss., Bresl. 1919;Schölte, Neophil.4,11521 (Ither); Meiss-ner, Gustrate, ZfdA. 60, 130 (Gylstram, P. 9,12), dazu Frings ebda 61,195f.; Golther,Gralb., bes. S. 13946. 192 f. 20115.