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Die erzählende Dichtung
u. a., und auch die orientalischen und gelehrt lateinischen, die hauptsächlich im IX. und XV. B.auftreten. Die List der von Feirefiz besiegten Könige 770, 1—30 ist aus dem lat. GeographenSolinus geholt, die Reihe der Sterne 791, 1—30 aus Marbods über de gemmis 1 — daß beidegerade 30 Zeilen ausfüllen, also einen Dreißigerabschnitt, spricht für W.s Urheberschaft.Unbekannter Herkunft sind die Namen der von Parz. Besiegten 772, 1—24; für die Namender vier abtrünnigen Engel IX, 10—14 (Martin II, 356), der Schlangen 481, 8—10 (Hagen,ZfdPh. 38, 3 f., ZfdA. 45, 207) lag wohl jeweils eine einheitliche Quelle vor (die Namen ausdem Physiologus s. ob. S.243 und wie immer in Martins Kommentar). Orientalische Namenangehäuft: die Planetennamen 782, 1—12 sind arabisch (Schwally, ZfdWortforsch. 3, 140 f.;Seybold ebda 8, 147-151; Singer, Stil S. 121, Wh. S. 3); Flegetanis ist = Felek thani,Titel einer arab. Weltbeschreibung; Kancor und Thebit 643,17 sind arab. Gelehrte, (Martin II,350. 445; Singer, Stil S. 44 ff.). Eine große Gelehrsamkeit ist in diesen Namen zusammen-getragen, die nicht von W. selbst beschafft worden sein konnte. Man nimmt deshalb an, erhabe einen gelehrten Berater, einen Kleriker, zur Seite gehabt. Freilich sind damit die Zweifelnur verschoben, nicht voll behoben.
Der Name Parzival, 2 Chr. Perceval, Nom.Percevaus (im Kymr. Mabinogi Peredur) kommtschon in Chr.s Erec vor und danach in Hartmanns Er. 1511. 1683. Er wird von einem derFortsetzer Chr.s als Taldurchdringer gedeutet {perce val). — Man kann W. auch nachweisen,wie er franz. Namen selbst baut: Condwiramurs aus dem Inf. conduire und amour, waszusammen eine falsche Substantivbildung ergab; Munsalvaesche 251, 2 = mont sauvage,Wildenberg, mit den falschen Nachbildungen Terre de Salvassche 251, 4, de Salvasche ahmuntane 261, 28, wo salväsche als Subst. behandelt ist; Schahtelakunt 43, 19, wörtliche,aber ganz unfranzösische Übersetzung von burcgräve, und mit derselben deutschen Stellungder beiden Glieder der Zusammensetzung sarapandratest 50, 6. 68, 8 = teste de serpent.Einem Etymologen, der das Wort saranthasme (= exarentasmata) 629, 17—30. 756, 28.808, 4—8, vgl. Willeh. 63, 16. 375, 18. 452, 29 in zwei Bestandteile zerlegt und daraus einekleine Geschichte erfindet 3 (629,17 ff.), kann man allerhand zutrauen. Dieser phantasievolleDichter aber war nicht etwa Kyot, sondern Wolfram, denn er hat den kostbaren Stoff saran-thasme aus Veldekes Eneide (Behaghel, En. S. CCXIX), wo er 9310 unmittelbar mit demSeidenstoff drianthasme zusammen genannt ist, den W.775,5, also bald nach 756,28, anführt.Wolframsche Falschbildungen können auch die Feminina Bearosche, Beafontane, Beaflurs,bea gent mit masc. bea- statt fem. bele sein, nach den masc. Beacurs, Beamunt etc.; templeismit Endung -eis ist Nachbildung von der Waleis, Berteneis, Punturteis, Schamponeys,Nebenform zu -ois: Franzois, Graharzois, Burgenjoys.
§ 40. Die Entstehung des Stoffes
Wenn man den ganzen Roman in typische Stoffelemente auflöst, so er-geben sich drei epische Einheiten, deren Sammelpunkt Gral, Parzival, Artusbilden. Als Hauptziel der Handlung und als höchste Region der Ereignisseist der Gral gedacht, das bezeugt schon die Benennung Chr.s Ce est 11contes del Graal 66. Eng verbunden mit der Legende vom Gral ist die aufdem Dümmlingsmärchen beruhende Geschichte Parzivals. Erweitert ist dieseGral-Parzival-Erzählung durch Angliederung des Artusromankreises. DerSchöpfer dieses Gral-Parzival-Artus- Romans ist Chrestien. Schon in seinerQuelle, le Livre, waren Parz. und Gral verbunden, auch an den Artushof
1 Hagen, ZfdA. 45, 202 ff.; Roethe ebda223—27; Hagen, ebda 47,217; RosenhagenS. 558.
2 Hertz S. 490ff.; Bruce 1, 251 f. mit Lit.
3 Franz Lichtenstein, ZfdA. 27,302 f.; Ha-
gen, ebda 47,210ff. ; Martin II, 439. — ZuSares vgl. Isidor, Etymol. IX, 2,40. XIV, 3, 29;Du Cange: Serga, Serica, Seriealis; Rud.v. Ems, Weltchron. 2048—52.