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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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242 Die erzählende Dichtung

gerade im B. IX, das ja mit B.V in unmittelbarem Zusammenhang steht, hier auch bewegtsich das Leben in der großen Umgebung der ritterlichen Bruderschaft der Templeisen. MitChr.s un graal 3182 wußte W. offenbar nichts anzufangen, denn er nennt ihn nur daz wasein dinc, daz hiez der Grdl 235, 23, deshalb hat er auch Chr.s Beschreibung 31943201weggelassen (s. unten). Ein Unverständnis des franz. Textes ist es auch, wenn er un tailleurd'argent, Vorschneideteller, Chr. 3192 f. 3249 mit zwei mezzer usw. übersetzt 234, 1824.316, 27, und ganz naiv gibt er in seiner erklärenden Manier noch dazu eine Beschreibungdieser zwei fraglichen Messer und ihrer Schärfe. Den verblüffenden Abschluß mit der Schelt-rede des Knappen am Tor darf man wohl W.s volkstümlicher Urwüchsigkeit zutrauen; esklingt daraus wie ein persönlicher Ärger über die Torheit seines Helden. Die Schilde-rung von Orilus' Rüstung ist aus auch sonst im Parz. vorkommenden Namen zusammen-gesetzt. Der Eid auf das Heiltum ist wohl einem späteren Vorgang bei Chr. entnommen *(willkürliches Umspringen W.s mit der Vorlage).

Die bedeutenden Erweiterungen im B. VI (W. 1500 V. Chr. 680 V) kann man zum Teilohne Bedenken W. zuschreiben: die Ausdehnung des Hoflebens, des Auftretens der Cundrieund Kingrimursels, Gawans Abschied, die Anrede an die Minne mit der Berufung auf Vel-deke, die persönliche Bemerkung 337, 16. 2330; die Ehrenrettung Keies mit dem Seiten-blick auf den Thüringer Hof, der Schmerz der Königin beim Gedenken an Ither; vielleichtauch die Heidin von Janfuse als Klagetrösterin und ihr Bericht über Feirefiz (W.s Vorliebefür die orientalischen Beziehungen), der Aufbruch des Hofes, die Heirat Cunnewaresmit Clamide als Entschädigung für die so ungerecht mißhandelte Dame und als günstigerRomanabschluß. Die Quelle, aus der W. die Kenntnis von Gawans Minnenöten bezog, aufdie er 301, 820 anspielt, ist unbekannt; hat er sie selbst in eigener Erinnerung aus einemfranz. Artusroman entnommen oder bei Kyot vorgefunden? (Singer, Stil S. 99 f.). 2

Die Parzival-Gralhandlung geht B. IX weiter. Mehr als in allen andern Büchern gehenW. u. Chr. hier auseinander, schon der Umfang, der bei W. das Siebenfache von dem beiChr. beträgt (W. 433,1502,30 = Chr. 61796480), läßt dies äußerlich erkennen. Der ganzeInhalt bei Chr. ist (außer 637795, vgl. W. 470, 5) eine Beichte Parzivals vor dem Ein-siedler, 3 während bei W. mit dieser eine Erklärung des Grals und der Rätsel von Munsal-vaesche verbunden sind. Auch die Einzelausführung in diesem dogmatischen Teil geht beiW. vielfach andere Wege. Der Schwerpunkt von P.s Gewissensnöten liegt bei W. in dembedanken an den Gral und sein Weib 467, 2630, vgl. 441, 59. 732, 2. 19, bei Chr. inder unterlassenen Frage. Diese aber hat erst bei W. die tiefere, ethische Bedeutung mitleids-voller Teilnahme erhalten (Mitleidsfrage), während sie bei Chr. noch mehr die ursprüng-liche Märchenart einer Zauberformel (354752) hat und zu einer Neugierfrage gesunkenist (wem dient man mit dem Gral 3207. 3255. 4623. 4698. 6342. 6381). Die ganze religiöseHandlung dringt bei W. erhebender und wärmer zu Gemüt als Chr.s Auffassung, die mehran der kirchlichen, formellen Pflichtleistung haften bleibt. Und so ist denn überhaupt Wolfr.von viel stärkerem religiösen Pathos ergriffen, nur sein Parz. erleidet jenen tieftragischensittlichen Zusammenbruch nach der Verfluchung durch Cundrie, der ihn bis zur Absage,zum Haß gegen Gott führt (we waz ist got! VI, 332, 18 und IX, 461, 926, dagegenChr. 4689702. 6328). Die Religionslehre vom Fall Luzifers an bis zur Höllenfahrt Christi463, 1465, 30 kann wohl eine selbständige Ausführung W.s sein, ihm lagen ja religiöseFragen am Herzen und auch im Willehalm hat er Religionsgespräche eingeschaltet (Singer,Wh. S. 43 ff. 96 f.). Die Natur Christi P. 464, 23-465,10. 2736 und die Höllenfahrt hat auchChr. kurz vorher 621663, vgl. 56371, Liebe als die Eigenschaft Gottes P. 466,1 ff.; beiChr. im Prolog 46 f. Aber die wesentlichste Spaltung zwischen W. und Chr. liegt in derErklärung der wunderbaren Vorgänge beim Gral, denn nur die Hostie ist beiden gemein-

420; Heinzel, Gralrom. S.23; HertzS.509;

1 Lichtenstein S. 41; Golther, Gralb.S. 164 f.

2 Die drei Blutstropfen im Schnee: Zimmer,Kelt. Stud. 2, 200 ff., dazu Martin, Anz. 10,

Bolte-Poüvka 2, 461 f.3 Seeber, Die Laienbeichte bei Wolfr., ZfdPh.12, 7780.