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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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240 Die erzählende Dichtung

ist dadurch gestört, die gegebene Folge wäre 130, 26. 29f. 27. 131, lf. 130, 28 usw. DenSpangenraub (fürspan), den W. jetzt gemäß Chr. in 531. 36 anbringt, hatte er selbst gar nichterwähnt. 2. Persönliches über die Schönheitsreize der Dame 130,317.3. Das Farben-bild, in dem das Zelt bei Chr. erstrahlt, kommt in der steifen Beschreibung W.s nichtzur Geltung. 4. Die Zurüstung der feinen Mahlzeit bei Chr. 71640 wird bei W. 131, 2730rasch abgemacht (vgl. oben Hartmann). 5. Lehrreich für die verschiedene Geistesrichtungdes Franzosen und des Deutschen ist das Verhalten des Gatten: nachdem Orilus bei Chr.seiner Frau die schimpflichsten Strafen angedonnert hat, setzt er sich und speist 811,wohingegen W. mit einem Blick in das Seelenleiden des unglücklichen Weibes und seinempersönlichen Mitempfinden schließt 127,2030. 6. Hingegen zeigt sich der Franzoseals geübter Menschenkenner in der Entwicklung des Geständnisses 768800; seine Je-schute redet auch nicht so unvorsichtig von der Schönheit des Knaben wie die W.s, diedadurch nur den Verdacht des Gatten verstärkt. Hier ist W. seinem poetischen Gefühl, denToren in seiner Schönheit liebenswert zu machen, zum Opfer gefallen. 7. Ein gutes Bei-spiel für W.s häufig angewendetes Mittel der Zusammenstoppelung gibt die Prahlrededes Orilus 134, 5135, 24, die aus lauter einzelnen Zitaten aus dem Erec (Iwein) und demParz. selbst zusammengesetzt ist.

Mit dem folgenden, dem 5. Abschnitt 138, 9142, 1 beginnt der das ganze Gedichtdurchziehende Sigunenzyklus. W. verbreite! ihn über vier Begegnungen, bei Chr. kommtParz. nur einmal mit der trauernden Jungfrau zusammen, nach seinem Abschied von derGralsburg 3390652. Der Inhalt dieser ersten Sigunenszene ist bei W. auf zwei verteilt: 1138, 9142,1 und, wie bei Chr., nach der Gralsburg 248,17255, 30. Die erste Begegnungbei W. ist wohl eingeschaltet, um gleich hier den Namen seines Helden und sein Geschlechtbekannt zu geben. Zu W. stimmt der erotische Witz 139, 1518; das Interesse fürGenealogie 140, 21141, 1; die triuwe 140, 19; die Auslassung des rohen Zuges, daßdem Ritter der Kopf abgeschnitten sei Chr. 3417, die Beziehung auf Lähelin 141, 29. 2528 (vgl. 138, 312).

In der 2. Sigunenszene 2 beschränkt sich das bei Chr. vom Gral Gesagte auf Anfortas' Krank-heit (die später im IX. B. genau beschrieben wird) und auf das Schwert; die Aufklärung überden Fischerkönig und die Wiederholung der Vorgänge auf der Gralsburg fehlt, ebenso derTod der Mutter, der bei W. erst später im IX. B. erzählt wird. Dagegen ist die Benennungvon Land und Burg und die Genealogie der Gralskönige 251, 2 16 zugefügt. Die Ab-weichungen W.s von Chr. hängen zum Teil mit der Umgestaltung zusammen, die der Stoffbei W. im IX. B. gegenüber Chr. erfahren hat, und auch die Quellenfrage für die zweiteSigunenszene und das IX. B. sind nicht wohl zu trennen.

In der dritten Szene trifft Parz. Sigune als Klausnerin 435, 1443, 4. Die gleiche Rollewie hier Sigune vertritt die um ihren im Kriege gefallenen Gatten trauernde Inclusa in derQueste du St. Graal, 3 die Tante Percevals (bei Chr. und W. die Base), die ihm ähnliche Aus-kunft gibt wie Sigune bei Chr. u. W. Die Queste fußt zwar auf Chr., aber nicht zufälligwird es sein, daß diese Parallelfigur in der Queste eine Klausnerin ist. Also wird W. auchdiese Szene irgendwo vorgebildet gefunden haben. Aus der franz. Literatur stammt auchdas unheilvolle Hundehalsband. 4 Einzelheiten, die mit einiger Sicherheit W. zugesprochenwerden können: die Tötung Schianatulanders durch Orilus (439, 30 = 141, 9.252, 19); dieTreue als ethische Unterlage, dabei das Zitat von Lunetens Rat (436, 410 = 253, 10); derbleich gewordene Mund (435, 2628 = 252, 27); Parz.s Gedanken an den Gral und seinWeib (441, 414 = 427, 26-30. 329, 2530. 333, 2340); Sigune als Ratgeberin (442, 2.21 = Trevr. 448, 23. 501, 18); W.s Gedankenkreis angemessen sind die allgemeine Bemer-

1 Lichtenstein, Beitr. 22,15. 3638; Gol-THER, Gralb. S. 158 ff.

2 Singer, StilS.95f.; Schwietering, Siguneauf d. Linde, ZfdA. 57, 14043; Burdach,

Ackermann S. 189.

3 Birch-Hirschfeld S. 40 f.

4 Heinzel, WSB. 130, 81; Hertz S. 494 u.Rosenhagen S.569; Singer, Stil S. 72 ff.