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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 38. Dm Quellen des Parzival 235

der Geschichte vom Gral in heidnischer (d. i. wohl arabischer) Schrift, derHeide Flegetanis, ein Naturkundiger (Fistön), der ein Kalb anbetete, undmutterhalb von Salomo abstammte, schrieb die Aventiure vom Gral, er hatteden Namen des Gral in den Sternen gelesen und daß eine Schar von Engelnihn auf der Erde gelassen, die über die Sterne fuhr. Kyot fand außerdemin einer lateinischen Chronik von Anjou das Geschlecht dieses Hauses undandrerseits das der Gralhüter. Diese seltsamen Vorstellungen von literarischerÜberlieferung tragen ganz den Stempelfabulistischer Quellenangaben" 1 undkönnen also in dieser Form für die Existenz eines Kyot nichts beweisen.Aber wenn auch diese Berufungen auf Kyot und Flegetanis fabulös seinmögen, so würde damit doch die Person Kyots nicht aus dem Wege ge-schafft, denn Wolfram mochte gerade diese erdichteten Angaben bei Kyotvorgefunden und von ihm übernommen haben. Andrerseits würde eine solchephantastische Erfindung Wolfram wohl entsprechen und auch nicht den Be-reich seiner Kenntnisse übersteigen, denn Toledo war ein berühmter Sitzarabischer Wissenschaft (über Flegetanis s. unt). c) Am Schluß des Ge-dichtes XVI, 827, 118 legt Wolfram seine Stellung gegen Chrestien dar:dieser habe die Erzählung nicht richtig überliefert, Kyot hat uns die rich-tige Darstellung entboten: endgültig erzählt der Provenzal, wie Parzival denGral erwarb, von der Provence sind uns diu rehten mcere und der Abschlußder Geschichte nach Deutschland gebracht worden usw.

Ein Dichter Kyot, also ein Provenzale, ist uns nicht bekannt, auch findetsich keine Spur von einem Gral- oder Parzivalroman in der franz. Literaturunter solchem Namen. Man vermutet, daß Wolfram den franz. Dichter GuiotdeProvins (Provis,Wh.437,11) gemeint habe, der am Anfang des 13. Jhs. dassatirische Lehrgedicht la Bible verfaßte, auch als Liederdichter bekannt war. 2

Es stehen sich in der Frage nach den Quellen des Parzival zwei An-sichten gegenüber: a) hat Kyot existiert oder b) ist er eine Erfindung Wolf-rams? bzw.: hat Wolfram Kyot als Vorlage gehabt (der dann für die BücherIII XIV des Parzival stark mit Chrestien übereinstimmte) oder nur Chrestien?

a) Die früheren Forscher, Lachmann, Haupt, Wackernagel, San Marte,haben überhaupt nicht an Kyot gezweifelt: Lachmann S. XXI XXVI; Hauptbei Beiger S. 280 ff.»

1 Burdach, Dresd. Phil.-Vers. 1897 S.28 ff.u. Preuß. Ak. 1918, 1021; Vogt, N. Jahrb. 3(1889), 139; Ders., Festschr. d. Ünivers. Bres-laul911,513ff.; Wilhelm, Beitr.33,286339,'bes. S. 28689. 33639; Ders., Denkmälerdt. Prosa H. 8 Kommentar II, 141; Singer,Festg. f. H. S. 426 ff.; Ders. W.s Stil S. 45;Vietor, Beitr. 46, HOL; Golther, Sage vonTrist. u.Is. S.73.79f. u. Gralb. S. 199ff.; Gün-ther Müller, Dt.Vierteljahrsschr. 2,690; s. ob.S. 45 Anm. 7. Wiezweiflerisch man die Quel-lenangaben W.s aufnehmen muß, das beweistseine Zitierung des Cristjäns (Chrestien) imWh. 125, 20ff. (Singer, Ws.Wh. S.52), den

er spöttisch wegen einer Behauptung rügt, dieer in dem franz. Volksepos von d. Batailled'Aliscans gemacht haben soll als ob Chr.auch diese verfaßt hätte!

2 Wackernagel, Afrz. Lieder u.Leiche S. 191,auch LG. 2 1,251; SAN-MARTE,Parz.-Stud.Bd.l(Ausgabe des Guiot), dazu Pfeiffer, Germ. 6,23543; San-Marte, Germ. 3, 44564 u.ZfdPh. 15, 385-419; Heinzel, WSB. 130S. 2L; Brugger, Arch. 118, 233ff.; BruceI,313ff.; Golther, Gralb. S. 136ff.; Martin IIS. XXXVII f.; Gröber, Grdr. S. 703f.

3 Lit.: Bötticher, Wolfr.-Lit. S. 4460;PanzerS. 25-27; Piper 1,109L; Pfeiffer,