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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

b) Kyot ist Wolframs Erfindung, Wolfram ist selbst der Erfinder allerder Bestandteile, die von Chrestien abweichen oder bei ihm nicht nach-zuweisen sind; Kyot ist Wolfram (Golther). Gotfrids v. Straßburg heftigesLosfahren gegen den Erfinder wilder Geschichten wäre um so besser be-gründet, wenn er wußte, daß Wolfram seinen Kyot frei ersonnen: das ginggegen die Überzeugung, die er, Gotfrid, von der Dichterehre hatte. Sokönnte Gotfrid als Zeuge für die Selbständigkeit Wolframs angerufen werden. 1

Methode der Quellenforschung. Die Forschung nach den Quellendes Parzival hat zur einzig sicheren Grundlage nur die Vergleichung mitChrestiens Conte del Graal. Auf diesem Wege werden sich gewisse wieder-kehrende Abweichungen von Chrestien ergeben, die psychologisch sichaus ein und derselben Persönlichkeit erklären lassen. Aus dem Gesamt-schaffen Wolframs sowohl, aus seinem seelischen Inhalt, soweit dieser sichaus der Übereinstimmung aller seiner Werke erschließen läßt, als auch ausseiner in diesen Werken beobachteten Arbeitsweise hinsichtlich desWillehalm ist für Wolfram eine große Selbständigkeit festgestellt (Singer,W.s Willeh.), den Titurel hat er frei entworfen werden wir ein Bild vonseiner Eigenart zu gewinnen suchen. Es wird bei der Vergleichung mitChrestien jeweils zu erwägen sein, ob Wolfram die Änderung aus eigenemAntrieb, eben aus jenem eigenen Gedanken- und Gefühlsleben heraus, auchaus eigenem Wissen und eigener Kenntnis literarischer, schriftlicher odermündlicher, bes. französischer Überlieferung gemacht haben kann oderob notwendig außer Chrestien noch eine andere Quelle vorauszusetzen ist.

Als allgemeiner Grundsatz ist festzuhalten, daß Wolfram noch weniger

Germ. 6, 237 f.; Bartsch, Ausg. 1 S. XXVII u.Germ. Stud. 2, 114 ff.; TH. Urbach, Üb. d.Stand d. Frage nach d. Quellen d. Parz., Progr.Zwickau 1872; Bötticher, Wolfr.-Lit. u.Zfd-Ph. 12, 377 f., ebda 13, 42039, Parz.-Über-trag. 3 S.35ff; KüPP,ZfdPh.l7,172; Nutt,Studies, bes. S. 164ff. 262ff.; Golther, Rom.Forsch. 5,11522; Heinzel, Gralromane u.WSB. 130; P. Hagen, QF. 85, Germ. 37, 74104. 12145, ZfdPh. 38, 138. 198237 u.SA., Zf d A. 45,187 - 217.47,20324; M artin,Rede S. 12, Anz. 15, 208. 20, 25558. 25, 360-62, Ausg. II S. XXXVII ff; Nutt, Athenäum1906,422, s. PRiEBSCH,ebdaS.608f. ; Wechss-LER, Festg. f. Sievers 1896 S. 23151, Sage v.Gral S. 75 ff. 164 ff.; Singer, Festg. f. Heinzel

5. 353-436, ZfdA. 44, 32142, Stil pass.,Literis 3, 129 f.; Weston pass.; Frantzen,

6. Nederl. Philol.-congres, Leiden 1910, 8796. Neophil.5,115 ff., Museum 17, 255-57.18, 1517; Schölte, ebda 27, 129133;Junk, Gralsage; Vietor, Beitr 46,119; Pal-GEN, Stein der Weisen; Baesecke, Wissen-schaftl. Forschungsber. S. 70; Sparnaay, Ver-schmelzung bes. S. 88.112; Schreiber S. 131 ff.;Schneider, LG. S. 281. 496. (Die oben an-gegebenen Schriften üb. d. Gral s. auch unten,Gralsage.)

1 Gegen Kyot: Rochat, Germ. 3, 81120.4,41420; Simrock, Übersetzg. 2 4 , 505ff.,dazu 5. Aufl. S. 340-42; Zarncke, Beitr. 3,317ff.; Birch-Hirschfeld S. 243-71. 27291; Gaston Paris, Rom. 22,166; Golther,Münchn. SB. 1890, II, 212ff.; Panzer, Festg.f. Sievers 1896 S. 212 Anm.; Lichtenstein,Beitr. 22, 193; L. Grimm, ZeilgenossenS. 5463; Behaghel, Lbl. 1898. 115. 263;Vogt, N. Jahrb. 1899, I, 133ff.; Nolte, Anz.25,292f.; Blöte, ebda S.346ff.; John Meier,Basler Philol.-Vers. 1907 S. 515-17; Brug-GER, Arch. 118, 230 ff.; Baist, Rede 1909;v. D. Leyen, Wohlfeile Ausg. von Hertz 1911S. 410ff.; FÖRSTER.Wörterb.zu Krist. v.TroyesS. 187* ff.; Roethe, Rede; Bruce, bes. 1,318ff.;ScHWiETERiNG,ZfdA.61,71ff.,Festschr.f. Sievers 1925 S.55482; Karg-GasterstädtS. 56f.; Golther, Münchn. SB. 1890, 212 ff.,Rede S. 16, Vortrag S. 166, Lbl. 1918, 86 ff.,LG. 2 S.206ff., Gralb. bes. S. 199ff.; GüntherMüller, ZfromPh. 44, 744. - Die Schwierig-keit, zu einem gesicherten Ergebnis in der Ent-scheidung für oder gegen Kyot zu gelangen,heben hervor: Hertz S.417ff. u. Rosenhagen,Nachtr. S. 560 ff.; Vogt, LG. 2,278 ff.; Helm,Lbl. 1908, 92 f.; Rosenhagen, DLz. 1926,804 ff.