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Die erzählende Dichtung
b) Kyot ist Wolframs Erfindung, Wolfram ist selbst der Erfinder allerder Bestandteile, die von Chrestien abweichen oder bei ihm nicht nach-zuweisen sind; Kyot ist Wolfram (Golther). Gotfrids v. Straßburg heftigesLosfahren gegen den Erfinder wilder Geschichten wäre um so besser be-gründet, wenn er wußte, daß Wolfram seinen Kyot frei ersonnen: das ginggegen die Überzeugung, die er, Gotfrid, von der Dichterehre hatte. Sokönnte Gotfrid als Zeuge für die Selbständigkeit Wolframs angerufen werden. 1
Methode der Quellenforschung. Die Forschung nach den Quellendes Parzival hat zur einzig sicheren Grundlage nur die Vergleichung mitChrestiens Conte del Graal. Auf diesem Wege werden sich gewisse wieder-kehrende Abweichungen von Chrestien ergeben, die psychologisch sichaus ein und derselben Persönlichkeit erklären lassen. Aus dem Gesamt-schaffen Wolframs sowohl, aus seinem seelischen Inhalt, soweit dieser sichaus der Übereinstimmung aller seiner Werke erschließen läßt, als auch ausseiner in diesen Werken beobachteten Arbeitsweise — hinsichtlich desWillehalm ist für Wolfram eine große Selbständigkeit festgestellt (Singer,W.s Willeh.), den Titurel hat er frei entworfen — werden wir ein Bild vonseiner Eigenart zu gewinnen suchen. Es wird bei der Vergleichung mitChrestien jeweils zu erwägen sein, ob Wolfram die Änderung aus eigenemAntrieb, eben aus jenem eigenen Gedanken- und Gefühlsleben heraus, auchaus eigenem Wissen und eigener Kenntnis literarischer, schriftlicher odermündlicher, bes. französischer Überlieferung gemacht haben kann — oderob notwendig außer Chrestien noch eine andere Quelle vorauszusetzen ist.
Als allgemeiner Grundsatz ist festzuhalten, daß Wolfram noch weniger
Germ. 6, 237 f.; Bartsch, Ausg. 1 S. XXVII u.Germ. Stud. 2, 114 ff.; TH. Urbach, Üb. d.Stand d. Frage nach d. Quellen d. Parz., Progr.Zwickau 1872; Bötticher, Wolfr.-Lit. u.Zfd-Ph. 12, 377 f., ebda 13, 420—39, Parz.-Über-trag. 3 S.35ff; KüPP,ZfdPh.l7,1—72; Nutt,Studies, bes. S. 164ff. 262ff.; Golther, Rom.Forsch. 5,115—22; Heinzel, Gralromane u.WSB. 130; P. Hagen, QF. 85, Germ. 37, 74—104. 121—45, ZfdPh. 38, 1—38. 198—237 u.SA., Zf d A. 45,187 - 217.47,203—24; M artin,Rede S. 12, Anz. 15, 208. 20, 255—58. 25, 360-62, Ausg. II S. XXXVII ff; Nutt, Athenäum1906,422, s. PRiEBSCH,ebdaS.608f. ; Wechss-LER, Festg. f. Sievers 1896 S. 231—51, Sage v.Gral S. 75 ff. 164 ff.; Singer, Festg. f. Heinzel
5. 353-436, ZfdA. 44, 321—42, Stil pass.,Literis 3, 129 f.; Weston pass.; Frantzen,
6. Nederl. Philol.-congres, Leiden 1910, 87—96. Neophil.5,115 ff., Museum 17, 255-57.18, 15—17; Schölte, ebda 27, 129—133;Junk, Gralsage; Vietor, Beitr 46,119; Pal-GEN, Stein der Weisen; Baesecke, Wissen-schaftl. Forschungsber. S. 70; Sparnaay, Ver-schmelzung bes. S. 88.112; Schreiber S. 131 ff.;Schneider, LG. S. 281. 496. (Die oben an-gegebenen Schriften üb. d. Gral s. auch unten,Gralsage.)
1 Gegen Kyot: Rochat, Germ. 3, 81—120.4,414—20; Simrock, Übersetzg. 2 4 , 505ff.,dazu 5. Aufl. S. 340-42; Zarncke, Beitr. 3,317ff.; Birch-Hirschfeld S. 243-71. 272—91; Gaston Paris, Rom. 22,166; Golther,Münchn. SB. 1890, II, 212ff.; Panzer, Festg.f. Sievers 1896 S. 212 Anm.; Lichtenstein,Beitr. 22, 1—93; L. Grimm, ZeilgenossenS. 54—63; Behaghel, Lbl. 1898. 115. 263;Vogt, N. Jahrb. 1899, I, 133ff.; Nolte, Anz.25,292f.; Blöte, ebda S.346ff.; John Meier,Basler Philol.-Vers. 1907 S. 515-17; Brug-GER, Arch. 118, 230 ff.; Baist, Rede 1909;v. D. Leyen, Wohlfeile Ausg. von Hertz 1911S. 410ff.; FÖRSTER.Wörterb.zu Krist. v.TroyesS. 187* ff.; Roethe, Rede; Bruce, bes. 1,318ff.;ScHWiETERiNG,ZfdA.61,71ff.,Festschr.f. Sievers 1925 S.554—82; Karg-GasterstädtS. 56f.; Golther, Münchn. SB. 1890, 212 ff.,Rede S. 16, Vortrag S. 166, Lbl. 1918, 86 ff.,LG. 2 S.206ff., Gralb. bes. S. 199ff.; GüntherMüller, ZfromPh. 44, 744. - Die Schwierig-keit, zu einem gesicherten Ergebnis in der Ent-scheidung für oder gegen Kyot zu gelangen,heben hervor: Hertz S.417ff. u. Rosenhagen,Nachtr. S. 560 ff.; Vogt, LG. 2,278 ff.; Helm,Lbl. 1908, 92 f.; Rosenhagen, DLz. 1926,804 ff.