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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 33. Vorgänger, Zeitgenossen, Nachfolger Wolframs 223

die Metapher von der selten (= nie) rauchenden Küche Str. 99 = P. 485, 7;eine vierfache Hochzeit am Schluß der Gudr. 1666 wie P. 729, 27730, 19.755, 14; der edle Heidenkönig (Sifrid) u. a.

Keiner der folgenden erzählenden Dichter 1 ist an Wolfram vorübergegangen,sie erkennen ihn als einen der drei großen Meister an, von denen sie ge-lernt haben, viele sind auch unmittelbar Nachahmer seiner Kunst und seinesStils, andere zeigen mehr oder weniger seinen Einfluß durch irgendwelcheAnklänge. Ausschlaggebend für die Einwirkung der drei Klassiker auf dieNachfolger war ihr Stil. Die natürliche Ausdrucksweise, die mittlere Stilart,die Hartmann vertrat, blieb immer in Geltung bei den nicht nach beson-deren Ausdrucksmitteln strebenden Dichtern. Gotfrids Eleganz gefiel demfeinen Geschmack, wurde aber leicht zu spielerischer Formkünstelei, Wolf-rams dunkles, schwerflüssiges Pathos erweckte den Eindruck tiefer Weisheit,aber die Nachahmer verfielen leicht in lächerlich dunkeln Schwulst. Aus derFormensprache der Meister, die ihrem Kunstwillen als Stil eigentümlich war,wurde bei den Epigonen zügellose Manier. Aber Wolfram erlebte den höchstenNachruhm. 2 Während Gotfrid ihn als einen Versündigerander Kunstbrandmarkte,huldigten ihm viele der nachfolgenden Poeten gerade wegen seiner wildenmcere und seiner unebenen Rede.

Ein Zeugnis für den großen Eindruck, den der Parz. auf die Zeitgenossenausübte, gibt Wirnt v. Grafenberg ab, 3 der in seinem Wigalois zuerst Hartmannfolgte (bis ca. V. 6300), dann aber, da er W.s Parz. kennen lernte, an diesen sichanschloß (bes. nach V. 9000), aber er kannte nur die sechs ersten Bücher desParz. Von Wirnt stammt das geflügelte Wort her Wolfram, der wise man vonEschenbach .. . lelen munt nie baz gesprach (Wigal. ed. Pfeiffer 163, 39 ff.). 4

Heinrich v. d. Türlin 6 stellt in seiner Krone um 1220 dem Parzival Wolf-rams Gawein als Gralhelden gegenüber und nennt Wolfram nur mit einemSeitenblick 6380, während er dem von ihm verehrten Hartmann eine solenneTotenklage widmet 23482437 (s. oben S. 142. 147). Sehr belesen in der Aus-drucksweise Wolframs ist Berthold v. Holle. 6 Rudolfs v. Ems Stil gibtein Beispiel, wie man Wolframsche Formeln in Gotfrids zierliche Kunstformeinimpfen konnte. 7 Der Pleier hat seine Romane zusammengewürfelt ausErinnerungsstellen, darin vieles aus Wolfram. 8 Reinbot v. Durne leitet seineritterliche Legende vom heiligen Georg ein mit der Entstehung von W.s Wille-halm und steht überhaupt ganz unter Wolframs Einfluß." Reich ausgespickt mitWolframzitierungen ist der Reinfrid v. Braunschweig. 10 Stark benutzt ist

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1 v. d. Hagen aaO.; Hertz S. 458 ff.; Piper 1,2329; Martin II S. LXXXVXCV; s. unten»Stil".

2 Ranke, ZfdA. 55,417.

3 Lachmann, Iwein, Anm. zu 1328 S. 413.4533 S. 479; Sprenger, Germ. 20, 43237;Zwierzina, Festg. f. Heinzel S. 474 f.

4 Martin II S. X.

5 Zingerle, Germ. 5, 46879; Golther,

Gralb. bes. S. 215 ff.

6 Leitzmann, Beitr. 16, 34660.

7 Ehrismann, Stud. S. 68 f.

8 Steinmeyer, GgA. 1893,97 ff.; Zwierzina,Anz. 22, 35363.

9 C. v. Kraus, Reinbot-Ausg. Reg. S. 307 u.überall in d. Anmerkungen.

10 Gereke, Beitr. 23,416 ff.